Noch junger Verein aus dem Kreis Freising, zu dessen Einsatz-Gebiet auch der Kreis Pfaffenhofen zählt, erhielt sogar schon den deutschen Tierschutz-Preis. Wir sprachen mit der Vorsitzenden Martina Zander.
(ty) Zahlreiche Wildtiere in der Region bewahrt der Verein "Wir retten Rehkitze" aus Neufahrn bei Freising durch seinen Einsatz davor, bei der Wiesen-Mahd ums Leben zu kommen. Für dieses Engagement hat das ehrenamtliche Team sogar schon eine besondere Ehrung erfahren. Die Initiative wurde im vergangenen Jahr mit dem deutschen Tierschutz-Preis in der Kategorie Publikums-Preis bedacht. "Wir sind unglaublich stolz – nicht nur, weil diese Auszeichnung als bedeutendster Tierschutz-Preis in Deutschland gilt, sondern auch, weil erstmals eine Organisation geehrt wurde, die sich speziell dem Schutz von Wildtieren widmet", sagt Vereins-Gründerin Martina Zander. Wir sprachen mit ihr über die Tätigkeit des Vereins.
Der im Dezember 2022 ins Leben gerufene Verein "Wir retten Rehkitze" war im vergangenen Jahr die einzige bayerische Organisation, die für den Publikums-Preis des deutschen Tierschutz-Preises nominiert worden war. Aus den insgesamt rund 500 Bewerbungen hatte die Jury zunächst vier Projekte in die Endrunde gewählt – bei der Online-Abstimmung setzte sich das Team aus Neufahrn bei Freising dann deutlich durch. Im Rahmen einer feierlichen Veranstaltung in Berlin war dem Verein schließlich die Auszeichnung offiziell überreicht worden.

Martina Zander (Zweite von links) bei der Verleihung des deutschen Tierschutz-Preises 2025.
"Wir haben derzeit rund 150 Helfer, darunter knapp 50 Mitglieder, davon arbeiten wiederum etwa 80 während der Mäh-Saison regelmäßig mit", berichtet Zander im Gespräch mit unserer Redaktion über den Verein, dessen Vorstands-Vorsitzende sie ist. In den drei Monaten nach der so genannten Setzzeit rücken die Teams – bis zu 35 Piloten, ergänzt von einem so genannten Spotter, dem zwei, drei weitere Helfer zur Seite stehen – vorzugsweise morgens oder manchmal auch abends aus. Je nach Anforderung werden sie laut Zander in einem Radius von etwa 50 Kilometern um Neufahrn bei Freising tätig – also auch im Landkreis Pfaffenhofen – und suchen Wiesen sowie Felder auf der Suche nach bedrohten Lebewesen ab.
Unter dem Einsatz von mit Wärmebild-Technik ausgestatteten Drohnen werden von den Ehrenamtlichen insbesondere Rehkitze sowie andere Wildtiere aufgespürt, aus den gefährdeten Bereichen geholt sowie kurzzeitig in speziell dafür hergerichteten Körben untergebracht. Nach dem Mähen der Flächen würden die Jungtiere schnellstmöglich wieder freigelassen, beteuert Zander. Die Muttertiere fänden durch Kontakt-Rufe ihren Nachwuchs wieder und brächten diesen an einen anderen, ihnen sicher erscheinenden Ort. Wo das geschilderte Vorgehen – wie etwa bei Bodenbrütern – nicht praktikabel sei, kennzeichnen die Tierschützer den Aufenthalts-Bereich, sodass der Landwirt weiträumig um die jeweilige Stelle herum mähen könne.

"Wir retten alles, was lebt", betont Zander und ergänzt, dass diese Arbeit kostenfrei sei. Gerne nehme man für den aufwändigen Einsatz aber Spenden entgegen. Derzeit verfügt der Verein laut heutiger Mitteilung der Vorsitzenden über insgesamt 16 Drohnen, von denen – und darauf ist sie stolz – mittlerweile zehn auch in seinem Besitz sind. Die Anschaffung dieser speziellen Fluggeräte sei allerdings kostenintensiv – mehrere tausend Euro müssten dafür investiert werden. Das Preisgeld aus dem deutschen Tierschutz-Preis sei deshalb ein wichtiger Anreiz für die Bewerbung gewesen, erinnert Zander. Noch wichtiger ist ihren Worten zufolge jedoch die größere Aufmerksamkeit für das Thema.
"Jedes Jahr sterben in Deutschland schätzungsweise rund 100 000 Rehkitze, weil sie während der Mahd übersehen werden", sagt die 59-Jährige. Sie betont, dass viele Tiere nicht sofort tot sind, sondern ihren schweren Verletzungen qualvoll erliegen. "Es ist schlimm, sich das vorzustellen." Der größte Anreiz für die Kitz-Retter, ihre Arbeit zu tun, sei es, Tiere vor dem qualvollen Tod zu bewahren. Als der Verein gegründet wurde, seien in seinem Bereich etwa 80 Prozent der Mäh-Flächen unkontrolliert geblieben, "inzwischen sind es nur noch rund 50 Prozent". Zander & Co. wollen jedoch weiter vorankommen: "Mein langfristiges Ziel ist es, dass höchstens noch 20 Prozent der Flächen ungescannt bleiben", proklamiert Zander. Drohnen-Piloten und weitere Helfer seien zur Verstärkung des Teams willkommen.

Heuer habe man bereits fast so viele Flächen abgesucht wie in der gesamten vergangenen Saison – dabei sei erst Halbzeit, berichtete Zander heute. Ihr Appell an die Landwirte: "Bitte setzt Rehkitz-Retter mit Drohne ein, bevor ihr mäht – auch bis Anfang Juli gibt es noch Kitze ohne Flucht-Instinkt. Und mit unserer Hilfe wisst ihr, wo ihr besonders aufpassen müsst. Wir verleihen auch Piepser, die die Flitzer (mobile Kitze) vertreiben helfen."
Vor Kurzem veröffentlichte der Verein sogar ein Buch mit Geschichten, Hintergrundwissen, Fotos und Illustrationen zum Thema. Es handele sich dabei um das erste Werk überhaupt, das sich ausschließlich der Rehkitz-Rettung widme, jedoch kein Fachbuch sei, wie Zander erklärt. Die Einnahmen daraus kämen dem Verein zugute. Weitere Informationen zu dem Verein gibt es auf dessen Internet-Seite unter www.wir-retten-rehkitze.com.





