Kreishandwerkerschaft und Innungs-Vertreter informieren über jüngste Entwicklungen und aktuelle Anliegen: Nachwuchs, Bürokratie-Abbau, faire Rahmenbedingungen, Qualifikation.
(ty) "Weniger Bürokratie, mehr Planungs-Sicherheit, faire Wettbewerbs-Bedingungen und eine Stärkung der beruflichen Bildung": Die in der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen organisierten Innungen sehen in mehreren Bereichen politischen Handlungs-Bedarf. Trotz unterschiedlicher Herausforderungen verbinde die Gewerke eine gemeinsame Botschaft: "Die Betriebe brauchen mehr Zeit und Freiraum für ihre eigentlichen Aufgaben – für Kunden, Mitarbeiter, Ausbildung und Investitionen. Die zahlreichen Auflagen und Dokumentations-Pflichten bremsen das Handwerk zunehmend aus." Auch die konjunkturellen Erwartungen blieben verhalten, ergänzt Carola Greiner-Bezdeka, die Vizepräsidentin der Handwerkskammer für München und Oberbayern. Umso wichtiger sei es, die Betriebe nicht durch zusätzliche Belastungen in ihrer Entwicklung zu hemmen.
Erfreuliche Nachrichten gibt es bei der Nachwuchs-Gewinnung. Joseph Huber von der Metzger-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen-Neuburg-Schrobenhausen zeigt sich erfreut darüber, dass es schon lange nicht mehr so viele Bewerbungen um Ausbildungsplätze gegeben habe wie in diesem Jahr. Auch die Bau-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen verzeichnet laut aktueller Mitteilung hier eine positive Entwicklung: Von zwölf Auszubildenden im Jahr 2024 erhöhte sich deren Zahl über 17 im vergangenen Jahr auf derzeit 18. Im Friseur-Handwerk zeige sich ebenfalls ein Aufwärts-Trend bei den neuen Ausbildungs-Verträgen in Oberbayern.
Entscheidend sei es, junge Menschen möglichst früh und authentisch über die Chancen einer dualen Ausbildung zu informieren, heißt es aus der Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen. Handwerkskammer-Funktionärin Greiner-Bezdeka berichtet von Auszubildenden, die selbst Schulen besuchen, dort von ihren Erfahrungen in der Lehre erzählen und für eine duale Ausbildung werben. Martina Bier, Leiterin des Bildungs-Zentrums der Handwerkskammer in Ingolstadt, verweist zudem auf Angebote wie "5 Berufe in 5 Tagen" oder die Ferien-Werkstatt. Dort könnten Schülerinnen und Schüler verschiedene Gewerke praktisch kennenlernen und selbst herausfinden, welcher Beruf zu ihnen passe.

Martina Bier, die Leiterin des in Ingolstadt angesiedelten Bildungs-Zentrums der Handwerkskammer für München und Oberbayern.
Dass Berufs-Orientierung nicht zwangsläufig mit einem neuen Ausbildungs-Verhältnis enden müsse, betont Harald Meier von der Friseur-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen: Auch ein Praktikum, nach dem ein Jugendlicher feststelle, dass der Beruf nicht zu ihm passe, sei ein Erfolg. Schließlich gehe es darum, eine fundierte Berufswahl zu ermöglichen. Die Handwerks-Betriebe übernehmen dabei laut Kreishandwerkerschaft vielfach Verantwortung weit über die fachliche Ausbildung hinaus.
Roman Neuber, stellvertretender Obermeister der regionalen Elektro-Innung, berichtet, dass Betriebe beispielsweise Azubis unterstützen, die noch nicht ausreichend Deutsch sprechen. Dazu werde ihnen unter anderem der Besuch entsprechender Sprach-Kurse ermöglicht. Miguel Perez Taboada, Obermeister der Zimmerer-Innung Ingolstadt-Pfaffenhofen, ergänzt: Integration funktioniere in beide Richtungen. Auch für den eigenen Betrieb könne es hilfreich sein, vorhandene Englisch-Kenntnisse aufzufrischen, um Auszubildenden sprachlich entgegenzukommen und die Verständigung im Arbeits-Alltag zu erleichtern.
"Große Einigkeit herrscht bei der Kritik an zunehmenden Dokumentations-, Statistik- und Nachweis-Pflichten", fasst die Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen zusammen: "Kleine und mittelständische Handwerks-Betriebe verfügen meist nicht über eigene Verwaltungs-Abteilungen. Zusätzlicher Aufwand landet deshalb unmittelbar bei den Betriebs-Inhabern."
Die Metzger-Innung berichte beispielsweise von einem Betrieb, der für 14 Statistiken ausgewählt worden sei. "Elektro-, Schreiner- und Zimmerer-Innung nennen ebenfalls zahlreiche Vorschriften und Dokumentations-Pflichten, die erhebliche Arbeitszeit binden." Die Forderung laute daher: Vorgaben müssten einfacher, verständlicher und vor allem für kleine Betriebe praxistauglich sein.
Ein weiteres Thema sei der faire Wettbewerb zwischen qualifizierten Handwerks-Betrieben und Anbietern, bei denen notwendige fachliche Voraussetzungen oder gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten würden. Besonders die Friseur-Innung sehe hier Handlungs-Bedarf und fordere wirksamere Kontrollen.

Gespräch zur Situation des Handwerks in der Region.
Kreishandwerksmeister Jürgen Seißler sieht bei Betrieben, die ohne erforderliche Meister-Qualifikation oder andere notwendige Voraussetzungen tätig sind, auch die Ordnungsämter der jeweiligen Städte und Gemeinden in der Pflicht. Wo gesetzliche Vorgaben bestünden, müsse deren Einhaltung kontrolliert sowie bei Verstößen eingeschritten werden.
Aus Sicht des Metzger-Handwerks steht dabei insbesondere die Lebensmittel-Sicherheit im Mittelpunkt. Der Staat müsse konsequenter darauf achten, dass auch bei Selbstständigen die erforderlichen Qualifikationen vorhanden und sämtliche gesetzlichen Auflagen erfüllt seien. Wer als ordnungsgemäßer Handwerks-Betrieb Zeit und Geld in Qualifikation, Hygiene, Ausbildung und die Erfüllung gesetzlicher Anforderungen investiere, dürfe gegenüber Anbietern, die diese Vorgaben nicht erfüllten, nicht benachteiligt werden.
Auch beim Wohnungsbau und bei der so genannten Wärmewende brauchen die Betriebe Planungs-Sicherheit, heißt es aus der Kreishandwerkerschaft. Das Bauhandwerk verweise auf rückläufige Zahlen bei Baugenehmigungen in Ingolstadt und im Landkreis Pfaffenhofen. Hohe Bau- und Finanzierungskosten sowie regulatorische Anforderungen bremsten Investitionen. Die Innung für Sanitär-, Heizungs- und Klima-Technik (SHK) Ingolstadt-Pfaffenhofen fordere zugleich, das regionale Handwerk frühzeitig in die kommunale Wärmeplanung einzubeziehen.
Aus Sicht der Kreishandwerkerschaft zeigen die Rückmeldungen und Informationen aus den verschiedenen Innungen vor allem eines: "Das Handwerk ist bereit, Verantwortung zu übernehmen – bei Ausbildung und Integration ebenso wie bei Wohnungsbau, Wärmewende, Versorgung und regionaler Wertschöpfung." Dafür brauche es mehr Vertrauen in die Betriebe, weniger Bürokratie, konsequente Kontrollen dort, wo gesetzliche Vorgaben nicht eingehalten würden, und verlässliche politische Rahmenbedingungen.
Die Kreishandwerkerschaft Ingolstadt-Pfaffenhofen appelliert deshalb an Politik und Verwaltung, "die praktische Erfahrung der Innungen frühzeitig in Entscheidungen einzubeziehen und den Betrieben wieder mehr Freiraum für das zu geben, was sie am besten können: ausbilden, arbeiten, investieren und Verantwortung für die Region übernehmen".





