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Welche Pläne haben die sieben Bewerber konkret für den Landkreis und das Landratsamt, um einen echten Mehrwert für die Bürger zu schaffen? Hier lesen Sie ihre Antworten.

(ty) Am 15. März, spätestens aber in der Stichwahl zwei Wochen später, wird der Landrats-Posten im Kreis Pfaffenhofen neu vergeben. Sechs Männer und eine Frau gehen ins Rennen, in alphabetischer Reihenfolge sind das: Albert Gürtner (FW), Andreas Herschmann (SPD), Karl Huber (Bürgerliste), Thomas Neudert (FDP), Martin Rohrmann (CSU), Kerstin Schnapp (Grüne) und Claus Staudhammer (AfD). Unsere Zeitung hat allen dieselben Fragen gestellt und veröffentlicht nun im Rahmen einer Serie die Antworten zu jeweils einer Frage. Zum Start wollten wir wissen: "Die Digitalisierung ist als eine der großen Zukunfts-Aufgabe in aller Munde. Welche Pläne haben Sie für den Landkreis und das Landratsamt konkret, um einen echten Mehrwert für die Bürger zu schaffen?" 

Albert Gürtner (Freie Wähler):

"Die Digitalisierung in den öffentlichen Verwaltungen ist, im Gegensatz zur Wirtschaft, noch nicht besonders stark ausgeprägt und die deutschen Verwaltungen nehmen hier noch EU-weit einen Platz im letzten Drittel ein. Die Zeit für die Umsetzung wird auch langsam knapp, denn nach dem Online-Zugangs-Gesetz müssen bis 2022 für alle im Gesetz definierten 575 Verwaltungs-Dienstleistungen digitale Lösungen nutzbar sein. Da wird die Zeit langsam knapp. Im Landkreis muss dabei zuerst für die Menschen ein echter Mehrwert geschaffen werden. Anträge, die Beauftragung von Dienstleistungen und die Bezahlung sind hier zuerst zu nennen. Durch einen digitalen Bauantrag sollten auch die Genehmigungs-Verfahren deutlich beschleunigt werden.

Digitalisierung sollte auch für eine intensivere Bürgerinformation und -beteiligung genutzt werden. Als Beispiel kann hier die 'Paf und Du'-Plattform in meiner Heimatstadt Pfaffenhofen herangezogen werden. Wichtige Informationen zum Beispiel über aktuelle Themen, Baustellen und so weiter können hier zeitnah weitergegeben werden. Dazu sollte auch eine übersichtliche und leicht bedienbare Landkreis-App installiert werde. Bei der Digitalisierung dürfen wir aber auch nicht die Menschen vergessen, welche sich mit den neuen Techniken noch nicht so anfreunden können, und weiterhin die persönliche Beratung und Hilfestellung im Landratsamt oder per Telefon anbieten. Viele Probleme kann man mit Reden oft leichter lösen als mit Mails und Online-Anträgen."

Andreas Herschmann (SPD):

"Schluss mit Symbolpolitik. Die derzeitige Digitalisierungs-Strategie sieht so aus: Verlegenheits-Zahlungen nach Ingolstadt und ein Roboter im Landratsamt. Beides halte ich für grundlegend falsch, denn mit dem Geld könnten wir selbst Infrastruktur schaffen. Digitalisierung muss sich am Menschen orientieren, nicht umgekehrt. Statt eines Roboters am Empfang können wir auch Arbeitsplätze für Menschen mit Handicap schaffen. Unkraut-Roboter für die Landwirtschaft: Digitale Innovationen kann man in der Land- und Forstwirtschaft vorantreiben, um mit Farm-Drohnen oder Farm-Droiden zum Beispiel Spritzmittel zu ersetzen. Digitales Gold selbst schöpfen – Open-Data-Network: Mit einer Software-Initiative würde ich ein Open-Data-Portal aufbauen und App-Wettbewerbe durchführen, damit die Wertschöpfung unserer Daten in der Region bleibt. 

FabLab und Thinkathon: Für Schulen und Azubis möchte ich einen Maker-Space eröffnen und mit einem Landkreis-Wettbewerb für Open-Data-Apps und einer Thinkathon-Initiative die Mint-Themen fördern. Daten statt Bürger laufen lassen: Mit einem Digital-Dialog sind Video-Sprechstunden für Landrat und Ämter möglich ohne lange Wege zurückzulegen und mit einer digitalen Bauakte und mehr Personal möchte ich eine Erledigungsfrist von 90 Tagen für Bauanträge sicherstellen. Transparenz, Begeisterung, Bürgermelder: Durch Live-Übertragungen und Info-Videos zu kommunaler Politik können wir Transparenz schaffen und mit einem Bürgermelder-Portal sofort die Anregungen der Bürger einholen."

Karl Huber (Bürgerliste):

"Die Digitalisierung ist eine der großen Herausforderungen der nächsten Jahre. Dies betrifft alle Bereiche der Gesellschaft, sowohl die Wirtschaft und die Behörden als auch die Privathaushalte. Für die Unternehmen sind breitbandige Übertragungsraten wichtig, um konkurrenzfähig bleiben zu können. Im Landratsamt müssen die digitalen Anwendungen weiter vorangetrieben werden – wie zum Beispiel Online-Anträge und Genehmigungs-Verfahren sowie elektronische Aktenführung. Wichtig ist, dass die Schnittstellen passen und die Gemeinden zeitnah mit eingebunden werden.

Es darf keine Insel-Lösungen geben. Hier ist es die Aufgabe des Landratsamts, in partnerschaftlicher Zusammenarbeit die Verwaltungs-Verfahren der Zukunft zu gestalten. Der Landkreis berät und unterstützt die Gemeinden beim Aufbau der Glasfaser-Netze und bei der Beseitigung der Mobilfunk-Löcher. Davon profitieren alle, sowohl die Wirtschaft als auch der öffentliche Sektor und Private. Die Gründung von Infrastruktur- und Dienstleistungs-Gesellschaften zur Unterstützung des digitalen Wandels und der Beschleunigung des Ausbaus von Glasfaser-Netzen halte ich für sinnvoll."

Thomas Neudert (FDP):

"Digitalisierung kann nur funktionieren, wenn alle Orte ein leistungsfähiges Internet haben. Dies ist die Grundvoraussetzung. Daher müssen Lücken in der Versorgung geschlossen werden. Neue Gewerbe- und Wohngebiete müssen voll erschlossen werden, das heißt: neben Strom, Wasser, Kanal auch eine leistungsfähige Internet- und Mobilfunk-Anbindung haben. Bei der Digitalisierung kommt dem KUS eine zentrale Bedeutung zu. Ich möchte dort eine Stelle ansiedeln, die sowohl kleine als auch mittelständische Unternehmen bei der Digitalisierung berät und unterstützt. Denn gerade diese Unternehmen können sich wegen geringer personeller und finanzieller Ressourcen oft dem Thema nicht angemessen widmen. Zusätzlich können durch diese Stelle auch die Gemeinden bei der Digitalisierung unterstützt werden.



Der Landkreis stattet auch seine Schulen mit digitaler Technik aus. Hier muss aber auch darauf gedrungen werden, dass die Lehrer entsprechend fortgebildet werden, um auf der Höhe der Zeit zu sein. Im Hinblick auf das Landratsamt wird durch die Einführung der E-Akte ein großer Schritt gemacht. Dies ermöglicht dann, dass sämtliche Dokument online an die Behörde geschickt werden können. Ziel muss es sein, möglichst viele Prozesse digital abzubilden. Mir ist aber auch wichtig, dass es weiterhin menschliche Ansprechpartner gibt. Daher finde ich den Landratsamts-Roboter unglücklich: Vorne am Empfang sollte der Mensch stehen und hinten die Prozesse digital ablaufen und nicht umgekehrt."

Martin Rohrmann (CSU):

"Mein Ziel ist die digitale Verwaltung, die das Leben leichter macht. Einfach und schnell wie Online-Shopping, transparent und barrierefrei. Derzeit sind im Landratsamt von rund 600 Verwaltungs-Prozessen gerade 25 digital umgesetzt. Hier steht noch eine Menge Arbeit an – und die wird sich lohnen: In der Zukunft gehören lange Wartezeiten oder das stetige Ausfüllen von Formularen der Vergangenheit an. Dazu gestalten wir Dienste nutzerfreundlich und bauen unnötige Bürokratie ab. Ich stehe dafür, Verwaltungs-Vorgänge einfacher und schneller zu machen. Beispiel Bauanträge: Ein Schwerpunkt meiner Arbeit wird die Einführung der vollständig digitalen Bauakte sein. Die aktuelle Situation mit halb analog und halb digital ist für Bürgerinnen und Bürger verständlicherweise ärgerlich.

Mit dem Abrufen von Prozess-Formularen ist es nicht getan, wenn der Antrag ausgedruckt und analog wieder ans Landratsamt geschickt werden muss. Ein Mehrwert kann nur erzielt werden, wenn die digitalen Antworten vom jeweiligen Mitarbeiter weiter bearbeitet werden können. Bürger und Mitarbeiter sind zu sensibilisieren und mitzunehmen. Weiteres Beispiel: Mit einer Online-Terminvergabe kann leichter und flexibler geplant werden, zusätzlich besteht mehr Zeit fürs persönliche Gespräch. Da Digitalisierung ein fruchtbarer Boden für ständig neue Ideen und Technologien ist, ist sie auf sämtliche Geschäfts-Bereiche auszubreiten und insbesondere in den Schulen ein bedarfsgerechter Grundstein zu legen. Um die Chancen-Gleichheit zu wahren, sind schriftliche Anträge weiterhin möglich."

Kerstin Schnapp (Grüne):

"Nach dem Erhalt unser Lebensgrundlagen, durch Klima- und Artenschutz, ist die erfolgreiche Digitalisierung von Wirtschaft und Gesellschaft eine der größten Zukunfts-Aufgaben. Digitalisierung ermöglicht eine vollkommen neue Form der (Zusammen-)Arbeit und Wertschöpfung. Das verändert Wirtschaft und Gesellschaft massiv, ist Chance und Herausforderung zugleich. Unternehmer und Arbeitnehmer sind gefordert, sich in wachsender Geschwindigkeit auf Neuerungen einzustellen. Wer heute Maurer lernt, steht vielleicht bald vor der Herausforderung, dass Häuser aus dem 3D-Drucker kommen. Mit der Gründung eines Aus- und Weiterbildungs-Zentrums für Hand- und Kopfwerker möchte ich hier unterstützen.

Für Gründer im digitalen Bereich möchte ich Räume im Landkreis schaffen, statt eine Ablass-Zahlung nach Ingolstadt zu leisten. Im Landratsamt will ich die Möglichkeiten der Digitalisierung für Bürgerbeteiligung nutzen, etwa mit Live-Stream der Kreistag-Sitzungen und Ausbau der Landkreis-Homepage zu einer echten Beteiligungs-Plattform. Auch der Bürgerservice lässt sich durch Digitalisierung verbessern und erspart Behördengänge. Für mich ist klar: Alles, was online erledigt werden kann, soll auch vom Landratsamt online angeboten werden. Ein umfassendes Online-Angebot spart den Mitarbeiten Zeit, die wir in die Unterstützung der Bürger und die zügige Bearbeitung von Aufgaben investieren sollten. Digitale Angebote der Erwachsenenbildung, etwa in der VHS, sollen ein weiterer Baustein sein."

Claus Staudhammer (AfD):

"Digitalisierung ist ein unglaublich dynamischer Prozess. Die Anforderungen an moderne Verwaltungs-Dienstleistungen müssen als Ziel haben, die Bedürfnisse der Menschen zu treffen. Die Bürger in den Prozess der Veränderung mit einzubinden, ist eine große Herausforderung. Der Anspruch nach mehr Effizienz in der Verwaltung, nach kürzeren Bearbeitungszeiten bei Bürger-Anliegen, steht im Fokus und kann durch noch mehr Engagement im Bereich der Digitalisierung erfüllt werden. Die zentrale Aufgabe ist es, ein leistungsfähiges E-Government unter dem Kernaspekt der Bürgerfreundlichkeit zu schaffen. Auch die im Landkreis angesiedelten Unternehmen und Gewerbetreibenden, die im Kontakt mit der Behörde stehen, sollen in adäquater Weise von den veränderten Standards profitieren.

Viele Bürger teilen den Wunsch nach gleichwertigen Lebensverhältnissen in allen Kommunen des Landkreises. Die Digitalisierung bietet die große Chance, eine derartige Lebensqualität zu realisieren. Ohne diverse Veränderungen in der Struktur der Verwaltungs-Behörde ist dies nicht umzusetzen. Eine Grundkonzeption über klare Anforderungs-Profile, wie moderne, in die Zukunft gerichtete Arbeitsplätze in der Verwaltung ausgerichtet werden müssen, ist unumgänglich. Den IT-relevanten Bereichen gilt es die größtmögliche Aufmerksamkeit zu schenken. Grundvoraussetzung für die Teilnahme an den angestrebten Veränderungen ist ein flächendeckender Breitband-Ausbau. Auch hier muss noch mehr geleistet werden, um die Lücken zu schließen."


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