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Im Rahmen des Notfallplans haben heute rund 100 Asylbewerber die Festhalle der Pfaffenhofener Trabrennbahn bezogen – Die Logistik dahinter reicht von Ärzten über Dolmetscher bis hin zum Catering und Sicherheitsdienst

(zel) Nachdem gestern von der Regierung von Oberbayern der Notfallplan zur Unterbringung von Asylbewerbern im Kreis Pfaffenhofen aktiviert worden war, sind heute rund 100 Flüchtlinge eingetroffen. Sie wurden in zwei Bussen von der Erstaufnahme-Einrichtung in München hergebracht. Insgesamt bis zu 150 Personen sollen für vier bis sechs Wochen, maximal für drei Monate in den Räumlichkeiten an der Pfaffenhofener Trabrennbahn einquartiert werden, die bekanntlich von der Urbanus-Brauerei angemietet werden konnten. Danach sollen sie auf Unterkünfte im Freistaat verteilt werden – einige davon möglicherweise auch im Kreis Pfaffenhofen.

 

Die Halle ist in mehrere Bereiche unterteilt.

Der erste Bus erreichte die Kreisstadt am Nachmittag. Die rund 50 Personen, die mit ihm ankamen, sind etwa zur Hälfe aus Syrien, darunter auch mehrere Familien. Die restlichen Flüchtlinge stammen aus verschiedenen Ländern; zum Beispiel aus Pakistan, Somalia, Eritrea, Mali, Albanien oder Afghanistan. Der zweite Bus kam gegen 20 Uhr an, er brachte 53 Flüchtlinge. Von der Regierung von Oberbayern werden dem Landkreis jeweils Gruppen von etwa 50 Leuten zugewiesen; sprich: immer ein Bus voll. Aussagen zu Herkunftsländern beziehungsweise darüber, ob und wie viele als Familie oder Alleinstehende ankommen, erhalte man vorab nicht, sagte ein Sprecher des Landratsamts bei einem Presstermin vor Ort.

Nach einem so genannten medizinischen Erstscreening, das in einem eigens aufgestellten Zelt durch Mitarbeiter des Gesundheitsamt, Ärzte und Helfer des BRK erfolgte, sowie der Registrierung durch Vertreter des Ausländeramts erhielten die Asylbewerber eine Erstausstattung an Bettwäsche und Hygieneartikeln und bezogen die Halle. Bis Freitag sollen alle Personen näher medizinisch untersucht werden. Bis auf Kinder und Schwangeren würden auch alle in einem der umliegenden Krankenhäuser geröntgt; dabei gehe es vor allem um eine Untersuchung auf TBC.

Medizinisches Erst-Screening.

Die Asylbewerber, die heute in Pfaffenhofen ankommen, würden kurz nach ihrer Ankunft in München im Rahmen des Notfallplans nach Pfaffenhofen weitergeleitet, hieß es heute Vormittag von der Regierung von Oberbayern. Und es wurde erklärt: „Zuvor werden alle im so genannten Ankunftszentrum in München, der ersten Anlaufstation für neu Angekommene, zunächst medizinisch erstuntersucht.“ Allerdings habe sich unter den Personen, die heute Nachmittag Pfaffenhofen mit dem ersten der beiden Busse erreichten, eine Frau befunden, die einen gebrochen Arm hatte, wie Landrat Martin Wolf (CSU) berichtete. Sie sei umgehend mit Begleitung per Taxi ins Krankenhaus gebracht worden.

Symbolische Bilder überwinden die Sprachbarriere und helfen bei der Diagnose von gesundheitlichen Problemen.

Unter anderem Dolmetscher halfen bei der Verständigung der angekommenen Asylbewerber und gaben ihnen erste Orientierung auf dem Gelände der Trabrennbahn. Inklusive der Mitarbeiter aus dem Landratsamt waren in wechselnder Besetzung insgesamt rund 30 Helfer vor Ort, darunter auch ehrenamtliche. 

Die Flüchtlinge werden in der rund 1000 Quadratmeter großen, ehemaligen Festhalle untergebrach. Dort waren im Vorfeld bereits 75 Stockbetten aufgestellt worden. Die Halle wurde außerdem durch mit Planen verkleidete Bauzäune in verschiedene Sektionen unterteilt, um etwas Privatsphäre zu schaffen. Bei der Verteilung der Personen auf die Bereiche werde auf Familien-Zusammengehörigkeit und Nationalitäten Rücksicht genommen, wurde erklärt.

Als Speisesaal dient der Zwischenbau, der sich an die Halle anschließt und sie mit dem Tribünenhaus verbindet, das vorerst nicht genutzt werden soll. Genutzt werden kann dagegen der Platz vor dem Gebäudekomplex; dort wurden Container mit insgesamt 24 Duschen aufgestellt. Toiletten sind im Gebäude selbst vorhanden.

 

Die Versorgung der Flüchtlinge erfolgt über einen Catering-Dienst. Als erste Mahlzeit standen heute Puten-Wiener und Kartoffelsalat bereit. Außerdem hatten die Leute noch Tüten, unter anderem mit Obst, aus München mitbekommen. Getränke seien ausreichend auf dem Gelände vorrätig, wurde betont. 

Rund 100 Spinde wurden bereitgestellt, damit die Flüchtlinge bei Bedarf ihre persönlichen Sachen sicher verwahren können; diese werden zunächst in einem Zelt des Technischen Hilfswerks untergebracht. Ein Infoleitsystem und entsprechende Beschilderung sollen die Orientierung auf dem Gelände erleichtern. Außerdem liegen Info-Blätter in mehreren Sprachen aus.

Security-Personal ist rund um die Uhr vor Ort. Das Gelände ist nicht für die Öffentlichkeit zugänglich. „Die Privatsphäre der Asylbewerber ist zu respektieren“, betont das Landratsamt. An den Zufahrtswegen sind Absperrungen angebracht. Security-Kräfte kontrollieren die Zugangsberechtigungen. Ehrenamtliche Helfer müssen den Sicherheitsleuten vorab namentlich gemeldet werden und haben dann Zutritt. Dies gilt auch für Behördenvertreter.

 

Nach ihrer Ankunft in Pfaffenhofen durchliefen die Flüchtlinge heute zunächst drei Stationen. Sie wurden dabei von Helfern begleitet. Zur Versorgung mit Getränken und als Sonnenschutz stehen mehrere Pavillons bereit. Für die Verständigung sind Dolmetscher für verschiedene Sprachen vor Ort. Als erste Station steht ein Gesundheits-Screening an.  Zwei Ärztinnen des Gesundheitsamts führen mit Unterstützung des Bayerischen Roten Kreuzes diesen ersten Check durch.

Die zweite Station sieht die Erfassung im Rahmen des Asylverfahrens vor. Das Ausländeramt prüft und registriert dabei die notwendigen persönlichen Daten. Danach wurde den Leuten mit Unterstützung des Sozialamts eine Sektion in der Festhalle zugewiesen und sie erhielten die nötige Grundausstattung sowie gegebenenfalls Spielsachen für Kinder.

 

Sicherheitsleute sind rund um die Uhr auf dem Gelände.

Für die Betreuung und Begleitung der Asylbewerber am heutigen Aufnahmetag sind auch mehrere Mitarbeiter vom Caritas-Zentrum Pfaffenhofen vor Ort. Auf einen Aufruf hin hatten sich zudem 35 Mitarbeiter des Landratsamts für verschiedene Zeiten gemeldet, um in den ersten Tagen in der Notfall-Unterkunft mitzuhelfen. Aber auch nach der Aufnahme stehen Mitarbeiter des Ausländer- und des Sozialamts an einer Infotheke für Auskünfte zur Verfügung. Für das kommende Wochenende ist eine Besetzung von jeweils von 9 bis 11 Uhr vorgesehen. In der Folgezeit sollen nach Bedarf Sprechzeiten organisiert werden. Die persönliche Betreuung der Flüchtlinge erfolgt durch ehrenamtliche Helfer des hiesigen Asyl-Arbeitskreises und der Asylsozialberatung des Caritas-Zentrums. 


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