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Familienfreundlichkeit als Erfolgsfaktor: Wie Arbeitswelt und Familienleben aufeinander eingestellt und letztlich auch zusammenpassen können, das war Thema beim heutigen Unternehmerforum des Landkreises Pfaffenhofen in Geisenfeld, an dem über 200 Gäste aus Unternehmen und Verwaltung teilnahmen. Prominente Rednerin: Ministerin Christine Haderthauer (CSU).

Von Alfred Raths

Impulse geben nach dem als Fragestellung formulierten Motto der Veranstaltung, wonach wohl mit familienaktiven Unternehmen die Zukunft zu gewinnen sei, das war Aufgabe der früheren Familienministerin und jetzigen Staatsministerin für Bundesangelegenheiten und Sonderaufgaben Christine Haderthauer (CSU). „Inzwischen ist es nicht nur die Standortentscheidung des Unternehmers,  sondern wir sind in einer Zeit angelangt, in der die Standortentscheidung des Arbeitnehmers genauso wichtig geworden ist“, betonte die Ministerin aus Ingolstadt auch im Hinblick auch auf vielerorts gefragten Fachkräfte. Das müsse erst noch gelernt werden, denn Familienfreundlichkeit sei für Unternehmen überlebens- und zukunftsnotwendig.

Bayern habe per Saldo den höchsten Zuzug aus ganz Deutschland, da die Menschen hier Chancen sähen für ein zufriedenes, erfülltes Leben, so Haderthauer. Mit der „Generation Y“  – ein Begriff aus der Soziologie, demnachjene Menschen gemeint sind, die um das Jahr 2000 noch Teenager waren und unter anderem oftmals sehr gut ausgebildet sind und sich als technologie-affin auszeichnen – habe sich ein Wandel vollzogen, sie gelte es jetzt anzulocken. „Sie haben aber einen anderen Anspruch ans Leben als das vielleicht noch bei ihren Eltern gewesen ist.“

Plausch in Reihe eins: Bernd Huber, Chef des Wirtschaftsbeirats im Kreis Pfaffenhofen (von links), unterhält sich mit dem CSU-Landtagsabgeordneten Karl Straub aus Wolnzach, während sich Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf mit Ministerin und Parteikollegin Christine Haderthauer austauscht.

Generation Y ist zwar sehr einsatzfreudig, sie wolle aber alles im „Jetzt“: Familienleben, Sabbatical, Flexibilität um jetzt ihre Lebensvorstellungen zu verwirklichen. Man könne es sich auch nicht mehr leisten, bei der Arbeitskraft vorwiegend auf ein Geschlecht zurückzugreifen. „Familienfreundlichkeit ist kein Spartenthema mehr“, bekräftigte Haderthauer. Die Herausforderung bestehe nun darin, „auch diejenigen abzuholen, die ihre Arbeitszeit reduzieren wollen, um sich um ihre Familie zu kümmern“. Eine späteren Wiedereingliederung in die Arbeitswelt müsse „besser ermöglicht“ werden. In Deutschland leiste man sich dabei die größte Ressourcenverschwendung und es gebe hierzulande das Vorurteil, dass Familienverantwortung „einen irgendwie ein bisschen verdummen lässt.“ Gerade das Gegenteil sei aber der Fall: „Nirgends lernt man Managementqualitäten besser – das wissen alle, die an der Alltagsfront in der Familie unterwegs sind.“  

Wirtschaftliches Tun müsse in der Gesellschaft insgesamt akzeptiert werden, so Haderthauer weiter. „Und das wird es in der heutigen Zeit nur dann, wenn eine soziale Balance da ist.“ Die Kunst der Wirtschaft sei es, gesellschaftliche Akzeptanz zu erreichen, mit einem sozialverantwortlichen Wirtschaften bei dem die Gesellschaft auch das Gefühl  habe, „da gewinnen nicht nur die Starken, da gewinnen wir alle“.

Bernd Huber, Vorsitzender des Wirtschaftsbeirats des Landkreises Pfaffenhofen, stellte die Familie als „wichtigste Einrichtung gesellschaftlichen Lebens“ in den Vordergrund. Familie brauche aber auch gesellschaftliche Unterstützung, auch die in Unternehmen.

Über 200 Unternehmens-, Verbands- und Behördenvertreter nebst einigen Bürgermeistern und Politikern waren heute zum Unternehmerforum des Landkreises Pfaffenhofen in Geisenfeld gekommen.

Im Landkreis Pfaffenhofen gebe es einen „gesunden Mix von Handwerksbetrieben, mittelständischen und hochinnovativen Familien- und Inhabergeführten Firmen und international agierenden Großunternehmen“, so Huber. Diese Unternehmen seien nicht nur gesund und innovativ, sie investierten auch in Bildung und übernähmen soziale Verantwortung. Die Wichtigkeit des Faktors Familie sei von ihnen erkannt worden.

Wie die Firmen ihre Familienfreundlichkeit im Betrieb praktizieren, das konnten sie bei Kurzvorstellungen und einer Gesprächsrunde–moderiert von Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt – ihrem Publikum vortragen.

Christian wies eingangs darauf hin, dass in der Region bis zum Jahr 2030 gut 12 000 Fachkräfte fehlen würden: „Der Kampf um Talente hat bereits begonnen.“ Familienfreundlichkeit bringe den Unternehmen in diesem Kampf messbare Vorteile. Christian nennt als einfach zu realisierende Möglichkeiten, attraktiv für Arbeitnehmer mit  Kindern oder zu pflegenden Menschen zu sein: Job-Sharing, flexible Arbeitszeiten, klare Vertretungsregelungen, Arbeit von zuhause aus, um nur einige zu nennen.

Cassidian in Manching praktiziere die Heimarbeit bereits in größerem Umfang, berichtete Hans-Christoph Oelker aus dem Unternehmen. Mitarbeiter könnten sogar unter gewissen Voraussetzungen bis zu einem Jahr ihre Arbeit unterbrechen. Kleiderbügelherstellerin Michaela Schenk von der Firma Mawa hat „Oma-Tage“ eingeführt, damit sich die Großmütter auch mal tagsüber um ihre Enkel kümmern können. Bauunternehmer Max Hechinger sieht für das Handwerk gewisse Probleme bei familienfreundlichen Bestrebungen.

Abschlussdiskussion mit Moderatorin Elke Christian, Leiterin der IHK-Geschäftsstelle Ingolstadt (von links): Detlef Fuchs von Hipp, Max Hechinger vom gleichnamigen Bauunternehmen, Michaela Schenk von Mawa, Erich Deml von Wolf-Anlagentechnik, Hans-Christoph Oelker von Cassidian, Katharina Linner von der gleichnamigen Werkzeugfabrik und Albert Schmid vom Landratsamt Pfaffenhofen.

Das Baugewerbe stünde zunehmend im Wettbewerb mit Subunternehmen. „Ich fordere aber meine Maurer auf, in Elternzeit zu gehen. Der Erfolg ist, dass sie nach drei Monaten gerne wieder zur Arbeit gehen“, meinte Hechinger lächelnd.

Erich Deml von der Geschäftsleitung der Wolf-Anlagentechnik unterstützt seine Mitarbeiter durch Sonderurlaube oder auch die Möglichkeit, von zuhause aus zu arbeiten. Katharina Linner von der gleichnamigen Werkzeugfabrik setzt auf unkomplizierten und unbürokratischen Umgang mit dem Personal. Und Detlef Fuchs von der Hipp-Unternehmensgruppe sieht die Kommunikation als Schlüssel für Familienfreundlichkeit.

Bevor Pfaffenhofens Landrat Martin Wolf (CSU) zu seinem Schlusswort ansetzte, stellte  Albert Schmid, Abteilungsleiter Soziales im Landratsamt Pfaffenhofen, den familienaktiven Landkreis vor. Der stehe auf den Säulen des Bündnisses für Familie, dem Programm Bildungsregion Bayern und einem seniorenpolitischen Gesamtkonzept.

Wolf schließlich stellte heraus, dass heute auch die potenzielle Mitarbeiter Standortentscheidungen für den Einsatz ihrer Arbeitskraft träfen. Den Anspruch auf einen gewissen Arbeits-, Familien- und Freizeitwert der Generation Y müsse man sehr ernst nehmen. Es gebe eine moralische Pflicht,  die Möglichkeiten dazu zu schaffen, dass eine Kinderbetreuung oder auch die Unterstützung zu pflegender Angehöriger in Eigenregie zu gestalten sei. Daraus erwüchsen Aufträge an Politik, Ehrenamt aber auch Unternehmen. Als Resümee bleibe, dass „alles nur miteinander geht“.


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