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Schauspieler und Comedian Florian Simbeck ist verärgert über eine BR-Redaktion, die ihn über Altersarmut befragen, aber keine Gage zahlen wollte. Nun macht er die Korrespondenz öffentlich, um auf diesen "grassierenden Missstand" hinzuweisen. Er ist sauer, weil "die Branche nicht nur die Künstler wie selbstverständlich ausbeutet, sondern nun auch noch die Ausbeutung ausbeuterisch thematisieren will".

(ty) Florian Simbeck, Comedian und Schauspieler aus Reichertshausen, ist „schockiert und empört“ wegen einer Anfrage des Bayerischen Rundfunks. Die zuständige Redaktion wollte mit ihm für einen TV-Beitrag ein Gespräch über Altersarmut führen und ihn eventuell interviewen – bezahlen könne man aber nichts, ließ man ihn wissen und stellte lediglich eine Aufwandsentschädigung um die 100 Euro in Aussicht. Das bringt Simbeck auf die Palme. „Bezeichnend und zynisch“ sei das, mit ihm über Altersarmut bei Künstlern sprechen zu wollen und zugleich mitzuteilen, dass es keine Gage gebe. „Nein, für 100 Euro gehe ich nicht in Ihre Sendung und spreche auch nicht über meine persönliche Armuts­-Situation, die von Redaktionen wie der Ihren mitverursacht wird“, erklärte Simbeck und machte die Korrespondenz mit der Redaktion öffentlich, um auf diesen „grassierenden Missstand“ hinzuweisen.

„Ich bin verärgert, und ich finde es extrem zynisch, dass die Branche nicht nur die Künstler wie selbstverständlich ausbeutet, sondern nun auch noch die Ausbeutung ausbeuterisch thematisieren will“, sagt Simbeck im Gespräch mit unserer Zeitung.

Aus dem von ihm öffentlich gemachten E-Mail-Verkehr geht hervor, dass es um einen Beitrag für eine TV-Sendung über Altersarmut in Bayern geht. Für den Einstieg suche man eine prominente Persönlichkeit, die selbst noch nicht zur älteren Generation gehört, sich aber bereits öffentlich zum Thema Altersarmut geäußert habe oder sich damit auseinandersetzen würde. „Sie sind außerdem politisch engagiert und als Selbstständiger/Künstler teils sogar selbst vom Risiko der Altersarmut betroffen“, heißt es in der Anfrage. Deshalb würde man sich freuen, Simbeck „telefonisch und unverbindlich“ ein paar Fragen zum Thema stellen zu dürfen.

Simbeck war irritiert. Telefonisch für eine TV-Sendung zur Verfügung stehen? Warum lade man ihn nicht ein? „Sie erwähnen auch leider keine Gage“, schrieb er gerade mit Verweis auf das Thema – Altersarmut – und bat um Aufklärung.
 Bei dem Telefonat handle es sich um ein „informelles Vorgespräch, bei dem wir klären, ob das für unsere Sendung in Frage kommt“, ließ man ihn wissen. Letztlich würde es dann auf ein Interview vor der Kamera hinauslaufen. „Eine Gage vergleichbar mit privaten Sendern können wir als öffentlich­rechtlicher Kanal leider nicht zahlen.“ Was man bieten könne, sei eine Aufwandsentschädigung von zirka 100 Euro, gegebenenfalls ließe sich das – nach Rücksprache – noch aufstocken.

Für Simbeck hatte der Spaß damit ein Ende. „Ich finde es bezeichnend und zynisch, dass Sie mit mir im Fernsehen über Altersarmut bei Künstlern sprechen wollen, und Sie im gleichen Atemzug sagen, aber keine Gage zahlen zu können – und das auch noch garniert mit dem Verweis auf das ‚Öffentlich­-Rechtliche’. Er arbeite ja selbst beim BR und kenne die Wege der Mittel „und wofür das in Unmengen vorhandene Geld am Ende draufgeht“, schrieb Simbeck zurück und stellte klar:
 „Nein, für 100 Euro gehe ich nicht in Ihre Sendung und spreche auch nicht über meine persönliche Armuts­Situation, die von Redaktionen wie der Ihren mitverursacht wird.“ Er wünsche viel Glück bei der Suche nach einem naiven Künstler, der glaube, dass dies nur gut für ihn sei.

Daraufhin erhielt Simbeck eine Nachricht von der zuständigen Redakteurin, die seinen Zorn über die Anfrage der Volontärin nicht versteht. Eine mögliche Gage sei „verhandelbar“, hieß es nun – dafür sei es aber noch zu früh, da man ja noch nicht einmal genau wisse, was Simbeck zur Sendung beisteuern könne und möchte. Insofern seien die Aussagen der Volontärin zur Gage „ein wenig vorschnell“ und „auch nicht abgestimmt“ gewesen.

„Ich kenne die Sendung und weiß auch, dass ich mich in vielerlei Hinsicht thematisch einbringen kann“, erklärte nun Simbeck und wies darauf hin, dass auch ein „Vorgesprächs-­Casting“ Zeitaufwand bedeute. „Ich gehe aber nicht ins Fernsehen und spreche über meine private finanzielle Situation, weder als Politiker, noch als Künstler oder Privatmensch. Wieso sollte ich das tun? Soll ich mich als hilfsbedürftiger Künstler outen?“

Zur Erklärung legte er dar: „Wissen Sie, wie schwierig es ist, anständig bezahlte Aufträge zu bekommen, wenn der Vertragspartner von vornherein  – aus einem Fernsehbericht – weiß, dass er den Künstler drücken kann, da er wie jeder Künstler händeringend nach Jobs sucht? All dies nicht anzusprechen, würde meinen Auftritt inhaltslos machen. All dies anzusprechen, wäre die Preisgabe meiner aktuell wieder starken Verhandlungsposition.“ Simbeck schließt mit den Worten: „Ich hoffe auf Ihr Verständnis und darauf, dass Sie verstehen, warum gerade in diesem Zusammenhang die Aussage 'Wir können (...) kein Geld bezahlen' zynisch ist.“

Auf Facebook, wo Simbeck die entscheidenden Auszüge der E-Mail-Korrespondenz im Originalwortlaut veröffentlicht hat, wird bereits eifrig diskutiert, kommentiert, geteilt und geliked. Der Tenor: Respekt und Zustimmung für ihn und sein Vorgehen. Er selbst selbst kommentierte: „Ich kann jedem Künstler nur empfehlen, so etwas auf keinen Fall zu machen und sich damit durch öffentliche Zurschaustellung seiner Einkommenssituation jede Verhandlungsposition für die Zukunft zu rauben.“ Es sei ja ein „Striptease“, der in dem Boulevard-Magazin gefordert werde. Deshalb sei für ihn auch eine Verhandlung über eine Aufstockung der Aufwandsentschädigung kein Thema. 

„Mich stört die Tatsache, dass immer wieder Anfragen dieser Art kommen, und dass den betreffenden Redaktionen nicht auffällt, wie unsensibel das ist“, sagte Simbeck heute im Gespräch mit unserer Zeitung. Die Formulierung "Wir können leider nichts bezahlen, wir haben kein Geld" lese er in 90 Prozent aller Anfragen. „Ich könnte jeden Tag vier solcher karitativer Jobs für große und kleine Produktionen machen.“ Aber auch ein Bäcker verschenke ja nicht 90 Prozent seiner Semmeln und hoffe dann, bei den restlichen zehn Prozent ordentlich hinlangen zu können. „Ich arbeite außerdem gerne und käme nie auf den Gedanken, irgendwo überzogene Gagen zu verlangen.“

Lieber konzentriere er sich auf seine Sendung "Die Komiker", für die er Sketche schreibe und vor der Kamera stehe. Die läuft übrigens auch beim Bayerischen Fernsehen. Aber dort herrsche ein „ausgewogenes Verhältnis gegenseitiger Wertschätzung“, betont er. Was aber die für den Altersarmut-Beitrag zuständige Redaktion angeht – auf die ist Simbeck, bekannt geworden als Stefan in dem Komiker-Duo „Erkan und Stefan“, stinksauer. Und zwar voll krass, Alter!


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