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"Der Boom der Branche hält seit Jahren an. Und es ist kein Ende in Sicht": Gewerkschaft fordert Lohn-Plus für die Beschäftigten.

(ty) Im Landkreis Pfaffenhofen sind im vergangenen Jahr 1153 neue Wohnungen gebaut worden – in Ein- und Zweifamilien-Häusern, in Reihen- und Mehrfamilien-Häusern. Das teilt die Industrie-Gewerkschaft "Bauen, Agrar, Umwelt" (IG Bau) heute mit. Sie beruft sich hierbei nach eigenem Bekunden auf aktuelle Zahlen des statistischen Bundesamts. Danach flossen für den Neubau im Kreis Pfaffenhofen Investitionen in Höhe von rund 243 Millionen Euro. "Der Boom der Branche hält schon seit Jahren an. Und es ist kein Ende in Sicht", sagt Michael Müller, der oberbayerische Bezirks-Vorsitzende der Gewerkschaft.

 

Müller verweist auf einen wachsenden Berg genehmigter, aber noch nicht fertiggestellter Wohnungen, der zu "prall gefüllten Auftrags-Büchern" bei den Unternehmen führe. "Nach einer Auswertung des Pestel-Instituts wurden im Landkreis zwischen 2011 und 2019 Baugenehmigungen für rund 1300 Wohnungen erteilt, die noch gebaut werden müssen", so die IG Bau in einer aktuellen Pressemitteilung. "Es gibt einen regelrechten Stau am Bau. Maurer, Zimmerleute und Fliesenleger arbeiten am Anschlag, um die Auftragsflut zu bewältigen", so Müller. "Statt Kurzarbeit und Home-Office heißt es bei ihnen: Überstunden und Wochenend-Arbeit." 

Die IG Bau fordere, die Beschäftigten in der Region an den guten Geschäften der Firmen fair zu beteiligen. In der laufenden Tarifrunde setze sich die Gewerkschaft für ein Einkommens-Plus von 5,3 Prozent ein. Außerdem sollen die so genannten Wegezeiten, also die langen, meist unbezahlten Fahrzeiten zu den Baustellen, entschädigt werden. Darüber hinaus sollen die Lohnunterschiede zwischen Ost- und Westdeutschland mehr als 30 Jahre nach der Wiedervereinigung überwunden werden. Die Tarifverhandlungen zwischen der IG Bau und den Arbeitgebern gehen am 21. und 22. Juni in Mainz in die zweite Runde, wurde heute mitgeteilt.

"Bauleute machen einen unverzichtbaren Job: Sie schaffen dringend benötigten Wohnraum, halten Straßen und Brücken instand, bauen Gleise und errichten Windräder", betont IG-Bau-Verhandlungsführer Carsten Burckhardt. Zugleich habe die Baubranche die Binnenkonjunktur im Corona-Krisenjahr 2020 entscheidend stabilisiert und einen noch stärkeren Einbruch verhindert. "Es ist überfällig, dass die Arbeitgeber diese Leistung anerkennen", so Burckhardt. Die Beschäftigten erwarteten laut Gewerkschaft ein kräftiges Lohn-Plus und einen Ausgleich für die oft stundenlange Pendelei zu den Baustellen – "das ist Zeit, in der sie ihre Familie nicht sehen, um für den Chef unterwegs zu sein", verdeutlicht Burckhardt.

Nach Angaben des statistischen Bundesamts, so die Gewerkschaft, wurden im vergangenen Jahr 306 376 neue Wohnungen in Deutschland fertiggestellt – ein Plus von 4,6 Prozent gegenüber dem Vorjahr. Damit wurden so viele Wohnungen neu gebaut wie seit 2001 nicht mehr. Die Statistik-Behörde gehe zudem von bundesweit rund 780 000 genehmigten Wohnungen aus, die erst noch gebaut werden müssten. Dieser so genannte Bauüberhang habe ein Rekordhoch erreicht. Laut "Zentralverband des Deutschen Baugewerbes" (ZDB) stieg der Umsatz der Branche im vergangenen Jahr um sechs Prozent auf 143 Milliarden Euro.


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