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450-Euro-Stellen seien nicht krisenfest, mahnt die IG Bau und fordert eine Sozialversicherungs-Pflicht ab dem ersten Euro.

(ty) Im Landkreis Pfaffenhofen seien im vergangenen Jahr rund 600 geringfügig entlohnte Arbeits-Verhältnisse weggefallen. Innerhalb von zwölf Monaten sei ihre Zahl um fünf Prozent auf zuletzt 10 400 gesunken, wie die Industrie-Gewerkschaft "Bauen, Agrar, Umwelt" (IG Bau) heute mitteilte. Sie beruft sich dabei auf neue Zahlen der Bundesagentur für Arbeit. "Der Rückgang zeigt, dass Minijobs alles andere als krisenfest sind. In unsicheren Zeiten kürzen Firmen zuerst bei den 450-Euro-Kräften, die allerdings weder Anspruch auf das Kurzarbeiter- noch auf das Arbeitslosen-Geld haben", kritisiert Michael Müller. Der Bezirks-Vorsitzende der IG Bau in Oberbayern fordert, Lehren aus der Pandemie zu ziehen und Betroffene besser zu schützen. Minijobs müssten ab dem ersten Euro sozialversicherungs-pflichtig werden.

In der Gebäude-Reinigung seien prekäre Arbeits-Verhältnisse besonders stark verbreitet und würden insbesondere für Frauen zum Karriere- und Armutsrisiko, heißt es von der Gewerkschaft. "Laut Arbeitsagentur zählten die Reinigungsfirmen im Kreis Pfaffenhofen Ende vergangenen Jahres rund 90 Beschäftigte, die einen Minijob als alleiniges Einkommen haben", schreibt die IG Bau in einer heute veröffentlichten Pressemitteilung und verdeutlicht: "Das sind 37 Prozent aller Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer in der Branche." Die Gewerkschaft rate Beschäftigten, die während der Pandemie ihren Minijob verloren haben oder um dessen Verlust fürchten, Hilfe bei der IG Bau zu suchen.

"Die Politik setzt mit den abgabenfreien Minijobs schon seit Jahren falsche Anreize", schimpft Müller. "Die Corona-Krise hat klargemacht, dass diese Stellen eine arbeitsmarkt-politische Sackgasse sind. Es ist höchste Zeit, die Sozialversicherungs-Freiheit für 450-Euro-Jobs abzuschaffen", so der Gewerkschafter. Nur, wenn für die Beschäftigten künftig Beiträge zur Arbeitslosen-, Kranken-, Pflege- und Renten-Versicherung gezahlt würden, könnten sie seiner Ansicht nach wirksam geschützt werden. Es sei zu begrüßen, dass sich auch SPD, Grüne und Linke für eine grundlegende Reform der Minijobs einsetzten. Die nächste Bundesregierung müsse das Thema dringend anpacken.

Die von der Union geforderte Anhebung der Verdienst-Grenze auf 550 Euro sei hingegen der falsche Weg und würde die prekäre Beschäftigung ausbauen, statt sie einzudämmen, warnt die IG Bau. "Nach einer Studie der Bertelsmann-Stiftung sind im Zuge der Corona-Pandemie bundesweit 870 000 Minijobs verloren gegangen. Die Autoren plädieren dafür, solche Stellen in die Sozialversicherungs-Pflicht einzubeziehen und gleichzeitig niedrige Einkommen deutlich geringer zu besteuern. Damit könnten bis zum Jahr 2030 knapp 170 000 zusätzliche Teilzeit-Jobs entstehen."


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