Robert Scharbach (38) tritt für die FDP bei der Landrats-Wahl an. Er will Bürokratie abbauen und einen Kreis Pfaffenhofen, der funktioniert wie ein gutes Unternehmen.
(ty) Ein schlanker Staat und damit mehr Freiheit für den Einzelnen, das sei sein zentraler politischer Ansatz, sagt Robert Scharbach. Statt immer wieder Neues draufzusatteln, müsse man auch mal Programme, die keiner brauche, ausmisten – "damit wieder Luft entsteht für das, was wirklich zählt". Der 38-Jährige vertritt ein komplett liberales Leitbild. Und genau mit dieser Grundüberzeugung möchte er den Kreis Pfaffenhofen in den kommenden sechs Jahren voranbringen, sollte er sich am 8. März gegen seine sechs Mitbewerber durchsetzen und für die FDP, deren Co-Kreisvorsitzender er ist, zum Landrat gewählt werden. Politik sei "immer eine Frage der Priorisierung", erklärt Scharbach im Gespräch mit unserer Zeitung. Und da habe er einen klaren Fokus: "Alles, was jungen Menschen und Familien Chancen gibt, kommt nach oben. Alles, was sie ausbremst, kommt runter."
Er glaube, dass es Zeit sei für "weniger Bürokratie, mehr gesunden Menschenverstand und echte Lösungen statt endloser Debatten". Deswegen habe er sich in November vorigen Jahres dazu bereit erklärt, für den Posten des Landrats zu kandidieren, sagt der gebürtige Rheinland-Pfälzer, der 2013 nach Bayern kam und mit seiner Frau und seinen zwei Kindern seit 2021 in Pfaffenhofen lebt. Der FDP habe er sich vor vier Jahren angeschlossen, weil sie für ein selbstbestimmtes Leben und einen Staat, der nur die Rahmen-Bedingungen dafür schaffe, eintrete und genau das seinen Werten entspreche. Denn er wolle nicht, wie der Vertriebs-Ingenieur betont, "dass in jede Sache reinregiert wird".
"Ermöglichen statt verhindern"
Als jüngster der sieben Kandidatinnen und Kandidaten hat er nach eigenem Dafürhalten "einen anderen Blick darauf, wie man Prozesse verändern kann", zum Beispiel beim Bürokratie-Abbau. Das Landratsamt soll nach seinen Vorstellungen für alle Bürger ein Helfer sein, kein Blockierer. "Ermöglichen statt verhindern", laute seine Devise. Deswegen trete er auch mit dem Versprechen an, für ein transparente und nachvollziehbare Politik einzutreten sowie allen Menschen Raum zu geben, um sich zu entfalten und frei zu leben. Im Grunde müsse der Landkreis genauso funktionieren wie ein gutes Unternehmen, findet Scharbach. Als notwendige Attribute nennt er "effizient, bürgernah, lösungsorientiert, ohne unnötigen Ballast".
Für den Posten als Landrat und Chef der Kreis-Verwaltung sei er genau der Richtige. Denn seine berufliche Tätigkeit in der Wirtschaft qualifiziere ihn dafür. Seit über zehn Jahren arbeite er im technischen Vertrieb, verhandle mit Ingenieuren, Einkäufern und Geschäftsführern. So wisse er, wie Unternehmen tickten, was sie bräuchten und was sie bremse. Scharbach studierte zuerst Medizin-Technik und Sportmedizin-Technik, machte später seinen Master in Technologie und Innovations-Management. Nach dem Studium verschlug es ihn in die Halbleiter-Branche, wo der 38-Jährige bis heute als technischer Berater für Unternehmen im Bereich der Sensorik arbeitet.
Teil-Privatisierung der Ilmtalklinik?
Zu seinen Prioritäten zählt Scharbach einen offenen Blick auf die Finanzen und, wie er sagt, "eine ehrliche Debatte über den Kreis-Haushalt". Der FDP-Politiker meint damit auch die Situation der schwer defizitären Ilmtalklinik-GmbH, über deren künftigen Betrieb man vorbehaltlos diskutieren solle. Eine Privatisierung, so seine Überzeugung, dürfe nicht von vornherein ausgeschlossen werde. Über Pro und Kontra müsse eine offene Debatte geführt werden. Denkverbote dürfe es nicht geben. Vielleicht sei eine Teil-Privatisierung ein guter Weg. Auf die Frage nach einem zusätzlichen, dritten Gymnasiums für den Kreis gibt es von ihm eine klare Antwort: "Das brauchen wir unbedingt." Allein schon, um die Attraktivität des Landkreises für junge Familien zu sichern.
Viel mehr tun könne und müsse man auch in Sachen Tourismus. "Wir werden sicher kein zweiter Bayerischer Wald", bremst Scharbach zwar zu hohe Erwartungen. Doch der Kreis Pfaffenhofen befinde sich "ein bisschen wie in einem Dornröschen-Schlaf". Denn immerhin habe man ein Pfund, mit dem man getrost wuchern dürfe. "Wir leben im Kern der Biertrinker-Nation", benennt der FDP-Politiker ein Alleinstellungs-Merkmal. Die Hallertau sei für alle Bier-Konsumenten ein verbindendes Element, mit dem es sich erfolgreich touristisch werben ließe. Den Anfang könne vielleicht eine gut gemachte Image-Broschüre machen.
"Der große Wurf wird das nicht"
Um Lösungen gegen den Wohnraum-Mangel zu finden, schwebt Scharbach ein allgemeiner, für alle 19 Kommunen im Landkreis geltender Bebauungsplan vor, der nach seiner Überzeugung einiges erleichtern würde. Generell müsse man gute Bedingungen schaffen, damit mehr gebaut werde. Mehr Wettbewerb sorge auch für niedrigere Preise. Das Problem vieler leerstehender Wohnungen müsse man mit großer Sensibilität angehen, sagt der 38-Jährige. Denn dahinter steckten meist "hochindividuelle Entscheidungen". Bei den Verhandlungen müsse der Landkreis daher als Partner auftreten. Doch bei allen Bemühungen auf diesem Gebiet müsse man realistisch bleiben: "Der große Wurf wird das nicht werden."
Viel aktiver müsse der Landkreis bei Ansiedlung neuer Gewerbe-Betriebe vorgehen. "Wir haben einen Super-Standort", sagt Scharbach. Doch kann nach seinem Bekunden keine Gemeinde dafür entsprechende Flächen anbieten. Im Dialog mit den Kommunen müsse man Lösungen finden. Grundsätzlich gelte es, das Bewusstsein dafür zu schärfen, dass mehr Gewerbe und Arbeitsplätze auch Garanten für mehr Wohlstand seien. Das Scheitern der Pläne für das Gewerbe- und Industrie-Gebiet "Kuglhof II" in Pfaffenhofen sieht er als Negativ-Beispiel. Denn die Stadt hätte es seiner Meinung nach selbst in der Hand gehabt, Ansiedlungen passgenau zu steuern. Um so wichtiger sei es, dass der Landrat bei solchen Streitfällen künftig als Brückenbauer auftrete.
"Müssen uns frei machen von Verboten"
Wie seine Partei plädiert Scharbach für mehr Technologie-Offenheit. "Wir müssen uns frei machen von Verboten und Restriktionen", lautet sein liberaler Ansatz. Das generelle Aus für die Atomkraft hält er für einen Fehler. Der FDP-Mann lehnt Technologie-Verbote ab – denn sie bremsten die Forschung und verhinderten Innovationen, deren künftigen Wert heute man vielleicht noch gar nicht richtig einschätzen könne.
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