Mit dem Ausscheiden von Martin Schmid (SPD) endet in Vohburg bald eine Ära. Die Arbeit als Stadt-Oberhaupt sei seit Corona viel schwieriger geworden, sagt er.
(ty) Wenige Wochen noch, dann endet in der Vohburger Kommunalpolitik eine mehr als dreieinhalb Jahrzehnte währende Ära. Martin Schmid (SPD), Bürgermeister seit 2008 und davor schon zwölf Jahre lang Vize-Rathaus-Chef sowie sechs Jahre lang Dritter Bürgermeister, verabschiedet sich im Alter von 71 Jahren in den Ruhestand. "Frohen Herzens" und mit einem guten Gefühl übergebe er die Amtsgeschäfte Anfang Mai an seinen vor Kurzem gewählten Nachfolger Andreas Amann ("Aktive Vohburger"), sagt der Sozialdemokrat im Gespräch mit unserer Zeitung. Er sei mit sich im Reinen und glücklich, die Verantwortung jetzt in jüngere Hände zu legen. Als Kreisvorsitzender des bayerischen Gemeindetags äußert er das angesichts des Ausgangs mancher Bürgermeister-Wahlen im Landkreis Pfaffenhofen mit einer gewissen Nachdenklichkeit, aber auch mit der Überzeugung, dass der Job viel schwieriger geworden sei als früher.
Schmid, sonst ein Mann der klaren Worte, formuliert vorsichtig. "Seltsame und merkwürdige" Ergebnisse habe es bei den Urnengängen gegeben. Manchmal seien die Entscheidungen "nicht nachvollziehbar" gewesen. Er bezieht das namentlich auf seinen langjährigen Wolnzacher Amtskollegen Jens Machold (CSU), der, wie berichtet, derart in Ungnade gefallen war, dass er mit einen demütigenden Ergebnis von gerade einmal 17 Prozent im ersten Wahlgang regelrecht aus dem Amt gejagt worden ist. Das könne man fast nicht glauben, meint der SPD-Politiker und betont, dass Machold in seinen Augen "sehr gute Arbeit geleistet" habe. "Aber das ist Demokratie", erklärt Schmid gegenüber unserer Redaktion.
Es möglichst einer breiten Bevölkerungs-Schicht als Bürgermeister recht zu machen, sei seit der Corona-Krise wesentlich schwieriger geworden, sagt Schmid. Denn die Menschen seien heute deutlich fordernder als früher. Eigeninteressen stünden oftmals im Vordergrund, das Wir zähle weniger. Komplizierter werde auch die Zusammenarbeit zwischen Rathaus-Chef und Stadtrat, weil mehr unterschiedliche Interessen-Gruppen am Ratstisch säßen und mehr Strömungen zu berücksichtigen seien, so der frühere Polizeibeamte. Im Rückblick sei er froh, dass während seiner Amtszeit trotz oftmals divergierender Meinungen ein großer Zusammenhalt geherrscht habe und mehr als 95 Prozent der Beschlüsse im Stadtrat einstimmig gefasst worden seien.
Ihm habe die Arbeit "immer großen Spaß gemacht", bilanziert Schmid. Dass mit Andreas Amann – er setzte sich gleich im ersten Wahlgang mit 55,8 Prozent gegen drei Mitbewerber durch – sein bisheriger Geschäftsstellen-Leiter den Chef-Posten im Rathaus von Vohburg übernehmen wird, macht ihm den Abschied leicht. "Er ist mein Wunsch-Nachfolger", sagt Schmid. Deswegen habe er ihn auch gefördert sowie ihn in den vergangenen Monaten an die Hand genommen. Dank nach wie vor ordentlicher Steuer-Einnahmen sei Vohburg finanziell gut aufgestellt. Die Stadt verfüge über eine hohe Rücklage im zweistelligen Millionen-Bereich und habe fast keine Schulden, so der scheidende Bürgermeister.
Alle Groß-Baustellen seien abgeschlossen, dennoch gebe es an der Infrastruktur noch an etlichen Stellen einiges zu verbessern, ergänzt Schmid, stellt aber zugleich klar: Amann habe für all die anfallenden Aufgaben gute Ideen. Und worauf er sich jetzt am meisten freut? "Auf mehr Freizeit", sagt Schmid. Und dass er die Sich-um-alles-Kümmerer-Rolle abgeben könne. Mehr Zeit als bisher wolle er seiner Frau, den drei Kindern und den sieben Enkel-Kindern schenken.
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