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Nach den beiden Morden in Nürnberg sitzt der Beschuldigte in U-Haft. Heute hat die Polizei weitere Details bekanntgegeben. Offenbar wurden die Opfer gefesselt und erdrosselt.

(ty) Wie mehrfach berichtet, sind in Nürnberg zwei Prostituierte umgebracht worden. Der eigens zur Aufklärung der Gewaltverbrechen gegründeten "Soko Himmel" ist inzwischen mit der Festnahme eines 21-jährigen Tatverdächtigen der entscheidende Durchbruch in beiden Fällen gelungen. Der junge Mann, zuletzt arbeitslos, hat bereits ein Geständnis abgelegt und sitzt in Untersuchungshaft, wie heute offiziell mitgeteilt wurde. Im Rahmen einer Pressekonferenz wurden zudem weitere Details bekanntgegeben. Beide Opfer waren demnach gefesselt worden und kamen offenbar durch Erdrosseln ums Leben.

Am 24. Mai gegen 23.30 Uhr war in einem Mehrfamilienhaus an der Regensburger Straße ein Feuer ausgebrochen. Als die Berufsfeuerwehr den Brand gelöscht hatte, fand man eine leblose Frau in den Räumen einer Wohnung im sechsten Stock des Gebäudes. Im Verlauf der anschließenden Ermittlungen ergaben sich für die Polizei sehr schnell Anhaltspunkte darauf, dass die Frau einem Gewaltverbrechen zum Opfer gefallen war. Aus diesem Grund übernahm noch in dieser Nacht die Mordkommission den Fall. 

Bei diesem ersten Opfer handelt es sich um eine 22-jährige Rumänin. „Die Frau arbeitete in der Regensburger Straße als Prostituierte und hielt sich erst kurze Zeit in Nürnberg auf“, teilte die Polizei mit. Die Kripo gründete zur Aufklärung des Tötungsdelikts die Ermittlungskommission „Himmel“ und arbeitete mit rund 20 Beamten intensiv an der Aufklärung dieses Tötungsdeliktes. Dann geschah der zweite Mord. 

Am 5. Juni fand ein Zeuge in einem Mehrfamilienhaus an der Höfener Straße eine 44-jährige Chinesin tot in ihrer Wohnung auf. Auch sie war als Prostituierte tätig. Auch in diesem Fall ergaben sich für die Kripo sehr schnell Hinweise auf ein Gewaltverbrechen. Und auch in dieser Wohnung war ein Brand gelegt worden, offenbar um Spuren zu verwischen beziehungsweise um die Tat zu vertuschen.

 

Nun stockte man die Ermittlungskommission um zehn Beamte auf und gründete die Sonderkommission (Soko) „Himmel“. Teilweise rund um die Uhr waren die Beamten im Dienst, werteten Spuren aus und führten intensive Ermittlungen. „Der Erkennungsdienst sicherte an beiden Tatorten eine Vielzahl von Spuren“, heißt es aus dem Polizeipräsidium Mittelfranken. 

Auf Grund der Obduktionsergebnisse, der nahezu identischen Auffinde-Situationen der Leichen und nicht zuletzt wegen der Spurenlage an beiden Tatorten war für die Ermittler ein Zusammenhang zwischen beiden Gewaltverbrechen „deutlich erkennbar“. Hinweise auf einen Tatverdächtigen ergaben sich zu diesem Zeitpunkt jedoch noch nicht.

Dann verteilten Polizeibeamte an exponierten Stellen der Stadtgebiete Nürnberg, Fürth und Erlangen Flyer, brachten auch Plakate an. Zum einen wurde um Hinweise aus der Bevölkerung gebeten, zum anderen wurden Prostituierte gewarnt. Das bayerische Landeskriminalamt (LKA) setzte indes eine Belohnung in Höhe von 5000 Euro aus für einen entscheidenden Hinweis. Der Durchbruch gelang am vergangenen Freitag. „Durch kriminaltaktische Maßnahmen und Auswertung von Telekommunikationsspuren geriet ein 21-jähriger Nürnberger in den Fokus der Beamten“, wurde heute gemeldet.

 

Die Festnahme des Beschuldigten erfolgte noch am gleichen Tag gegen 17.40 Uhr durch Spezialkräfte in der Nürnberger Innenstadt. Dabei habe der Mann keinen Widerstand geleistet. Auf Antrag der Staatsanwaltschaft erließ ein Ermittlungsrichter beim Amtsgericht Nürnberg Haftbefehl gegen den Mann. „Der Beschuldigte machte in seiner Vernehmung Angaben zum Sachverhalt“, wurde heute erklärt. Gleichwohl dauern die Ermittlungen der Soko noch an. Unter anderen das Motiv der Taten gilt es wohl noch genauer abzuklären.

Der Beschuldigte habe die beiden Taten – nach anfänglichem Abstreiten – letztlich in einer 2,5-stündigen Vernehmung gestanden sowie dabei auch genaue Hinweise zum Tatablauf gegeben. Dabei habe er "Täterwissen preisgegeben", hieß es bei der Pressekonferenz. Seine DNA sei an beiden Tatorten gefunden worden. Alfred Huber von der Staatsanwaltschaft erklärte, der 21-Jährige habe angegeben, dass es in beiden Fällen zu einem Streit mit der jeweiligen Prostituierten gekommen sei und dies den Beschuldigten letztlich dazu veranlasst habe, zu töten.

Der Beschuldigte hatte direkt vor den Taten mit beiden Opfern sexuellen Kontakt. Bei dem Streit soll es dann ums Geld gegangen sein – sprich: um die Frage, was er zu bezahlen habe. Michael Dietsch von der Soko erklärte, dass beide Opfer an den Händen gefesselt waren und durch Gewalt gegen den Hals ums Leben kamen. Die gelegten Brände waren nicht todesursächlich, sondern dienten offenbar der Vertuschung.

Hier sehen Sie die heutige Pressekonferenz auf Video.


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