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DGB-Kreischef Roland Dörfler schaltet sich in die Debatte über die Besetzung des Aufsichtsrats der Ilmtalklinik ein: Es dürfe jetzt nur um die Sache gehen, fordert er – und nicht um Posten

(ty) In der Diskussion um die Besetzung des Aufsichtsrats der Pfaffenhofener Ilmtalklinik hat sich jetzt der DGB-Kreisverband in Person des Vorsitzenden Roland Dörfer zu Wort gemeldet. Der DGB begrüße die Debatte um eine sachkundige Besetzung des Aufsichtsrats der Klinik, die von Landrat Martin Wolf (CSU) geführt werde, so Dörfler. Und auch die Forderung nach genügend ärztlichem Sachverstand in diesem Gremium sei durchaus berechtigt. In einem Punkt widerspricht die Gewerkschaft jedoch entschieden: Die Suche nach einer „ausgewogenen Mischung aus Politikern, Unternehmern und auch Ärzten“ sei nicht zielführend, „denn sie vergisst die übrigen Kolleginnen und Kollegen der Klinik“.

„Wo bleibt das Recht auf Mitbestimmung aller Berufsgruppen an der Ilmtalklinik?“, fragt Dörfler, der bekanntlich auch Grünen-Stadtrat und -Kreisrat sowie Dritter Bürgermeister von Pfaffenhofen ist. Die aktuellen Meldungen in der Presse ließen den Schluss zu, dass zu wenig Mediziner im Aufsichtsrat gleichbedeutend seien mit zu wenig Fachkompetenz. „Und der Rest der Beschäftigten?“

Es sei eine Binsenweisheit, so Dörfler weiter, „dass die Mitbestimmung der Arbeitnehmer gerade im Aufsichtsrat, Konflikte mindert und Unternehmen weniger krisenanfällig macht“. Hier könne die Politik von der Wirtschaft lernen. Der DGB-Kreischef führt eine Studie von Roland Berger aus dem Jahr 2003 ins Feld, die belege, „dass diejenigen Unternehmen, die ihre Vorgehensweise intensiv mit den Mitarbeitern abstimmen, wesentlich weniger krisenanfällig sind und besser und schneller eingetretene Krisen überwinden“.

Als Grund hierfür nennt die Studie laut Dörfler folgenden Punkt: „Arbeitnehmervertreter in Aufsichtsräten haben sehr gute Kenntnisse über Strategien, Zusammenhänge und Abläufe in ihrem Unternehmen. Sie können oft deutlich besser als unternehmensfremde Aufsichtsratsvertreter Risiko- und Erfolgsfaktoren des Unternehmens ab- schätzen und Bewertungen und Hintergründe von Zahlen und Aktivitäten einbringen.“ Aufgrund ihrer guten Kenntnis über Unternehmenszusammenhänge seien es oft die Arbeitnehmervertretungen in den Aufsichtsräten gewesen, die vor Unternehmenskrisen und -zusammenbrüchen gewarnt hätten, so Dörfler.

„Warum sollte also – was für deutsche Unternehmen in Krisenzeiten gilt – nicht auch für die Ilmtalklinik gelten?“, fragt sich der DGB-Kreisvorsitzende und mahnt: „Wenn der Landrat also ernstlich bemüht ist, einen ausgewogenen und vor allem sachorientierten Aufsichtsrat in der Ilmtalklinik zu schaffen, dann sollte man gerade bei einem so sensiblen Thema wie der Ilmtalklinik gut darüber nachdenken, wie man das Gremium zukunftsorientiert und krisenfest besetzt.“

Dass dieses Amt – wenn man es mit der entsprechenden Ernsthaftigkeit ausübe – neben einem umfassenden Sachverstand mit viel Arbeit und einem hohen Maß an Verantwortung verbunden sei, sollte allen Beteiligten bewusst sein, so Dörfler weiter. „Geschieht das mit dem nötigen Sachverstand und einer (hoffentlich) gesunden Portion Menschenkenntnis, kann man sich glücklich schätzen, vor allem im Kreise der Beschäftigten.“

Wie Dörfler betont, gehe es um die Stabilisierung einer wirtschaftlich angeschlagenen Klinik, um eine solide medizinische und pflegerische Versorgung der Bürgerinnen und Bürger im Landkreis sowie um über 600 Arbeitsplätze in der Region, die es zu erhalten gelte. „Parteipolitische und persönliche Interessen haben dabei keinen Platz“, stellt er klar. „Wenn die Verantwortlichen aus den Fehlern der Vergangenheit gelernt haben, dann darf es jetzt nur um die Sache gehen, und nicht um das Besetzen von Posten.“


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