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Die Pfaffenhofener Gartenschau treibt seltsame Blüten: Das Areal wird zwar durch die Umgestaltung größer, aber das Fest wäre laut Plan viel kleiner geworden – jetzt hat der Stadtrat die Notbremse gezogen.

Von Tobias Zell 

Um ein Haar wäre das Pfaffenhofener Volksfest künftig deutlich kleiner ausgefallen. Ungefähr zehn Buden oder drei, vier Fahrgeschäfte weniger hätte das konkret bedeutet. Für den gemeinen Pfaffenhofener eine handfeste Katastrophe. Und das, obwohl das Areal rein flächenmäßig doch durch die Umgestaltung sogar größer wird. Ein Paradoxon, in dem der Stadtrat aber gerade noch einmal die Notbremse gezogen hat. Denn „das kann nicht im Interesse der Stadt sein“, befand Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und sprach damit aus, was jeder dachte. Deshalb wird nun nicht beim Volksfest der Rotstift angesetzt – sondern bei der Gartenschau die Heckenschere.

Zur Abstimmung stand am Donnerstagabend im Ratsgremium die Neu- beziehungsweise Umgestaltung des Volksfestplatzes. Das Planungsbüro Goldbrunner hat dabei einen Plan präsentiert, in den alle Vorgaben und Fakten sowie Wünsche und Ideen – auch in Zusammenhang mit der 2017 stattfindenden Gartenschau – eingearbeitet worden waren. Und so ein Plan sieht natürlich immer ganz nett aus auf dem Papier, doch der Teufel steckt bekanntlich im Detail. Oder in diesem Fall in einer klitzekleinen Zahl, die fast schon als Randnotiz übersehen worden wäre. 

 

Unscheinbarer Plan mit Zündstoff.

Ganz rechts unten stand da nämlich zu lesen, dass nach diesem Plan für Buden und Fahrgeschäfte 436 Frontmeter vorgesehen sind. Zum Vergleich: Beim Volksfest im vergangenen Jahr waren es 521 Frontmeter. Das sind also satte 85 Frontmeter weniger. Und Frontmeter sind ja das Entscheidende bei einem Volksfest, weil das ja letztlich Aufschluss darüber gibt, wie viele Meter die Leute an den Frontseiten von Buden vorbeischlendern können. Wie viele Buden oder Fahrgeschäfte man streichen müsste, um die besagten 85 Frontmeter einzusparen, kann sich jeder selbst ausrechnen. Jedenfalls bleibt von dem Volksfest wohl nicht mehr so viel übrig, nimmt man zum Beispiel zehn Buden oder drei Kinderbelustigungen weg.

Angesichts dieser Planungen rieb sich dann schon so mancher die Augen. Und in der Tat ist es schwer nachzuvollziehen, warum der Volkfestplatz – unter anderem durch den Wegfall der Speedway-Bahn – ein gutes Stück größer wird, aber das Volksfest kleiner. Dieses Paradoxon liegt, vereinfacht gesagt, schlicht in den Plänen zur Gartenschau begründet. Denn die sorgen dafür, dass die für das Volksfest zur Verfügung stehende Fläche kürzer wird. Denn die geplanten Grünflächen machen eine Neuordnung der Buden, Fahrgeschäfte und Zelte notwendig. Und das Ergebnis sorgte eben nicht für Volksfest-Stimmung. 

Gartenschau hin oder her. Das wollten einige Stadträte nicht akzeptieren. So hatte die SPD-Fraktion nach Informationen unserer Zeitung schon vor der Sitzung Alarm geschlagen und betont, das dürfe so auf keinen Fall beschlossen werden – die Sozialdemokraten sahen schlichtweg die Qualität des Volksfests in Gefahr. Auch die Stadtverwaltung war bereits – oder deshalb – sensibilisiert und hatte erkannt, welches Potenzial zur mittleren Katastrophe dieser auf den ersten Blick so unscheinbare Plan in sich birgt. So stellte die Verwaltung in der Sitzung dann schon gleich mal von sich aus Möglichkeiten vor, wie man Platz für das Volksfest zurückgewinnen kann – damit es zumindest nicht kleiner wird. 

Drama abgewendet: Der Volksfestplatz wird umgestaltet – aber das Volksfest darf dadurch nicht kleiner werden.

So wurde also ein bisschen verschoben und gedreht, gekürzt und verrückt. Und am Ende stand dann die Erkenntnis: Das Volksfest kann weiter in der gewohnten Größe stattfinden, wenn die Gartenschau in den sauren Apfel beißt. Nun sollen die geplante Eingrünung des Platzes im Eingangsbereich ein bisschen schmäler ausfallen und eine Wegefläche an der Ilm soll so gestaltet werden, dass sie während der Volksfest-Zeit überbaut werden kann.

Das Volksfest darf jedenfalls nicht kleiner werden. Das ist die klare Botschaft aus dem Stadtrat. „In diesem Fall muss sich die Gartenschau ein wenig unterordnen“, sagt SPD-Fraktionschef Käser. Und macht auch gleich die Tragweite deutlich: „Wie die das machen, ist mir wurscht.“  In den vergangenen Jahren seien so viele Bürgerwünsche zur Attraktivitäts-Steigerung des Volksfests umgesetzt worden – vom Traditionszelt übers Bio-Hendl bis hin zum Plakatmotiv; „da wäre eine Verkleinerung ein Rückschritt “. 

So wird nun wohl doch noch alles gut und das Volksfest bleibt so groß wie gehabt. Denn der Stadtrat hat schließlich Fakten geschaffen und beschlossen, dass die Gartenschau-Pläne etwas eingeschränkt werden, um beim Volksfest zumindest den Status quo zu bewahren.

Allerdings bleibt bei einigen Stadträten dennoch ein fader Beigeschmack. Denn die Umgestaltung des Areals kostet nach Berechnungen des Ingenieurbüros immerhin fast 1,2 Millionen Euro. 953 000 Euro für die geplanten Straßenbaumaßnahmen und 225 000 Euro für den Umbau der Stromversorgung – denn auf dem Areal muss wie gesagt, alles neu sortiert werden. Der Platz soll dann aber optimal als Volksfest-Gelände genutzt werden können und den Rest des Jahres als Parkplatz oder Veranstaltungsgelände dienen.

„Jetzt geben wir eine Million Euro aus – und dann haben wir ja auch nur ein Volksfest drauf“, befand Peter Heinzlmair (FW) und mahnte an, hier vorsichtig mit dem Geld umzugehen. Er schloss sich damit Florian Schranz (CSU) an, der ebenfalls forderte, weitere Einsparpotenziale zu prüfen. Dabei hatte das Ingenieurbüro eh schon zu einer Straßenausbau-Variante geraten, die im Vergleich zum Vollausbau rund 360 000 Euro weniger kostet. Aber über eine Million dafür, dass sich bezüglich der Nutzung des Platzes eben nichts Entscheidendes ändert – da sollte man schon genau hinschauen, so die übereinstimmende Meinung. 

Nun soll sich das Ingenieurbüro Goldbrunner, das schon die Umgestaltung des Ingolstädter Volksfestplatzes begleitet hatte, noch einmal intensiv mit dem Thema befassen – vor allem in Bezug auf die Kosten, die Beleuchtung, die Situierung des Volksfests und die Einteilung der Fläche als Parkraum. Grundsätzlich ist aber eine Entscheidung gefallen: Das Pfaffenhofener Volksfest darf nicht kleiner werden.


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