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Über Nacht verschwand der etwa 25 Meter lange Stamm vom Bauhof-Gelände. Die berüchtigte und erfahrene Truppe um Manfred Pelzer aus Karlshuld hatte leichtes Spiel. Wir sprachen mit ihm über diese und vergangene Aktionen.

(ty) Zugeschlagen haben sie nach eigenem Bekunden in der Nacht zum Dienstag. Tatort war diesmal der Bauhof der Stadt Pfaffenhofen. "Es war ein Kinderspiel", sagt Manfred Pelzer aus Karlshuld im Gespräch mit unserer Zeitung. Er ist der Chef der berüchtigten "Donaumooser Maibaum-Diebe", die eine langjährige und einschlägige Karriere vorweisen können. Diesmal ist ihnen ein besonderer Coup gelungen. Auf den Maibaum von Pfaffenhofen hatten sie es schon viele Jahre lang abgesehen; doch bislang war hier nichts zu machen. Dass Pelzer & Co. jetzt erfolgreich waren, wurde unserer Redaktion heute aus den Pfaffenhofener Stadtwerken bestätigt, von deren Gelände der stattliche Stamm verschwand. Ja, hieß es auf Nachfrage aus dem Kommunal-Unternehmen: Es handele sich um den städtischen Maibaum.

"Einer von unserer 40-köpfigen Truppe hatte beim Vorbeifahren am Bauhof den Eindruck, dass dort ein Maibaum gelagert sein könnte", berichtet Pelzer. Damit war der Jagdinstinkt einmal mehr geweckt. "Wir haben das Ganze über mehrere Tage hinweg beobachtet und vorige Woche bemerkt, dass der etwa 25 Meter lange Baum geschält wurde", erzählt der Boss der Maibaum-Diebe. Diese Tatsache sei als eindeutiges Indiz dafür gewertet worden, dass es sich um einen Maibaum handeln müsste. Schnell reifte nun der Entschluss, diesen Stamm zu stehlen. In einer Nacht-und-Nebel-Aktion von Montag auf Dienstag war es dann soweit.

"Gesichert wie Fort Knox"

Zu diesem Zeitpunkt sei der Stamm ungefähr acht Meter von der Straße entfernt im Freien gelagert gewesen. "Wir haben eine unversperrte Fußgänger-Türe im Zaun ausgenutzt und durch die den Baum unter gemeinsamer Kraftanstrengung herausgetragen", erklärt Pelzer. Anschließend habe man den Stamm auf ein spezielles "Maibaum-Wagerl" geladen, das – damit der Abtransport zügiger vonstatten geht – an einem Auto befestigt war. So wurde die Beute in die Gemeinde Karlshuld geschafft. "Jetzt haben wir den Maibaum an einem sicheren Ort in Verwahrung", beteuert Pelzer, "der ist dort gesichert wie in Fort Knox."

Nun warte man darauf, von den Betroffenen beziehungsweise Beklauten kontaktiert zu werden. Die erste Vermutung der Donaumooser war übrigens, dass es sich um einen Ortsteil-Maibaum handelt. "Niederscheyern könnte es sein, der dortige Ständer ist leer", mutmaßte Pelzer zunächst. Inzwischen weiß er Bescheid. Sein Team habe in Pfaffenhofen einen Aufkleber mit dem Vermerk "Donaumooser Maibaum-Diebe" am Tatort – genauer gesagt: an der besagten Tür zur Straße – hinterlassen. "Jetzt warten wir darauf, dass sich jemand bei uns rührt", sagt Pelzer. Bisher sei es so gewesen, dass sich die Eigentümer spätestens am Tag nach dem Diebstahl gemeldet hätten. "Ein bisserl wundern wir uns schon, dass das diesmal länger dauert." 

Prominente Mitglieder

Auf hinreichend Erfahrung können die Donaumooser Maibaum-Diebe – Männer und Frauen im Alter zwischen 16 und 64 Jahren – jedenfalls verweisen. Ihr Klub mit derzeit rund 40 Mitgliedern, zu denen laut den Worten von Pelzer übrigens auch der Karlshulder Pfarrer sowie der Bürgermeister zählen, war anno 2003 aus der Taufe gehoben worden. Über die Jahre sammelten sich auch etliche Anekdoten an.

Pelzer verweist zum Beispiel auf das Jahr 2012: "In Gaimersheim ging es damals besonders listig zu, denn nicht nur ein Baum sollte die Besitzer wechseln – nein, es sollte auch ein doppeltes Spiel gespielt werden." Dazu brauchte es einen Maulwurf. "Diese Rolle übernahm ein charmantes Mädchen, das mit einem Lächeln jeden misstrauischen Burschen um den Finger wickeln konnte", erinnert sich Pelzer. Mit geschickt platzierten Komplimenten und einer gespielten Unschuld heuchelte die junge Frau zunächst Interesse an der örtlichen Maibaum-Tradition.

Kurioser Deal

Bald fand sie heraus, wo genau der prächtige Stamm gelagert wurde, welche Schichten zur Bewachung eingeteilt waren und – das Allerwichtigste – wann denn ein günstiger Moment für den Zugriff wäre. Die Donaumooser hatten es zwar von Anfang an auf den Maibaum von Gaimersheim abgesehen, bekamen aber am Ende zur Auslöse den Maibaum geschenkt, den die Gaimersheimer zuvor in Buxheim erbeutet hatten.

In besonderer Erinnerung geblieben sei den Donaumooser Maibaum-Dieben das Jahr 2022, als sie die "beste Auslöse in unserer Geschichte" erhielten. Noch heute erzähle man sich mit glänzenden Augen von jenem Tag in Bergheim, an dem der entwendete Maibaum zurückgebracht worden und man vor Freude in ein einziges, unvergessliches Fest versunken sei. Weit mehr als 100 Leute fanden sich zum Bierfass-Anstich mit Blaskapelle im extra dafür aufgestellten Zelt ein, wird berichtet.

Gerichtsmassig

In weitaus schlechterer Erinnerung geblieben sei dagegen die Aktion in Maxweiler, einem Ortsteil von Neuburg an der Donau, im Jahre 2008. Nachdem der Maibaum von den Donaumooser Dieben aus einer Halle geklaut worden war, sei das von den Betroffenen als Einbruch ausgelegt worden. Gefolgt sei ein Gerichts-Termin wegen Diebstahls. Da jedoch, wie festgestellt worden sei, kein Schaden zu Buche gestanden habe, sei die Anklage fallengelassen worden, fasst Pelzer zusammen.

Dass es "gerichtsmassig" wurde, sei aber eine absolute Ausnahme gewesen, versichert er. Denn die Beklauten beweisen erfahrungsgemäß Humor – und wollen mitunter sogar bei den Donaumooser Maibaum-Dieben mitmischen sowie gemeinsam mit ihnen auf Tour gehen. Schließlich gehört das Maibaum-Stehlen in Bayern sozusagen zum Kulturgut und hat obendrein eine lange Tradition.

Vier Mal erwischt

Pelzer berichtet im Gespräch mit unserer Zeitung auch, dass man in all den Jahren nur vier Mal erwischt worden sei – zuletzt im vergangenen Jahr. "Aber 18 Mal hat es geklappt und alle Bestohlenen haben ihren Baum ausgelöst", betont er. Würde das nicht gemacht, dann drohe der so genannte Schandbaum: "Der wird öffentlichkeits-wirksam geteert und mit Spott-Versen versehen – das kann wirklich niemand wollen."


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