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Auf einem stattlichen Teil des ehemaligen Bunker-Geländes soll eine Natur-Kindergarten-Gruppe angesiedelt werden. Der Verein, der das Areal seit Jahren gestaltet, befürchtet die Zerstörung von Biotopen.

Von Harald Flößer

Lässt sich in Pfaffenhofen auf der großen Grünfläche über dem ehemaligen Fernmelde-Bunker ein städtischer Natur-Kindergarten betreiben, ohne dass der dort befindliche Inter-Kultur-Garten (IKG) dauerhaften Schaden nimmt? An dieser Frage scheiden sich die Geister. Verantwortliche von "Hallertauer Regional", dem Verein für nachhaltiges Wirtschaften und Betreiber des mehrfach ausgezeichneten Öko-Paradieses, befürchten die Zerstörung von mühsam angelegten Lebensräumen für Flora und Fauna. Deswegen sammeln sie schon Unterschriften, um das Vorhaben zu stoppen. Im Rathaus hält man solche Bedenken für übertrieben. Man werde durch die Nutzung einer Teilfläche für das Kita-Projekt die Strukturen des IKG größtenteils erhalten können, besänftigt die Stadtverwaltung die Gemüter. Worum genau geht es bei der Kontroverse? Und besteht die Chance auf eine Einigung? Unsere Redaktion hat sich auf beiden Seiten umgehört.

Die Stadt möchte einen Teil des Bunker-Geländes für eine neue Natur-Kindergarten-Gruppe nutzen. Ab Herbst nächsten Jahres wolle man montags bis freitags von 8 Uhr bis 14 Uhr dort 20 Buben und Mädchen betreuen, teilt die Verwaltung auf Anfrage mit. Neben einem Bauwagen mit einer Größe von zwölf mal drei Metern soll ein "Racker-Acker" entstehen, "auf dem die Kinder garteln und sich austoben können", heißt es aus dem Rathaus. Zirka 3000 Quadratmeter des insgesamt 9000 Quadratmeter umfassenden Areals und den östlichen Teil wolle man der neuen Kita-Gruppe zur Verfügung stellen. Zugleich verweist man darauf, dass es sich hierbei um eine preisgünstige Lösung handle. Mit Kosten von rund 300 000 Euro müsse man für das Projekt nur "einen Bruchteil dessen, was der Neubau einer Kindergarten-Gruppe in der Regel ausmacht", investieren.

Karte des Vereins zum aktuellen Stand der Dinge im Inter-Kultur-Garten.

Eigentlich sollte das Projekt in der März-Sitzung des Stadtrats behandelt werden. Doch da das Gremium "mangels genügender Tagesordnungspunkte" nicht getagt hatte, entschied man, darüber erst in der April-Sitzung zu befinden. Dass dabei erhebliche Interessen-Konflikte zutage treten werden, wurde jüngst bei einer Ortsbesichtigung deutlich, an der einige Stadträte aus allen Fraktionen sowie Bürgermeister Thomas Herker (SPD) und Vertreter aus dem Rathaus teilnahmen. Er habe versucht, seinen Kollegen klarzumachen, dass die gesamte Artenvielfalt zertrampelt würde, wenn 20 Kinder auf dem Areal herumtoben, berichtet Manfred "Mensch" Mayer in seiner Doppel-Funktion als Stadtrat von der Wähler-Gruppe "Gemeinsam für Gemeinwohl" (GfG) und Vereins-Vorsitzender von "Hallertauer Regional". Ausgerechnet hier eine zusammenhängende Wiese zu zerstören, sei für ihn und seine Mitstreiter völlig inakzeptabel.

Genauso sieht es IKG-Koordinatorin Erika Gindert. Ihrer Meinung nach muss sich die Stadt bewusst werden, "dass die Biodiversität in diesem natur-zertifizierten Garten mit dieser Dauer-Nutzung sehr leiden wird, denn der Garten ist in seiner Gesamtheit ein Biotop-Verbund". Im Januar sei der Verein "Hallertauer Regional" darüber informiert worden, dass der stets über drei Jahre laufende Pacht-Vertrag diesmal nicht verlängert werde, berichtet Manfred "Mensch" Mayer. "Ohne Erklärungen", wie er gegenüber unserer Zeitung betont. Klar sei für ihn lediglich, dass die Stadt insgesamt etwa 4000 der 9000 Quadratmeter für das Kindergarten-Projekt beanspruche. Irritierend findet er, dass die Verwaltung dafür noch keine ausgearbeitete Konzeption vorgelegt habe.

Gegen Kinder im Inter-Kultur-Garten haben Mayer (hinten, stehend) und seine Mitstreiter nichts. Das Bild zeigt eine Veranstaltung im Rahmen des "grünen Klassenzimmers".

"Wir haben noch nie kategorisch abgelehnt, dass die geplante Kita Zugang zum Inter-Kultur-Garten bekommt", stellt Mayer klar. Schon deshalb nicht, weil es von Anfang an Ziel gewesen sei, dort ökologische Bildungsarbeit für alle Alters-Gruppen zu betreiben. Nach seinen Angaben habe man seit 2013/14 rund 3000 Besucher im IKG gezählt – Kita-Sprösslinge, Schüler, Jugendliche und Erwachsene. Vom Bund Naturschutz (BN) etwa werde der Inter-Kultur-Garten als offizielles "grünes Klassenzimmer" genutzt. Sein Verein verschließe sich der Mitnutzung einer Teilfläche nicht gänzlich, so Mayer. Doch sei es nicht förderlich, wenn die Stadt hier Doppel-Strukturen anlegen wolle. Seine Bedenken: "Die geplanten Aktions-Flächen führen unweigerlich zur Zerstörung von angelegten Lebensräumen für Tiere und Pflanzen." Für die vorgesehene Kita habe sich die Stadtverwaltung "ausgerechnet ein Areal ausgesucht, auf das der Mensch nur begrenzten Zugang hat".

Über Jahre habe dort die Arten-Vielfalt nachweisbar zugenommen, erklärt er und folgert: "Die Biodiversität würde zunichte gemacht." Im Übrigen widerspreche das auch Beschlüssen des Stadtrats, der sich auf die Fahnen geschrieben habe, das Artensterben zu stoppen. Gerade auf diesem Areal habe man dieses Ziel bereits erreicht. Teilweise betroffen vom Vorhaben der Stadt sind nach den Worten von Mayer die an Mitglieder der IKG-Gestaltungs-Gemeinschaft vergebenen Parzellen am Rande des Areals. "Direkt über dem Bunker gäbe es einen Versammlungsplatz, da könnten Leute drauf", macht Mayer einen Alternativ-Vorschlag. Auch die Kindergarten-Gruppe könne diese Fläche betreten und Parzellen im Randbereich des IKG nutzen. Doch sei dies von der Verwaltung abgelehnt worden. Wenn deren Pläne umgesetzt würden, müssten laut Mayer nicht nur Lebensraum-Areale weichen, sondern auch andere Teilprojekte wie der Lehr-Bienenstand oder die Musterdach-Begrünung.

Große Wasserstelle im Inter-Kultur-Garten.

Besser geeignet für die Natur-Kindergarten-Gruppe wäre aus Vereins-Sicht die Fläche neben dem Bolzplatz an der Ziegelstraße. Mayer hat zudem einen weiteren Alternativ-Vorschlag: "Warum geht man mit der Kita nicht in das von etlichen Vereinen genutzte ehemalige Verwaltungs-Gebäude des Bunkers?" Da man dort sowieso Sanierungs-Arbeiten vornehmen müsse, könne man etwa mit der Nutzung der früheren Kantine für die Kita-Gruppe quasi zwei Fliegen mit einer Klappe schlagen. Mayer: "Da müsste man halt mal eine Kosten-Aufstellung machen." Seiner Ansicht nach wäre es sinnvoll, die Standort-Frage erst einmal auszuklammern und eine einvernehmliche Lösung zu suchen statt, wie er es formuliert, eine "feindliche Übernahme" zu planen. Das sei auch den vielen Ehrenamtlichen nicht zuzumuten. Tausende von Arbeitsstunden wären damit umsonst gewesen, sagt er. "Und nicht zuletzt auch über 10 000 Euro Gemeinwohl-Geld."

Im Rathaus ist man um Aufklärung bemüht. "Die diskutierte Fläche im Bereich des Bunker-Geländes ist städtischer beziehungsweise stiftischer Grund, der an den Verein 'Hallertauer Regional' gegen ein symbolisches Pacht-Entgelt verpachtet ist", heißt es in einer Stellungnahme der Verwaltung gegenüber unserer Redaktion. Schon bei Überlassung der Flächen im Jahre 2013 habe der Haupt- und Finanz-Ausschuss des Stadtrats klargestellt, "dass die Verpachtung vorbehaltlich eines vorrangigen öffentlichen Bedarfs erfolgt". Der regulär bis zum Jahresende laufende Vertrag solle nun nicht komplett verlängert werden, da der östliche Teil des Areals für das städtische Vorhaben benötigt werde und sich für die Deckung des ständig wachsenden Kinder-Betreuungs-Bedarfs anbiete.

Sandarium im Inter-Kultur-Garten.

Laut Mitteilung aus dem Rathaus werden die von Stadtrat und Vereins-Chef Mayer genannten Alternativ-Vorschläge momentan geprüft. Die neue Gruppe solle allerdings der unmittelbar benachbarten Kita "St. Andreas" zugeordnet sein. Bei der Flächen-Auswahl habe man "auch berücksichtigt, das bestehende Gelände, die dortigen Bauten und Lebensräume so wenig wie möglich zu beschneiden und bestehende Strukturen größtenteils erhalten zu können". Außerdem heißt es aus der Stadtverwaltung: "Eine Kooperation zwischen der Kita, den Stadtwerken und dem Inter-Kultur-Garten ist wünschenswert."


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