Logo
Anzeige
Anzeige

Vereins-Chef Manfred "Mensch" Mayer beklagt mangelnde "Wertschätzung für Ehrenamt" und kritisiert das Vorgehen der Verwaltung, die dort einen Natur-Kindergarten plant.

(ty) Für den Inter-Kultur-Garten (IKG) in Pfaffenhofen dürfte es zumindest in der jetzigen Form keine Zukunft geben. Wie berichtet, möchte die Stadt einen erheblichen Teil des Areals über dem ehemaligen Fernmelde-Bunker für eine Natur-Kindergarten-Gruppe nutzen – und stößt dabei auf Widerstand, der nun allerdings bröckelt. Denn bei "Hallertau Regional", dem Verein für nachhaltiges Wirtschaften und Betreiber des mehrfach ausgezeichneten Öko-Paradieses, erkennt man mittlerweile kaum mehr Chancen, eine einvernehmliche Lösung zu finden, mit der beide Seiten leben könnten. Dessen Vorsitzender Manfred "Mensch" Mayer sieht den Kampf um das Konzept des Vereins nach den jüngsten Entwicklungen als verloren an. Wie die Stadt das Areal mit professioneller Hilfe weiterentwickeln möchte, das könne und wolle der Verein nicht leisten, sagte er im Gespräch mit unserer Zeitung. Deren Vorgehen zeuge auch von mangelnder Wertschätzung für über viele Jahre dort ausgeübte ehrenamtliche Tätigkeit.

Anlass für seine Einschätzung, dass es kein gedeihliches Miteinander geben könne, sei eine Veranstaltung am vergangenen Dienstag gewesen, sagt Mayer. Auf Einladung von Kathrin Maier, der Amtsleiterin "Familie, Bildung und Soziales" im Pfaffenhofener Rathaus, habe es zusammen mit ihm als Vereins-Vorsitzendem zunächst eine Ortsbesichtigung und anschließend einen Workshop in der Kita "St. Andreas" gegeben. Mit dabei gewesen seien auch Helmut Hechtbauer, Unternehmer und Fachberater für Natur-Erlebnis-Räume, sowie Vertreter der Stadtverwaltung, der Unteren Naturschutz-Behörde am Landratsamt und Mitarbeiter des Inter-Kultur-Gartens.

Das Treffen habe eigentlich dazu beitragen sollen, eine einvernehmliche Lösung zu finden zwischen den Interessen von "Hallertauer Regional" als Pächter des Areals und der Stadtverwaltung, die dort etwa 4000 von insgesamt 9000 Quadratmetern benötige, um eine dauerhafte Kindergarten-Gruppe einzurichten, so Mayer. Das Ziel der Zusammenkunft ist seiner Einschätzung nach verfehlt worden.

Mehr noch: Nun bestehe "Klarheit, dass eine solche einvernehmliche Lösung von der Stadtverwaltung in Wirklichkeit überhaupt nicht in Erwägung gezogen wird", sagt er. Denn im Rathaus würden die bisherige ehrenamtliche Tätigkeit und der Zustand des Gartens "als amateurhaft und minderwertig abgewertet", sagt Mayer, der als Mitglied der Wähler-Gruppe "Gemeinsam für Gemeinwohl" (GfG) auch dem Stadtrat angehört. Die Verwaltung berufe sich inzwischen auf die Expertise von berufsmäßigen Profis.

Neben Markus Gastl, dem Erfinder und Verfechter des so genannten Drei-Zonen-Gartens, sei jetzt auch noch Helmut Hechtbauer, ein Fachberater für Natur-Spiel-Räume, dazugekommen. "Beide sehen im IKG-Areal enormes Potenzial, innerhalb kürzester Zeit die Biodiversität exorbitant zu steigern und Natur-Erlebnis-Räume von höchster Qualität für eine Kindergarten-Gruppe zu schaffen", berichtet Mayer von dem Treffen am Dienstag.

An einer Gebäudewand auf dem Bunker-Gelände findet sich das Logo des "Inter-Kultur-Gartens".

Beide Experten stünden für entsprechende Planungen zur Verfügung und seien "quasi schon in den Startlöchern", sagt Manfred "Mensch" Mayer und kritisiert: Der IKG in seiner bisherigen Form sei da "nur im Weg, da andere Standorte nicht einmal ansatzweise in Erwägung gezogen oder gar geprüft" worden seien. "Auf das Vorgehen der Stadtverwaltung haben wir keinen Einfluss", folgert er. Gegen bezahlte Garten-Planer-Profis könne und wolle der gemeinnützige und gemeinwohl-orientierte "Hallertauer Regional"-Verein nicht mithalten.

"Auf einen Überbieter-Wettbewerb werden wir uns nicht einlassen", stellt Mayer unmissverständlich fest. Das könne man weder zeitmäßig noch finanziell leisten. Durch mühevolle Arbeit von Amateuren sei es gelungen, auf dem früheren Bunker-Gelände einen zertifizierten Naturgarten anzulegen. Dafür habe man alle Kriterien erfüllt. Schwerpunkt des Vereins sei es gewesen, unterschiedliche Lebensräume anzulegen, deren ökologischen Wert man auf einem Pfad als beispielhaft präsentieren konnte.

Dafür habe man "mit Händen und Schubkarren" gearbeitet. Doch jetzt sei diese Tätigkeit "nicht mehr gut genug", folgert er und macht seiner Enttäuschung Luft. Das Vorgehen der Stadtverwaltung sei gegenüber den Ehrenamtlichen "auch ein bisschen unwürdig", findet er. Vom Verein vorgeschlagene alternative Standorte für den geplanten Natur-Kindergarten habe die Verwaltung seiner Überzeugung nach gar nicht untersucht.

Mayer moniert, dass es von der Stadt "null Entgegenkommen" dem Verein gegenüber gegeben habe. Er wolle der Mitglieder-Versammlung nicht vorgreifen, betont der Vorsitzende von "Hallertauer Regional" im Gespräch mit unserer Redaktion. Doch werde man laut jetzigem Stand nach erfolgter Kündigung des Pacht-Vertrags keine Verlängerung für das restliche Gelände anstreben. Damit hat der Inter-Kultur-Garten, zumindest in seiner derzeitigen Form, offenbar keine Zukunft.

"Unter Umständen formiert sich nun ein Nachfolge-Verein, der auf dem verbliebenen Areal weiter einen Gemeinschafts-Garten für Gemüse-Anbau betreibt", sagt Mayer. Jetzt blickt er aber erst einmal gespannt auf die nächste Sitzung des Pfaffenhofener Stadtrats am kommenden Donnerstag, 10. April. Denn in dieser soll das Vorhaben zur Schaffung einer Natur-Kindergarten-Gruppe auf dem ehemaligen Bunker-Gelände öffentlich behandelt werden. Dass es noch zu einer Kehrtwende kommen könnte, glaubt Mayer nicht. Er gehe davon aus, dass die Mehrheit des Ratsgremiums für die Pläne der Verwaltung stimme, erklärte er heute gegenüber unserer Zeitung.

Mit dieser Karte veranschaulicht der "Hallertau Regional"-Verein den aktuellen Stand der Dinge im Inter-Kultur-Garten und die verschiedenen Bereiche.

Zum Hintergrund:

Kontroverse um Kita-Planung in PAF: Droht dem Inter-Kultur-Garten das Aus?


Anzeige
RSS feed