Landrats-Kandidat Andreas Aichele (CSU) will einen Wechsel herbeiführen. Er gilt als aussichtsreichster Widersacher von Amtsinhaber Albert Gürtner (FW).
(ty) "Grundkonservative Politik" wolle er machen, "mit Hirn, Herz, Bauchgefühl und einer guten Portion Menschenkenntnis". Mit diesem Versprechen wirbt Andreas Aichele dafür, ihm am 8. März das Vertrauen zu schenken. Der 50-Jährige ist bei der anstehenden Landrats-Wahl der Hoffnungsträger von CSU sowie "Junge- und Familienliste Landkreis Pfaffenhofen" (JFL/JU) und wird im siebenköpfigen Bewerberfeld als aussichtsreichster Widersacher des aktuellen Amtsinhabers Albert Gürtner (FW) gehandelt. Ihm gehe es darum, den hart erarbeiteten Wohlstand des Landes zu erhalten und den Menschen in allen Lebensbereichen Sicherheit zu verschaffen, fasst der in Geisenfeld wohnende Aichele im Gespräch mit unserer Zeitung seine wichtigsten Ziele zusammen.
"Konservativ meint nicht altmodisch", betont der Polizeibeamte und erklärt seinen Ansatz: Er wolle den Landkreis in seiner Tradition bewahren, "ohne die Zukunft zu verschlafen". Ja, es sei viel Gutes geschaffen worden, räumt Aichele ein. Doch seien viele wegweisende Dinge nicht oder ohne den nötigen Nachdruck angepackt worden. Er sei überzeugt davon, dass bei etlichen Themen "mehr drin gewesen wäre". Dafür nennt er drei Beispiele: Die Wirtschaftskraft sei im Oberbayern-Vergleich deutlich gesunken. Bei der Frage nach einem dritten Gymnasium im Landkreis stehe man wieder am Anfang. Und in der Krankenhaus-Debatte habe es teure Gutachten gegeben, aber man sei noch keinen Schritt weiter.
"Ein gewichtiges Wort mitreden"
"Unser Wort ist oft nicht gehört worden", kritisiert der CSU-Mann. Beim Urnengang vor sechs Jahren sei zwar klar konservativ gewählt worden. Doch bekommen habe man die Politik der unter Landrat Gürtner geschmiedeten bunten Koalition aus FW, SPD, Grünen, Bürgerliste und ÖDP. Natürlich sei das Demokratie, sagt Aichele. "Aber als stärkste politische Kraft wollen wir ein gewichtiges Wort mitreden, wenn es um die Zukunftsfähigkeit unseres Landkreises geht." Man müsse wegkommen von Ideologie. Die Welt befinde sich in einem unglaublichen Umbruch, was bis ins Kleinste spürbar sei. Die Antwort darauf könne nur ein starkes Europa sein, so der Geisenfelder. Und dabei mitzuarbeiten, dass der Kreis Pfaffenhofen mit einem politischen Wechsel an Stärke gewinnt, habe er sich zum Ziel gesetzt.
"Wenn ich Dinge anpacke, dann mit voller Leidenschaft", verspricht der Vater zweier erwachsener Töchter. Was ihn nach eigener Einschätzung auszeichnet? Er übernehme Verantwortung, arbeite lösungsorientiert und habe keine Angst, auch unbequeme Dinge anzusprechen. So agiere er tagtäglich auch in seinem Beruf als Hauptkommissar. Nach langjährigen Tätigkeit in verschiedenen Bereichen der bayerischen Polizei ist Aichele derzeit als Presse-Sprecher beim Polizeipräsidium Oberbayern-Nord in Ingolstadt beschäftigt. Kommunalpolitisch aktiv ist er als Dritter Bürgermeister seiner Heimatstadt Geisenfeld und als Mitglied des Pfaffenhofener Kreistags. Daneben engagiert er sich in etlichen Vereinen und Initiativen.
Jegliche Unterstützung für Firmen
Worauf es ihm ankommt? "Unsere Vorfahren haben sehr hart gearbeitet und vieles geschaffen", antwortet der CSU-Kandidat. Sein zentrales Anliegen sei es, diesen Wohlstand zu erhalten. Das funktioniere nur, wenn man Gewerbe und Industrie als Partner betrachte. "Nur so können wir alles, was uns wichtig ist, bezahlen", verweist er auf die Notwendigkeit verlässlicher Steuer-Einnahmen. Deswegen wolle er alles daran setzen, den Unternehmen jegliche Unterstützung zukommen zu lassen. Soziale Marktwirtschaft, wie sie in Deutschland betrieben werde, müsse jeden mitkommen lassen, laute einer seiner Grundsätze. Doch genauso klar müsse sein: Wer dazu in der Lage sei, müsse auch arbeiten und dürfe nicht an öffentlichen Tröpfen hängen.
Um Leib und Leben müsse sich im hiesigen Landkreis keiner Sorgen machen, verweist Aichele auf Kriminalitäts-Statistiken. Doch sei Sicherheit stets ein Gefühl der Menschen und müsse weiter gefasst werden. "Unsere Systeme müssen funktionieren", sagt er. Er meint damit alle Lebensbereiche, angefangen bei der verlässlichen Kinder-Betreuung, die vor allem für Alleinerziehende unabdingbar sei, über die Gesundheits-Versorgung bis hin zur Nahrungsmittel-Produktion durch die heimische Landwirtschaft. Energie sei lebensnotwendig, für die Bürger wie für die Unternehmen. Deshalb will sich der CSU-Politiker dafür einsetzen, "dass es genügend Energie zu vernünftigen Preisen gibt".
"Deutliches Ausgaben-Problem"
An der Ilmtalklinik in Pfaffenhofen dürfe nicht gerüttelt werden. Ein Krankenhaus müsse als systemkritischer Bereich in kommunaler Hand bleiben, stellt er sich klar gegen eine Privatisierung. Endlich vorankommen müsse man in der Frage eines dritten Gymnasiums. Dazu gehöre, zu prüfen, ob auch Alternativen möglich seien – beispielsweise als Außenstelle eines bestehenden Gymnasiums. "Bildung ist unser größtes Pfund", betont er. Deshalb müsse man jeden jungen Menschen "so fördern, dass es für ihn am besten passt". Hart arbeiten wolle er daran, die finanzielle Handlungsfähigkeit des Kreises zu verbessern. Nach seiner Einschätzung besteht "ein deutliches Ausgaben-Problem". Deshalb müsse man zuvorderst prüfen, wo sinnvolle Einsparungen erreicht werden könnten.
In Sachen ÖPNV sieht Aichele den Landkreis auf einem guten Weg. Vor allem der Baar-Ebenhausener Bürgermeister Ludwig Wayand (CSU) sei da mit gutem Beispiel vorangegangen, sagt er. Allerdings müsse man immer prüfen, wo entsprechend dem Bedarf nachjustiert werden sollte. "Leere Busse helfen niemandem", so seine Überzeugung. Um dem akuten Wohnungs-Mangel entgegenzutreten, sieht Aichele nur ein Rezept: "Bauen, bauen, bauen." Dazu müsse man auch Nachverdichtungen ermöglichen und die Kommunen bei der Ausweisung neuer Baugebiete unterstützen. Sozialen Wohnungsbau zu fördern, sei natürlich notwendig, sagt der 50-Jährige. Doch dieser Ansatz allein werde die bestehenden Probleme nicht lösen.
Zuhören und erklären
"Kommunikation ist das A und O", beschreibt Aichele, wie er als Landrat agieren möchte. Das bedeute nicht, jedem nach dem Mund zu reden. Doch wenn man die Dinge im Vorhinein vernünftig erkläre, schaffe man mehr Akzeptanz. Generell sei es ihm ein Anliegen, die Menschen mitreden zu lassen. Das Zuhören werde oft vergessen.
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