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In 28 Kommunen entlang von Paar und Ilm entsteht laut Mitteilung der Arbeits-Gemeinschaft ein flächendeckendes Mess- und Prognose-System.

(ty) Der Aufbau des KI-gestützten Echtzeit-Frühwarn-Systems der hiesigen "Arbeits-Gemeinschaft solidarischer Hochwasserschutz" (Arge) beginnt. Das teilte der Verein mit. Im Rathaus von Hohenwart unterzeichneten Albert Gürtner, Landrat von Pfaffenhofen und Arge-Vorsitzender, sowie die Geschäftsführer der beauftragten Unternehmen – "Okeanos Smart Data Solutions", "Seba Hydrometrie" und "Riwa" die Verträge für das Großprojekt. Die drei Unternehmen hatten sich als Bieter-Gemeinschaft in einer europaweiten Ausschreibung durchgesetzt. Mit der Vertrags-Unterzeichnung gehe das Vorhaben von der Planung in die schrittweise Umsetzung über, heißt es in einer Arge-Mitteilung: "In 28 Kommunen entlang von Paar und Ilm entsteht ein flächendeckendes Mess- und Prognose-System."

Mehr als 150 Sensoren sollen laut Arge künftig unter anderem Niederschlag, Wasserstände und Bodenfeuchte in Echtzeit erfassen. "Die Messwerte werden mit Wettervorhersagen, geografischen Gebietsdaten und weiteren Informationen verbunden und durch datenbasierte Modelle ausgewertet." Es sei ein Meilenstein, in diesen Bereich einzusteigen, sagt Gürtner: "Das Extrem-Hochwasser von 2024 hat deutlich gemacht, dass wir uns auch auf Ereignisse vorbereiten müssen, die bisherige Erfahrungen übertreffen. Dafür müssen wir neue Wege gehen."

Das Frühwarn-System könne Extrem-Ereignisse zwar nicht verhindern, so der Landrat, "aber wir gewinnen wertvolle Zeit, damit Einsatzkräfte früher reagieren, Schutzmaßnahmen eingeleitet und Schäden möglichst begrenzt werden können". Ziel der Arbeits-Gemeinschaft ist es nach eigenem Bekunden, "bei Starkregen Vorwarnzeiten von bis zu 60 Minuten zu erreichen". Bei Hochwasser sollen den Angaben zufolge – abhängig von Wetterlage, Gewässer und Ereignis – Prognosen mit einem Vorlauf von bis zu 24 Stunden möglich werden.

"Die Informationen werden zielgruppengerecht aufbereitet und unterstützen insbesondere Kommunen, Feuerwehren und Katastrophenschutz bei ihren Entscheidungen." Eine zentrale Rolle übernehme dabei der so genannte Digitale Zwilling. Er führe die unterschiedlichen Messwerte und Prognosen zusammen, bereite sie verständlich auf und stelle sie räumlich dar. So entstehe aus einer großen Menge technischer Daten ein übersichtliches Lagebild. Auch eine öffentlich zugängliche Darstellung für die Bevölkerung sei vorgesehen.

Dabei solle das neue System bestehende Warnwege sinnvoll ergänzen und keine zusätzliche Warn-App schaffen. Besonderes Augenmerk liege auf der Zuverlässigkeit der Warnungen. "Fehlalarme sollen möglichst vermieden werden, damit Warnhinweise im Ernstfall auch ernst genommen werden", erklärt die Arge. "Gemeinsam mit den Kommunen und den zuständigen Stellen wird deshalb festgelegt, wer welche Informationen erhält und über welche Kanäle Warnungen weitergegeben werden."

Die Unternehmen der Bieter-Gemeinschaft bringen laut Arge unterschiedliche Kompetenzen in das gemeinsame Projekt ein. "Okeanos" führe die Bieter-Gemeinschaft, koordiniere das Vorhaben und stelle das KI-gestützte Warnsystem bereit. "Seba" aus Kaufbeuren liefere die Mess- und Sensor-Technik. "Riwa" entwickele den "Digitalen Zwilling" und sorge dafür, dass die Daten unterschiedlicher Quellen zusammengeführt, visualisiert und für verschiedene Nutzergruppen verfügbar gemacht werden könnten.

"Die Produktion der Sensorik für das Arge-Gebiet läuft jetzt an", so "Seba"-Geschäftsführer Rudolf Düster. Ab dem ersten Quartal nächsten Jahres solle die Sensorik schrittweise im Projekt-Gebiet installiert werden. "Die Standorte werden anhand hydrologischer Kriterien ausgewählt und mit den Kommunen abgestimmt", erklärt Felix Grimmeisen als Projekt-Verantwortlicher bei "Okeanos". Das Soft- und Hardware-Paket werde in den kommenden Monaten synchron aufgebaut und implementiert.

"Erste Basis-Funktionen des Digitalen Zwillings stehen bereits vorher bereit", ergänzt "Riwa"-Geschäftsführer Lutz Keller: "So können sich Kommunen und Einsatz-Organisationen unter Anleitung der Arge frühzeitig mit der Plattform vertraut machen." Für belastbare Hochwasser-Prognosen müssen laut Arge anschließend über mehrere Monate Messdaten gesammelt und die Modelle auf das Zusammenspiel der verschiedenen Messpunkte im gesamten Einzugsgebiet abgestimmt werden. Der vollständige Aufbau erfolge schrittweise bis Ende 2028.

Das System betrachtet laut Mitteilung der Arbeits-Gemeinschaft nicht nur Starkregen und Hochwasser, sondern auch das andere hydrologische Extrem: Trockenheit. Bodenfeuchte-, Niederschlags- und Wetterdaten sollen miteinander verknüpft werden, um die Entwicklung von Trockenheits-Risiken frühzeitig zu erkennen. Damit schafft die Arge nach eigenem Bekunden eine gemeinsame Daten-Grundlage für Hochwasserschutz, Starkregen-Vorsorge und Trockenheits-Bewältigung.

Das Mess-Netz sei als wachsendes System angelegt. "Vorhandene Mess-Stellen von Kommunen und Behörden werden – soweit technisch möglich und fachlich sinnvoll – eingebunden. Weitere Sensoren und Datenquellen können später ergänzt werden", sagt Alexander Poser vom Kernteam der Arge. Die gewonnenen Daten sollen zudem für die zuständigen Wasserwirtschafts-Behörden nutzbar sein. Neben Kommunen und Einsatz-Organisationen haben laut Arge auch Unternehmen der kritischen Infrastruktur Interesse an dem Frühwarn-System signalisiert. Durch frühzeitige und räumlich möglichst genaue Informationen könnten sie eigene Schutzmaßnahmen vorbereiten und Ausfälle begrenzen.

"Die besondere Stärke des Projekts liegt in seinem flussgebietsweiten und interkommunalen Ansatz", erläutert die Arbeits-Gemeinschaft. Die Arge betrachte Hochwasser, Starkregen und Trockenheit nicht innerhalb einzelner Gemeinde-Grenzen, sondern über das gesamte Projekt-Gebiet hinweg. Damit zähle das Vorhaben nach heutigem Kenntnisstand zu den umfassendsten kommunal getragenen Frühwarn-Modellen dieser Art in Deutschland.

Aus anderen Regionen des Freistaats lägen bereits Anfragen zum Vorgehen der hiesigen Arge vor. Das Projekt solle deshalb nicht nur den Schutz entlang von Paar und Ilm verbessern, sondern perspektivisch auch als Blaupause für andere Fluss-Regionen dienen. Gefördert werde das KI-gestützte Echtzeit-Frühwarn-System durch den Freistaat Bayern über das bayerische Staatsministerium für Digitales mit fast 2,1 Millionen Euro.

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