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Max Mannheimer, der als Jude den Holocaust überlebt hat, berichtete auf Einladung des Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer (CSU) in Jetzendorf von seinen Erlebnissen

(ty) Max Mannheimer ist zu einer gewichtigen Stimme für die im Nationalsozialismus verfolgten und ermordeten Juden geworden. Am Montagabend war er auf Einladung des Freisinger Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer (CSU) im Schloss Jetzendorf zu Gast und berichtete über sein Leben. Über 180 Gäste waren in den Spiegelsaal gekommen um den Überlebenden der Schoah zu hören.

Dr. h.c. Max Mannheimer berichtet annähernd chronologisch, beginnend bei seiner Jugend, die er in dem sudetendeutschen Städtchen Neutitschein verbringt, und den ersten Schatten, die die so genannte Reichskristallnacht und die Besetzung des Sudetenlandes vorausschicken. Mannheimer wächst in einer liberalen jüdischen Kaufmannsfamilie auf. Die Tefillin, die jüdischen Gebetsriemen, lernt er zwar anzulegen, aber bereits nach kurzer Zeit erlaubt ihm sein Vater, der im Ersten Weltkrieg in der Armee des K&K Österreich gedient hatte, diese religiöse Pflicht zu vernachlässigen.

Mannheimer freut sich aber auf die jüdischen Feiertage, die selbstverständlich in seiner Familie begangen wurden, und bedauert nur, dass in der Synagoge im Ort keine Kirchenglocken erklingen oder Orgelmusik ertönt. In seiner frühen Jugend spielt der Antisemitismus keine große Rolle. „Natürlich“ gab es den kirchlichen Antijudaismus, der behauptete, die Juden hätten Christus ermordet, aber in Neutitschein verlaufen die Grenzen zwischen den Tschechen und den Deutschen. Die Juden bewundern die deutsche Kultur – wer es zu etwas bringen will, geht nach Berlin oder Wien zum Studieren.

Doch im Zuge der Novemberpogrome 1938 kommt der Terror in das Industriestädtchen. Tora-Rollen werden auf die Straße geworfen und die Synagoge nur deshalb nicht angezündet, weil der Gasometer der Stadt in ihrer Nähe steht. Mannheimers Vater wird verhaftet. Nach Wochen kommt er nur unter der Auflage frei, das Land binnen einer Woche zu verlassen. Die Familie geht nach Ungarisch Brod – doch auch hier ist sie nicht lange sicher.

In Max Mannheimers ausgezeichnetem Gedächtnis haben sich Daten und Fakten tief eingegraben. Er erzählt anschaulich und nüchtern und bis in die Details von den Grausamkeiten, die erlebte, von dem Zynismus der Mithäftlinge und von seiner eigenen Naivität. Selbst in Auschwitz angekommen, kann er einem Mithäftling nicht glauben, der berichtet, diejenigen, die nicht mehr arbeitsfähig seien, „gehen durch den Kamin“.

Mannheimer berichtet von der perfekten Täuschung und Illusion im Lager, die die Konfusion der nächtlichen Selektion ausnutzte. Von dem 1000 Personen starken Transport, mit dem er nach Auschwitz kommt, dürfen vorerst 218 Menschen überleben. Die anderen werden ermordet. Darunter seine Frau, seine Mutter und Schwester und auch sein Vater. Bei einem Zählappell fällt sein Blick auf den Elektrozaun um das Lager und er trägt sich mit dem Gedanken, seinem Leiden ein Ende zu machen. Doch sein 17-jähriger Bruder hält ihn zurück. Dass er ihn damals beinahe im Stich gelassen hätte, belastet Mannheimer noch heute.

„Ich bin kein Held“, sagt Mannheimer schonungslos. „Wenn ich auf der anderen Seite gestanden hätte, könnte ich nicht beschwören, mein Leben riskiert zu haben, um Juden zu retten.“

Im Oktober 1943 wird Max Mannheimer nach Warschau transportiert, wo er die Reste des zerstörten Ghettos beseitigen soll. Von dort geht es weiter in das KZ Dachau, von dem aus er wenig später in das Außenlager Karlsfeld zur Zwangsarbeit verlegt wurde. Nur dank der Hilfe von Mithäftlingen überlebt er die schwere Arbeit. Erst am 30. April 1945 in Tutzing wird er von der amerikanischen Armee befreit. Mannheimer berichtet auch, wie er sich nach dem Krieg in ein Mädchen aus dem Sudetenland verliebt, mit dem er später nach München zieht.

Mit seiner Geschichte weiß Max Mannheimer das Publikum direkt anzusprechen, ohne es zu überfordern. Grausame Erlebnisse kontrastiert er mit den Momenten der Hoffnung und Menschlichkeit, die er erlebte. Fragen des Bundestagsabgeordneten Erich Irlstorfer wie aus dem Publikum beantwortet genauso offenherzig, wie er nach seinem Vortrag für unzählige Bilder und Autogrammwünsche zur Verfügung steht.

Schmunzelnd berichtet er davon, wie er Kanzlerin Angela Merkel als allerersten deutschen Regierungschef dazu brachte, die KZ-Gedenkstätte in Dachau zu besuchen. Wie seine Gäste zeigte sich Irlstorfer beeindruckt von seinem Gesprächspartner. „Seine Botschaft lautet, dass Menschlichkeit immer eine Chance hat, dass Demokratie immer auch verteidigt werden muss und man vor den politischen Rattenfängern Acht geben muss“, so der Abgeordnete. Seinem Gesprächspartner dankte Irlstorfer mit den Worten: „Ihr großer Humanismus ist uns allen ein Vorbild. Wir sind Ihnen unendlich dankbar, dass Sie Ihre Geschichte mit uns und gerade den jüngeren Generationen teilen.“


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