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Wieso die Sozialen Sanitäter Ingolstadt bei der Bewältigung der Arbeit mit den Flüchtlingen nicht helfen dürfen 

(ty) Bei dem derzeitigen Ansturm von Asylbewerbern ist jede helfende Hand willkommen. Sollte man meinen. Benjamin Haas von den Sozialen Sanitätern aus Ingolstadt hat da ganz andere Erfahrungen gemacht. Als am vergangenen Montag am Münchner Hauptbahnhof zahllose Flüchtlinge aus Ungarn und Österreich eintrafen, da war Haas mit seinem Verein überaus willkommen und leistete ehrenamtlich sowohl medizinische als auch soziale Hilfe, verteilte Kleiderspenden. Als er jedoch das selbe auch in Ingolstadt in der zur Notaufnahmeeinrichtung umfunktionierten Reiser-Klinik machen wollte, bekam er eine Absage. „Wir benötigen die Hilfe Ihres Vereins nicht“, hieß es in einer Mail von der Koordinationsstelle Netzwerk Asyl.

Seltsam, zumal die Sozialen Sanitäter nicht nur medizinisch unterstützen könnten, sondern vor allem auch im sozialen Bereich. Die Sozialen Sanitäter waren am vergangenen Montag in der Reiser-Klinik vorstellig geworden und haben ihre Hilfe angeboten. „Kein Problem hieß es“, so Haas. Er solle einfach eine Mail an die Koordinationsstelle schreiben. Ab da war es dann aber ein Problem. „Es handelt sich um ein Missverständnis“, musste er in der Antwort lesen, „wir benötigen die Hilfe Ihres Vereins nicht, da wir auf diesem Gebiet bereits mit anderen Organisationen zusammen arbeiten.“

Benjamin Haas, der noch Stunden zuvor bei den Flüchtlingen in München im Einsatz war, verstand die Welt nicht mehr. Und fand es „sehr ernüchternd, wenn Sie uns nur ablehnen, weil wir helfen wollten.“ Ob hinter der Ablehnung in der Tat das Missverständnis steht, dass die Sozialen Sanitäter ausschließlich medizinische Hilfe leisten wollten, scheint weniger der Grund zu sein. Eher die Tatsache, dass es sich bei den Sozialen Sanitätern, die im Dezember 2014 ihren gemeinnützigen Verein gegründet haben, der derzeit 20 Mitglieder hat, um ehemalige Mitarbeiter des Rotes Kreuzes handelt, die den Kreisverband verlassen haben, weil es „menschlich nicht mehr gepasst“ hat. Und Benjamin Haas selbst – ein ausgebildeter Rettungssanitäter – hatte dem Roten Kreuz nicht unbedingt im beiderseitigen Einvernehmen den Rücken gekehrt. Sein Abschied war überschattet von einem Arbeitsgerichtsprozess.

Und deswegen vermutet er auch hinter der Ablehnung als wahren Grund genau diese Abspaltung vom Roten Kreuz. „Ich kann das nicht beweisen, aber meiner persönlichen Empfindung nach ist genau das der Grund.“

Den Flüchtlingen wäre es wohl egal gewesen, ob die Helfer untereinander befreundet oder verfeindet sind. Hauptsache, ihnen wird geholfen.


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