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Commerzbank-Studie: Die Eurokrise bremst den Mittelstand im Ausland und lässt Unternehmer schwache Konjunkur erwarten. "Wer wachsen will, sollte seine Chancen im Ausland prüfen", sagt Stefan Kastner von der Mittelstandsbank. Und Josef Raith aus Wolnzach gibt ihm Recht: Seine Firma RTS hat eine internationale Erfolgsgeschichte hingelegt.

(ty/zel) Die Eurokrise hemmt Wachstumspotenziale für den bayerischen Mittelstand im Ausland. 81 Prozent der Unternehmen im Freistaat rechnen für den Euroraum mit schwacher Konjunktur in den nächsten Jahren. Der Anteil der Firmen, die eine Auslandsexpansion planen, ist auf zehn Prozent gesunken – von 23 Prozent im Jahr 2007. Das sind die zentralen Ergebnisse einer von der Commerzbank in Auftrag gegebenen Studie, deren Ergebnisse jetzt in Ingolstadt vorgestellt wurden. Vielleicht auch angesichts dieser Stimmungslage animiert Stefan Kastner, der Leiter der Commerzbank-Regionalfinale Ingolstadt und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Mittelstandsbank Bayern-Süd: „Wer wachsen will, sollte unbedingt seine Chancen im Ausland prüfen“. Das kann Josef Raith von der Firma RTS aus Wolnzach nur bestätigen: „Durch die Internationalisierung haben wir einen klaren strategischen Vorteil erlangt.“ 1989 von ihm im Hinterhof gegründet, beschäftigt RTS inzwischen 1200 Mitarbeiter, agiert in 30 Ländern und macht gut 150 Millionen Euro Jahresumsatz.

Vier von fünf mittelständischen Unternehmern in Bayern rechnen für den Euroraum mit einer schwachen Konjunktur in den nächsten Jahren. Grund dafür ist die anhaltende Euro- und Finanzkrise. Die Verunsicherung ist so groß, dass sich fast 86 Prozent der Unternehmer generell auf Grenzen des Wachstums einstellen. Gleichzeitig fordern 83 Prozent eine Intensivierung des Außenhandels jenseits der EU. Das sind Ergebnisse einer neuen Studie der Commerzbank mit dem Titel „Neue Märkte, neue Chancen – Wachstumsmotor Internationalisierung“. Die Befragung zeige aber auch, dass der Mittelstand in Bayern „bei aller Skepsis im internationalen Geschäft gut aufgestellt ist“, erklärt Kastner und ergänzt: „Auch in der Region 10 freuen wir uns über weltweite Champions.“

Die gute Nachricht sei, dass die internationale Wettbewerbsfähigkeit bayrischer Unternehmen weiter zunehme. 73 Prozent der international tätigen Mittelständler im Freistaat setzen ihre Waren oder Dienstleistungen auch jenseits der etablierten Märkte in Europa, Nordamerika und Japan ab. „Das ist für die Region 10 ebenso gültig. Zudem haben die Unternehmen ihre Aufstellung vor Ort in Auslandsmärkten intensiviert“, so Kastner.

Gegenüber einer Studie von 2007 ist der Anteil international agierender Unternehmen, die im Ausland langfristige Kooperationen, Joint Ventures oder eigene Standorte aufgebaut haben, deutlich gestiegen: Jedes dritte international aktive mittelständische Unternehmen aus Bayern ist heute vertraglich an ausländische Partner gebunden (Anstieg von 14 auf 35 Prozent). Knapp ein Drittel (Anstieg von 20 auf 30 Prozent) unterhält inzwischen einen eigenen Auslandsstandort. Der Erfolg bestätigt diese Strategie: 83 Prozent aller international aktiven deutschen Unternehmen berichten, dass Produkte und Dienstleistungen deutscher Unternehmen von Kunden im Ausland als führend bezeichnet werden.

Stefan Kastner, Chef der Ingolstädter Commerzbank-Filiale und Vorsitzender der Geschäftsleitung der Mittelstandsbank Bayern-Süd macht Unternehmern Mut: "Keine Angst vor Internationalisierung, meist sind mehr Chancen als Risiken vorhanden."

Grundlage der Studie sind repräsentative Umfragen bei 4000 mittelständischen Unternehmen in Deutschland. Für die aktuelle Erhebung wurden zusätzlich Wirtschaftswissenschaftler an deutschen Unis sowie Verantwortliche an Auslandsstandorten deutscher Unternehmen befragt.

Der erste Schritt ins Ausland ist allerdings schwieriger geworden. Insgesamt zeichnen die Studienergebnisse ein zwiespältiges Bild von der internationalen Aufstellung des Mittelstands. „Auf der einen Seite stehen die Unternehmen, die bereits vor längerer Zeit den Schritt in neue Märkte gewagt haben, um dort Wachstumschancen zu nutzen. Auf der andern Seite tun sich Mittelständler, die noch nicht in Auslandsmärkten aktiv sind, derzeit schwer, den ersten Schritt zu machen“, fasst Kastner zusammen. „Der typische Weg – erst in den EU-Nachbarländern wachsen, dann die Internationalisierung in weiter entfernten Märkten vorantreiben – ist durch die schlechte Konjunktur im Euroraum derzeit verschlossen.“ Am Schritt ins Ausland führe aber kein Weg vorbei. „Wer wachsen will, sollte unbedingt seine Chancen im Ausland prüfen“, ist daher sein Appell an die Unternehmer in der Region 10.

Die Ergebnisse der Studie für die Region 10 lassen sich so zusammenfassen: Erstens: Die Auto- und Flugzeugindustrie sowie deren Zulieferer sind bereits stark internationalisiert. Zweitens: Internationalisierung schafft und sichert Jobs in der Region. Drittens: Trotzdem sollten noch mehr Unternehmen ihr Potenzial auf Auslandswachstum prüfen. „Keine Angst vor Internationalisierung“, sagt Kaster, „meist sind mehr Chancen als Risiken vorhanden“.

Diesen Appell des Ingolstädter Commerzbank-Chefs Stefan Kastner kann Josef Raith, Geschäftsführer der RTS Elektronik-Systeme GmbH aus Wolnzach, nur unterstreichen. Das Unternehmen, das für die Elektronikbranche Logistik, Ersatzteilservice, Reparaturen und die Kundenbetreuung managt, ist als After-Sales-Dienstleister einen ganz eigenen Weg der Internationalisierung gegangen – es expandierte über ausländische Partner und nicht über eigene Standorte. Als Raith im Jahr 1999 mit dem Aufbau eines europaweiten Servicenetzwerkes begann, stand auch er vor vielen Fragen die ihm Kopfzerbrechen bereiteten.

Mittlerweile ist RTS in rund 30 Ländern vertreten und arbeitet mit 50 Servicepartnern zusammen. Dabei beschäftigt RTS europaweit mehr als 1200 Mitarbeiter; davon 80 bis 100 im Hauptquartier in Wolnzach.  Seit der Firmengründung im Jahr 1989 durfte sich RTS im vergangenen Jahr mit mehr als 150 Millionen Euro über den größten Jahresumsatz in der Firmengeschichte freuen. Und Josef Raith ist zuversichtlich, dass RTS zum 25-jährigen Jubiläum im kommenden Jahr weiteres Umsatzwachstum vorweisen kann.

„Durch die Internationalisierung haben wir einen klaren strategischen Vorteil erlangt“, sagt er. „Wir sind jetzt in der Lage, aus einer Hand europaweit eine zuverlässige Qualität zu bieten und haben gleichzeitig unsere Reaktionsgeschwindigkeit gesteigert.“ Von einem regionalen Player sei das Unternehmen zu einem globalen Player geworden und habe so Marktanteile und Bekanntheitsgrad gesteigert. „Das wirkt sich natürlich auch positiv auf unseren Gewinn aus“, erläutert Raith. „Wir wollen uns kontinuierlich weiter entwickeln“, kündigt der RTS-Chef an. In den nächsten drei bis fünf Jahren wolle man den Umsatz verdoppeln.


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