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Die Fastenpredigt des Pfaffenhofener Stadtjuristen Florian Erdle beim Herrnbräu-Starkbieranstich in Ingolstadt war gestern Abend beinahe ein wenig zu milde – Die komplette Fastenpredigt als Video

(ty) Beim Anstich des ersten Fasses Starkbier in der Schanzer Rutschn in Ingolstadt hatte sich Oberbürgermeister Christian Lösel eine „faire Rede“ gewünscht vom Herrnbräu-Fastenprediger Florian Erdle, dem ebenso beliebten wie gefürchteten Kabarett-Juristen aus Pfaffenhofen. Angesichts der Affären, die Ingolstadt derzeit fest im Griff haben und geradezu nach Satire schreien, eine nachvollziehbarer Hoffnung. Und Lösel muss wohl einen Wunsch bei einer guten Fee frei gehabt haben. Denn Florian Erdles gut einstündige Fastenpredigt war gemessen an seinen Auftritten in den vergangenen Jahren in diesem Jahr in der Tat weniger bissig und in der Dichte seiner zynischen Gags deutlich reduzierter. Und das bei einem Portfolio an lokalpolitischen Themen, das eher hätte vermuten lassen, dass es reihenweise versteinerte Gesichter geben würde.

Fastenpredigt Teil1

Fastenpredigt Teil 2

Doch weit gefehlt. Zwar ließ Erdle von Audi bis zum Klinikums-Skandal, vom Fragenkatalog der Opposition bis zum Kita-Streit kaum etwas aus. Den gnadenlosen Biss indes, den man sich bei so einer Fastenpredigt wünscht und von seinen früheren Auftritten auch gewohnt war, blieb er über weite Teile schuldig.

Zwar ließ Erdle kaum ein Thema aus, beispielsweise Lösels ehemalige Firmenbeteiligung, die für so viel Aufsehen gesorgt hatte. Da müsse man als OB eben aufpassen. Denn ein Oberbürgereister sei eben mehr als nur ein Lösel. Es waren schon gute Wortwitze in seiner Rede, wenn er etwa meinte, der ehemalige Klinikumsgeschäftsführer hätte nichts gegen Vetternwirtschaft, solange sie in der Familie bleibe. Oder wenn er die Grüne Petra Kleine zitierte, die den CSU-Stadtrat Joachim Genosko dafür gelobt hat, weil er alle Stadträte gleich und sie selbst nie als Frau behandelt habe. „Da muss man auch erst einmal draufkommen“, giftelte Erdle.

Die Aufarbeitung des lokalpolitischen Schlachtfeldes geriet aber insgesamt sehr analytisch und differenziert, was dem schnellen Wortwitz natürlich ein wenig das Wasser abgegraben hat. Aber es ist eben ein schmaler Grat, auf dem man als Fastenprediger wandelt. Zu viele billige Pointen nehmen der Predigt die Tiefe, zuviel intellektueller Tiefgang wiederum geht ein wenig auf Kosten der spontanen Lacher. 


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