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Video zeigt, wie ein Rind wiederholt geschlagen wird – Tierrecht-Organisation bezichtigt hiesigen Funktionär des Bauernverbands und fordert Tierhalte-Verbot – Staatsanwaltschaft ermittelt

(zel) Die Tierrecht-Organisation „Peta“ hat Strafanzeige gegen einen Landwirt aus Pfaffenhofen gestellt und fordert, dass ihm ein Tierhalte-Verbot ausgesprochen wird. Sie wirft dem Bauern vor, Kühe misshandelt zu haben. Als ein Beleg dafür soll ein Video dienen, das im Internet veröffentlicht wurde und für helle Aufregung sorgt. Darauf ist zu sehen, wie ein Mann immer wieder mit einem stockähnlichen Gegenstand auf eine Kuh einschlägt. Laut „Peta“ handelt es sich bei dem bezichtigten Mann um ein Vorstandsmitglied des Pfaffenhofener Kreisverbands im bayerischen Bauernverband (BBV).

„Die Kuh ist zur Pflege der Klauen angebunden und den Schlägen wehrlos ausgeliefert. Immer wieder greift der Landwirt zum Stock und prügelt auf Kopf und Körper der Kuh ein“, schreibt „Peta“ zu dem Video. „Als die Kuh erschöpft zu Boden sinkt, wird sie mit erneuten Schlägen zum Aufstehen gezwungen.“ Aufgrund des „extrem gewalttätigen Verhaltens und der wiederholten Schläge“ hat „Peta Deutschland“ nach eigenen Angaben Strafanzeige erstattet. Diese sei am 4. Mai abgeschickt worden, sagte Jennifer Kuret, Koordinatorin für Missstandsmeldungen bei „Peta“, heute auf Anfrage.

 

Nicolas Kaczynski, Sprecher der Staatsanwaltschaft Ingolstadt, bestätigte gegenüber unserer Zeitung, dass am 8. Mai bei seiner Behörde die besagte Strafanzeige von „Peta“ eingegangen ist. Daraufhin sei ein Ermittlungsverfahren eingeleitet worden. Die Pfaffenhofener Polizeiinspektion und das hiesige Veterinäramt ermitteln laut Kaczynski jetzt im Auftrag der Staatsanwaltschaft in dieser Angelegenheit. 

Das gut fünfminütige Video, das auch der Staatsanwaltschaft vorliegt, wird den Worten von Kaczynski zufolge derzeit ausgewertet. Genau zu klären sei in diesem Zusammenhang auch, wer die beiden Personen sind, die auf dem Video zu sehen sind. Im Zuge der Ermittlungen sei dann festzustellen, ob es sich bei dem dokumentierten Verhalten um einen Straftatbestand oder einen Bußgeld-Tatbestand handle oder ob beides nicht gegeben sei. Diesbezüglich liefen die Ermittlungen in alle Richtungen, so Kaczynski.

 

Für „Peta“ ist der Fall indes klar – und daraus macht man auch keinen Hehl. Der angezeigte Landwirt wird in einer aktuellen Pressemitteilung praktisch identifizierbar gemacht. Genannt werden der Vorname und der erste Buchstabe des Nachnamens, außerdem heißt es, dass er aus Pfaffenhofen komme und „Vorstandsmitglied im lokalen Kreisverband des Bayerischen Bauernverbands“ sei. Ein Zeuge habe der Tierrecht-Organisation das Video übermittelt, auf dem der Landwirt „eine Kuh bei der Klauenpflege immer wieder brutal mit einem Gegenstand auf Kopf und Körper schlägt. Selbst als das Tier zusammenbricht, gehen die Misshandlungen weiter“.

Wie „Peta“ auf Anfrage mitteilte, liegt der erstatteten Strafanzeige ein anonymer Hinweis zugrunde, der Ende April über das „Whistleblower“-Formular auf der Webseite der Organisation eingegangen sei. Auf diesem Wege sei auch das Video übermittelt worden. Wie „Peta“ unter Berufung auf die Angaben des unbekannten Zeugen erklärt, „haben die Quälereien auf dem Hof schon länger Methode: Auch im Melkstand blieben die Tiere nicht von Schlägen verschont.“ Man habe eindeutig ermitteln können, um wen es sich bei dem bezichtigten Landwirt handle, hieß es von „Peta“.

 

Die Organisation fordert in diesem Zusammenhang nicht weniger als ein Tierhalte-Verbot für den Bauern. „Kühe leiden schon genug unter der Ausbeutung in der industriellen Tierhaltung, auf diesem Hof in Pfaffenhofen werden sie auch noch mit Schlägen traktiert – eine Hölle für die Tiere“, sagt Jennifer Kuret. „Wer vor Brutalität gegenüber friedfertigen Lebewesen nicht zurückschreckt, darf keine Tiere in seiner Obhut haben.“  

In einer Stellungnahme des bayerischen Bauernverbands zu dem im Internet kursierenden Video wird erklärt, der BBV stehe für eine verantwortungsbewusste Tierhaltung nach Recht und Gesetz – und dort, wo es Missstände gebe, müsse gehandelt werden. „Im konkreten Fall handelt es sich um ein laufendes Verfahren und der Sachverhalt wird im Moment sowohl von uns als auch von den Behörden geprüft“, so der Bauernverband. „Sobald eindeutige Erkenntnisse vorliegen, müssen die nötigen Konsequenzen gezogen werden.“

 

Gleichzeitig weist der BBV darauf hin, dass es sich seiner Einschätzung nach "bei dem gezeigten Material um illegale beziehungsweise widerrechtlich entstandene Aufnahmen handelt". Außerdem, so wird zumindest behauptet, „wurden gezielt Sequenzen zusammengeschnitten, weshalb ein verzerrtes Bild der Situation entsteht“. Das entschuldigt oder rechtfertigt aus Sicht des bayerischen Bauernverbandes jedoch eventuelle Verstöße gegen das Tierschutzgesetz nicht. 

Laut einem Medienbericht hat der bezichtigte Landwirt, der sich demnach keiner Schuld bewusst sei, inzwischen Anzeige wegen des Videos erstattet. Eine offizielle Auskunft von Seiten der Polizei war dazu am Mittwochabend von unserer Redaktion nicht mehr zu bekommen. Wer das Video gemacht hat, ist nicht bekannt. Gegebenenfalls richten sich diesbezüglich die Ermittlungen mutmaßlich gegen unbekannt.

Für den bezichtigten Landwirt muss natürlich – wie in einem Rechtsstaat üblich – die Unschuldsvermutung gelten. Das bedeutet, dass nicht er seine Unschuld beweisen muss, sondern dass ihm gegebenenfalls seine Schuld nachgewiesen werden muss.

Hier sehen Sie das von "Peta" veröffentlichte Video.

Inzwischen hat sich der Pfaffenhofener Tierschutzverein zu Wort gemeldet; lesen Sie dazu: "Eine Schande und ein Armutszeugnis ohne Gleichen"

Außerdem gibt es inzwischen einen aktuelleren Beitrag mit weiteren Details: Nach Prügel-Vorwürfen: Bauer erstattet seinerseits Anzeige


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