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Thomas Röder (CSU) hat nun ganz offiziell den Chefsessel im Pfaffenhofener Rathaus im Visier: Er will die Verwaltung umbauen, macht sich für moderate Gebührenanpassungen stark, will die Vereinsförderrichtlinien überarbeiten, wendet sich gegen "kulturelle Mutationen" und kritisiert, dass ein teurer Messestand noch keine Betriebe herbringe.

Audio-Podcast: "Vernünftig mit den Steuergeldern umgehen" – Interview mit Thomas Röder

Von Alfred Raths

Es könnte ein spannender Wahlkampf werden bis zur Kommunalwahl im kommenden Frühjahr: Thomas Röder tritt für die CSU gegen den amtierenden Pfaffenhofener Bürgermeister Thomas Herker (SPD) an. Den Rücken stärkte Röder bei der heutigen Aufstellungsversammlung ein einstimmiges Votum von 35 stimmberechtigten Parteifreunden. Nun will der Christsoziale dem sozialdemokratischen Rathauschef in aller Fairness die Stirn bieten.

Der 51-jährige Röder tritt mit dem Versprechen in den Ring, die Verwaltung in Teilbereichen umzukrempeln. "Die hauptsächliche Aufgabe des neuen Bürgermeisters ist es, neben dieser Neueinteilung auch die Entlastung von artfremden Tätigkeiten, wie beispielsweise die Erstellung und Versenden von Einladungen privater Kulturveranstalter", sagte Röder in seiner Bewerbungsrede. Auch das Mitorganisieren von kommerziellen Veranstaltungen dürfe die Verwaltung nicht lähmen. Außerdem störe er sich an den "akuten Erhöhungen" von Gebühren in der Mitte der Wahlperioden. Das sei zwar nicht unbedingt Herkers Idee gewesen, sondern sei "eigentlich generell aus kommunalpolitisch-taktischen Gründen so".

Moderate Gebühren

Röder sprach sich dagegen für eine fortlaufende Prüfung der Ausgaben und moderate Gebührenanpassungen aus ("Wenn dafür Bedarf ist und nicht, wenn der politisch vertretbare Zeitpunkt da ist"), sofern sie nicht schon vorher einzugrenzen seien. Insbesondere Familien dürften nach Röders Ansicht "nicht über Gebühr" belastet werden. Ansätze dazu gibt es seiner Meinung nach genügend. Er nannte beispielhaft Stadtbusgebühren, Freibadgebühren und die Gebühren der Stadtbibliothek.

"Wir werden auch nach wie vor versuchen, den Bedarf an Kindergarten-,  Krippen- und Hortplätzen zu decken und notfalls neue Kindertagesstätten bauen", führte Röder weiter aus, bezweifelte aber gleichzeitig, dass dies die nächsten sechs Jahre zwingend notwendig sein müsse. Im gleichen Atemzug erwähnte der CSU-Fraktionschef die Kinderspielplätze und kritisierte: "Seit Jahren wird groß getönt, dass die gerichtet werden; wir haben einen Prioritätenplan aufgestellt – passiert ist bislang noch nichts." 

Röder wolle durchaus die Energiewende – auch unter Einbeziehung des Energie- und Solarvereins Pfaffenhofen – vorantreiben, jedoch warnte er vor einer Verschandlung der Natur oder vor einer Verspargelung der Landschaft mit Windrädern. Da wolle er dann durchaus auch auf die Bremse treten, legte er dar.  

Thomas Röder sprach neben der Ortsteilpolitik ("Der Dorfcharakter, sofern noch vorhanden, sollte nicht zerstört werden") auch die Nöte der Aus- und Einpendler an und erklärte, dass eine seit Langem geführte  Debatte, in den MVV-Verbund aufgenommen zu werden, von Neuem entfacht werden sollte. Dem Mangel an qualifizierten Fachkräften in der Stadt und auch einem Parkplatzdefizit könne man womöglich damit entgegentreten.

Enorme Schäden

Eine Erschließung weiterer Baugebiete "mit Bedacht" und die Verdichtung der Innenstadt könnten unter anderem als Steuerungsinstrumente gegen Mietkostenexplosion dienen, sagte Röder. Dies alles seien harte und weiche Standortfaktoren für die Anwerbung neuer Gewerbebetriebe. "Ein sündhaft teurer Stand bei der Expo alleine bringt noch keine Betriebe her", wetterte Röder.

Als künftige oder auch laufenden Baustellen, die in der Zukunft fortgeführt werden müssten bezeichnete Röder das Projekt "Natur in der Stadt", woran man "finanziell, trotz der vielen Zuschüsse, noch eine lange Zeit zu Knabbern haben wird". Weitere Baustellen seien das geplante Schul- und Sportzentrum, die Stadtwerke, das Eisstadion und städtische Stadion sowie auch die "enormen Straßenschäden und Schäden an den Wasserleitungen und Abwasserleitungen in der Kreisstadt.

"Kulturelle Mutationen" 

Nach jüngsten Debatten, wie etwa zum St.-Martins-Umzug, legte Röder Wert auf die Feststellung, dass die Erhaltung christlicher Werte und der Tradition bei den Leuten "ein absolut wichtiges Thema" sei. "Es brodelt schon seit Jahren in der Bevölkerung – die Pfaffenhofener wollen keine Weihnachtswichtel und keinen Weihnachtszauber."  In diesem Zusammenhang stellte er die rhetorische Frage: "Warum müssen wir unsere Kultur, unsere Wurzeln verleugnen und mit Gewalt ändern? Nur wegen einer anderen politischen Einstellung?" Es gebe künftig noch sehr viel zu beraten und zu verbessern, so Röder – um zu verhindern, dass es in Zukunft zu weiteren derartigen Verfehlungen und "kulturellen Mutationen" komme.

Ein weiterer Punkt, den Röder in Angriff nehmen will, ist die Förderung heimischer Künstler. Er nannte im selben Atemzug auch den Sport, dazu auch Verbände und Vereine. Und mit einem Seitenhieb auf die politische Konkurrenz meinte er: "Erst auf Anregung von Florian Weiß konnte sich Adi Lohwasser von der SPD dazu aufraffen, die Sportförderrichtlinien neu zu überdenken."

Finanzspritzen für Vereine

Röder fordert, die Förderrichtlinien für alle gemeinnützigen Vereine in der Stadt zu überarbeiten. "Wir sind eine Stadt mit einem noch sehr gut funktionierendem Vereinsleben. Das einzige Manko dieser Vereine bleibt neben der finanziellen Ausstattung der fehlende Nachwuchs. Hier könnte man als Stadt mit geänderten Richtlinien starken Einfluss darauf nehmen", plädierte Röder, nicht ohne daran zu erinnern, dass für die Stadtkapelle und die Musikschule nach vernünftigen Unterbringungsmöglichkeiten gesucht werden müsse.

Röder wies zum Abschluss seiner Bewerbungsrede darauf hin, dass mit Herker noch ein Gespräch anstehe, in dem es darum gehe, den Wahlkampf auf Basis einer Art Vereinbarung mit fairen Mitteln zu führen. "Die Bevölkerung mag es meiner Ansicht nach nicht mehr, dass man sich gegenseitig die Augen auskratzt", sagte er. Keine Kritik auf sachlicher Ebene führen zu dürfen, sollte das freilich nicht heißen. 

Der in Nördlingen geborene Röder ("Meine Stärken liegen eindeutig im menschlichen und zwischenmenschlichen Bereich") war nach seiner Ausbildung bei der Polizeiinspektion Ingolstadt tätig und ist bereits seit März 1984 bei der Inspektion Pfaffenhofen und dort seit 2005 als Ermittler tätig. 1989 ist er der CSU beigetreten. Im April 2005 nahm Röder nach deren Wegzug Inge Stadlers Stadtratssitz ein und ist seither in diesem Gremium. CSU-Fraktionssprecher ist er seit Mitte 2011.

Über die CSU-Vorschlagsliste für die Kommunalwahl in Pfaffenhofen mit 29 Bewerbern wird erst am 2. Dezember  abgestimmt.   


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