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Stahlseil gespannt, Drohschreiben hinterlassen: Was nach dem Vorfall bei Allersberg am 7. Oktober bislang offiziell bekannt ist. 

(ty) Bislang Unbekannte hatten, wie berichtet, am 7. Oktober bei Allersberg offenbar einen Anschlag auf einen ICE verübt. Möglicherweise wollten sie den Zug entgleisen lassen. Wie gemeldet, war ein Stahlseil über die Gleise gespannt worden. Außerdem wurden Holz- und Eisenteile gefunden, die möglicherweise auf oder an den Gleisen angebracht waren. Nicht zuletzt wurde in der Nähe des Tatorts ein Droh-Schreiben in arabischer Sprache entdeckt. Die bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus (ZET) bei der Generalstaatsanwaltschaft München und das Landeskriminalamt (LKA) ermitteln nach wie vor in alle Richtungen. Jetzt wurden weitere Details bekanntgegeben.

 

Wie in einer am 29. Oktober veröffentlichen Pressemitteilung erstmals öffentlich gemacht worden war, hatte am 7. Oktober gegen 23.15 Uhr der Lokomotiv-Führer des ICE 821 (Dortmund – München) auf der Fahrt von Nürnberg-Hauptbahnhof nach München-Hauptbahnhof auf Höhe von Allersberg (Mittelfranken) ein verdächtiges Geräusch an seinem Zug gehört. Er habe dann am Hauptbahnhof in München den Triebwagen kontrolliert sowie dabei eine Beschädigung an der Frontscheibe bemerkt. Von Verantwortlichen der Deutschen Bahn AG sei ferner ein Kurzschluss auf der Bahnstrecke festgestellt worden.

Bahn-Mitarbeiter führten nach dem Vorfall – so wurde heute erklärt – bereits am 8. Oktober eine Begehung an der Örtlichkeit durch, „hier wurden jedoch keine Feststellungen getroffen“. Bei einer erneuten Strecken-Begehung am 24. Oktober seien dann jedoch in der Nähe der Ortschaft Allersberg an der genannten ICE-Strecke sowohl Reste eines Drahtseils als auch Befestigungs-Material entdeckt worden. Die Auffinde-Situation habe den Schluss zugelassen, dass das Seil über die Strecke gespannt gewesen sei. Dieser Sachverhalt sei am selben Tag der Bundespolizei mitgeteilt worden.

Am 26. Oktober habe dann die Bundespolizei eine weitere Absuche des Tatorts durchgeführt, wobei der Suchradius ausgedehnt worden sei. „Hierbei wurde an einem Brückenpfeiler ein mehrseitiges Drohschreiben mit arabischen Schriftzeichen aufgefunden. Außerdem wurde ein Graffiti mit arabischen Schriftzeichen festgestellt“, teilte das bayerische LKA mit. Der Fundort des Drohschreibens und der Graffiti-Zeichen liege zirka 3,5 Kilometer von dem Ort entfernt, an dem das Drahtseil aufgefunden worden sei. „In diesem Bereich wurden auch mehrere Holz- und Eisenteile im Gleisbett aufgefunden, die vermutlich ursprünglich auf oder an den Schienen befestigt waren.“

Aufgrund dieser Feststellungen der Bundespolizei, die bis dahin zuständigkeitshalber wegen eines gefährlichen Eingriffs in den Bahnverkehr ermittelt hatte, sei das bayerische Landeskriminalamt über den Sachverhalt unterrichtet worden. Schließlich habe die bei der Generalstaatsanwaltschaft München angesiedelte "Bayerische Zentralstelle zur Bekämpfung von Extremismus und Terrorismus" (ZET)  noch am selben Tag zusammen mit dem LKA die Ermittlungen übernommen.

Die Ermittlungen werden laut heutiger Erklärung beim LKA in der „Besonderen Aufbauorganisation“ („BAO Trasse“) geführt. Dieser Ermittlungseinheit gehören nach aktuellen Angaben derzeit bayernweit zirka 50 Kriminalbeamte an. Unterstützt werden die Ermittlungen der BAO vom Polizeipräsidium Mittelfranken, der Bundespolizei, vom Bundeskriminalamt und vom Polizeipräsidium München. „Eine konkrete Bewertung des möglichen Schadens-Potenzials wird unter fachlicher Einbindung des Eisenbahn-Bundesamtes erstellt“, wurde heute erneut gemeldet. Und: „Aufgrund der derzeitigen Spurenlage deutet aktuell nichts darauf hin, dass mit den Tathandlungen gegen den betroffenen ICE Menschen verletzt oder getötet hätten werden können.“

Im Rahmen ergänzender, zunächst örtlich begrenzter Absuchen, konnten inzwischen „weitere Papierfragmente gefunden werden, die vermutlich in unmittelbarem Zusammenhang mit dem Drohschreiben stehen“. Im Zuge einer weiteren, umfassenden Absuche der Schienen-Trasse am 31. Oktober, an der mehr als 150 Polizeibeamte beteiligt seien, „konnten zudem weitere Holz- und Eisenteile aufgefunden werden“. Diese waren, so heißt es weiter, „in Art und Beschaffenheit den bereits vorher sichergestellten Gegenständen ähnlich“. Die sichergestellten Gegenstände werden derzeit im kriminaltechnischen Institut des LKA untersucht.

Die Bewertung des Drohschreibens erfolge „fortlaufend unter Berücksichtigung des aktuellen Ermittlungsstands“ seitens des Landeskriminalamts – in enger Zusammenarbeit mit den Experten von der operativen Fallanalyse sowie dem Bundeskriminalamt. „Es liegen keine konkreten Drohungen vor“, teilte das LKA heute mit. „In dem Schreiben werden lediglich abstrakte Drohungen gegen den europäischen Bahnverkehr ausgesprochen.“ Weitere Details werden dazu nicht genannt.

Nach Erkenntnissen des bayerischen Landeskriminalamts „wurden gleichartige oder ähnliche Manipulationen an Bahnstrecken in Deutschland auch rückwirkend bislang nicht festgestellt“. Seitens des bayerischen LKA bestehe ein stetiger Informations-Austausch mit dem Bundeskriminalamt, der Bundespolizei und den Landeskriminalämtern in anderen Bundesländern. „Aufgrund der bisher bekannten Spurenlage wird nach wie vor in alle Richtungen ermittelt.“

Hinweise über verdächtige Personen oder verdächtige Wahrnehmungen nimmt das bayerische LKA unter der Rufnummer (08 00) 3 00 00 60 oder jede andere Polizei-Dienststelle entgegen. 

Erstmeldung zum Thema:

Anschlag auf ICE: Stahlseil über Gleise gespannt, Drohbrief auf Arabisch


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