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"Die Menschen entwickeln mehr und mehr Empathie für die Umwelt, für die Natur", sagt Manuela Braunmüller, die Vorsitzende des Tierschutz-Vereins.

(ty) "Überragend" war nach Angaben der Organisatoren das Interesse am Tag der offenen Tür, zu dem am Sonntag in die Pfaffenhofener Tierherberge eingeladen worden war. Etliche Gäste bekamen das auch bereits bei der Anfahrt zu spüren: Zahlreiche Autos von Besuchern standen zeitweise bereits am Anfang der Zufahrt zu der Einrichtung "An der Weiberrast" – fast 500 Meter vom Ort des Geschehens entfernt. "Wir können uns nicht erinnern, dass wir das jemals vorher erlebt haben", befand ein Helfer.

Dass so viele Leute gekommen waren, hatte man vermutlich unter anderem dem traumhaften Herbstwetter verdanken. Sonnenschein, 19 Grad, lauer Wind. Noch vor der offiziellen Eröffnung der Veranstaltung um 11 Uhr standen bereits die ersten Interessierten vor dem Zaun. An der Witterung allein habe dieser Zulauf aber nicht gelegen, da ist sich Manuela Braunmüller, die Vorsitzende des Tierschutz-Vereins, sicher. "Die Menschen entwickeln mehr und mehr Empathie für die Umwelt, für die Natur. Und damit auch für Tiere", sagt sie. Mit jedem Fall von Verletzung des Tierwohls, der bekannt würde, so Braunmüller sinngemäß, wachse auch die Zahl derer, die das nicht mehr hinnehmen wollen.

Dem Wetter war es indes sehr wohl zu danken, dass erstmals in der Geschichte des Tierschutz-Vereins die Besucher-Kinder zusammen mit Hunden aus der Tierherberge auf dem Außengelände miteinander herumtollen konnten. Einige Buben und Mädchen spielten an diesem Tag angeblich zum ersten Mal in ihrem Leben mit einem Hund. "Natürlich hatten wir sie ständig unter Aufsicht", betont Tierheim-Mitarbeiterin Barbara Whittaker.

Sie ist Hunde-Spezialistin, gelernte Kindergärtnerin, in der Herberge zuständig für das Thema "Kind und Tier" – und sie hatte diesen am Ende so erfolgreichen Tag der offenen Tür wesentlich mit organisiert. "Wir haben derzeit ausschließlich sehr soziale Hunde hier", berichtet Whittaker und stellt klar: "Einen nur ansatzweise schwierigen Hund hätten wir niemals zu den Kindern gelassen, das versteht sich von selbst." 

Bei einem kleinen Markt gab es an diesem Tag auch manche interessanten Dinge zu erstöbern. Firmen präsentierten Hundeleinen in besonderen Looks und orthopädische Hundebetten. Nicht nur, aber auch für den älteren Vierbeiner. Mehrere "Versuchshunde" durften einen solchen Liegeplatz auch gleich testen und mal probeliegen – einige von ihnen sollen, gestreichelt auch von den Sonnenstrahlen, prompt eingenickt sein.

Skurriles war auch dabei: Vorbei ist der Restaurant-Besuch, ohne an den Hund unterm dem Tisch zu denken. Faltbare Schüsseln zum Mitnehmen machen's möglich. Man konnte sie vor Ort kaufen oder bei Gewinnspielen gratis abstauben. Ein Los kostete zwei Euro. Und wer nichts gewonnen hat, der hat immerhin etwas Gutes getan: Der gesamte Erlös ist am Ende an den Tierschutzverein gespendet worden, wie heute mitgeteilt wurde.

20 Sorten hatte das Kuchen- und Tortenbuffet zu bieten; alles von den Tierheim-Mitarbeitern selbst gebacken. Mit einer ausgefallenen Ausnahme: Eine Besucherin, die mit ihren Schwestern in Mainburg ein Kaffeehaus betreibt, kam unangemeldet vorbei und hatte als besonderes Präsent einen Kuchen dabei. Dieser erhielt nicht ohne Grund die größte Aufmerksamkeit. Sie wollte sich nach eigenem Bekunden ein bisschen lustig machen über die "Show", die der ehemalige FC-Bayern-München-Fußballer Franck Ribéry mit seinem "vergoldeten Steak" veranstaltet habe, erklärte Patricia Beis, Mitinhaberin des Cafés.

"Ich bin Vegetarierin und sehr hunde-närrisch. Und wollte auf ironische Art zeigen, dass es zu einem vergoldeten Essen kein Fleisch braucht", erklärte Beis. Der mit Blattgold überzogene Knochen auf dem von ihr mitgebrachten Kuchen zeigte dann auch, was sie ganz konkret meint. Der vermeintliche Knochen war übrigens für "Lucky", einen ihrer Hunde, zwar verführerisch, aber letztlich doch eher enttäuschend: Er bestand nämlich aus Marzipan.

"Der Tag der offenen Tür ist stets auch eine Art Klassentreffen", fasst ein Sprecher des Tierschutz-Vereins zusammen. "Da sehen sich alle wieder." Mitarbeiter, Ex-Mitarbeiter, aber auch viele tierische Ex-Bewohner kommen mal wieder vorbei. "Viele verletzte oder gequälte Tierchen erinnern sich zweifellos noch an die – anfangs oft erbärmliche und schmerzhafte – Zeit an diesem Ort."

Sie wiederholten Tricks und andere Dinge, die sie hier gelernt hatten – oder liefen zielsicher auf einen bestimmten Mitarbeiter zu, mit dem sie vor Jahren besonders intensiven Kontakt hatten. "Kein Zweifel, viele erkennen uns wieder", sagt Angelika Hiller, die sich hier vor allem um Hunde kümmert. Das sei stets "eine Art Ritterschlag" für die Pfleger, mit denen die Tiere ja oft schwere, schmerzhafte Krankheiten durch- und überlebt haben. "Die merken sehr genau, dass man ihnen hilft, auch wenn es weh tut", weiß Hiller.

Zum diesjährigen Treffen erschien auch "Molly". Ihre Geschichte kennt jeder hier. Die ganz junge Yorkshire-Terrier-Hündin war vor einigen Jahren mit einer schweren angeborenen Missbildung auf die Welt gekommen und seinerzeit in der Tierherberge abgegeben worden. Damals überlegten die Tierärzte, ob es nicht besser sei, sie "gehen" zu lassen. Sie werde kaum jemals eine schöne Stunde in ihrem Leben haben, so die Vermutung.

Molly bewies allerdings energisch, dass diese Prognose falsch war. Nicht nur, dass mittlerweile statt eines Pflegeplatzes ein lebenslanger Dauerplatz für sie gefunden wurde. Das Fellbündel ist agil und quirlig. Soviel Lebensfreude hätte sich damals bei ihr wohl niemand vorstellen können. Molly ist nach wie vor am Hinterleib gelähmt, hat sich aber an ihr Wägelchen gewöhnt. Und benimmt sich heute, als würde sie dieses Hilfsmittel nicht einmal wahrnehmen.


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