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Ihre Arbeit in den Arzt-Praxen werde "nicht ausreichend wahrgenommen", so Stefan Skoruppa, der Chef des ärztlichen Kreisverbands. Das Schreiben im Wortlaut.

(ty) "Aufgrund der außergewöhnlichen Leistungen" der medizinischen Fachangestellten (MFA) in den Arzt-Praxen während der Corona-Pandemie habe sich der ärztliche Kreisverband von Pfaffenhofen zu einem offenen Brief entschlossen, erklärt der Allgemein-Mediziner Stefan Skoruppa aus Jetzendorf in seiner Funktion als Vorsitzender des ärztlichen Kreisverbands. Damit soll seinen Worten zufolge "insbesondere die Öffentlichkeit über die von den Arzt-Praxen und an vorderster Front ihren MFAs geleisteten Arbeit aufgeklärt werden". Den kompletten Wortlaut dieses Schreibens lesen Sie unten.

"In der Pandemie hat sich gezeigt, dass gerade Länder mit einer guten ambulanten Basis-Versorgung weniger Menschenleben zu beklagen hatten", so Skoruppa. "Selbstverständlich hatte die hervorragende Klinik-Versorgung – insbesondere die vielen kommunalen Häuser in der Fläche – genauso wie die gut ausgebildeten Pflegekräfte in den Heimen und im ambulanten Pflegedienst einen ebenso großen Anteil an der Bekämpfung der Pandemie." Deren Leistung solle keinesfalls geschmälert werden, betont Skoruppa, unterstreicht aber zugleich: "Nur leider wurden gerade die MFAs aus Sicht der ärztlichen Kreisverbands nicht ausreichend wahrgenommen."

Der offene Brief im Wortlaut:

"Liebe medizinische Fachangestellte in den Landkreis-Praxen,

Als ärztliche Kreisvorsitzende des Landkreises Pfaffenhofen möchten wir uns mit diesem Schreiben persönlich an Sie wenden und uns herzlich im Namen aller Ärztinnen und Ärzten für die außergewöhnliche Arbeit bedanken, die Sie seit über einem Jahr im Dienste unserer Patient*innen leisten!

Leider mussten wir feststellen, dass von der Politik und Medien zwar die unbestrittene Leistung von Krankenschwestern, Intensivmedizinern und des gesamten Klinikpersonal öffentlich anerkannt wurde, dabei wurde aber nicht wahrgenommen, dass über 90 Prozent aller an Covid erkrankten Patienten in unseren Praxen behandelt wurden.

Inzwischen werden in den Praxen mehr Patienten gegen Covid geimpft, als in den Impf-Zentren. Auch das ist erst durch Ihre herausragende Mitarbeit möglich gewesen.

Sie machen Schnelltests, PCR-Abstriche und achten auf die Hygiene in den vielen Sprechstunden, die täglich stattfinden. Und das machen Sie zusätzlich zu der ohnehin schon reichlich vorhandenen Arbeit!

Jede/-r von Ihnen hat mit geholfen, den Patienten die Angst zu nehmen, Mut zu machen und sie mit vielen guten Worten zu beruhigen. Sie waren Ansprechpartner, Tröster, Mutmacher sowohl an Ihrem Arbeitsplatz wie auch im Supermarkt und anderen öffentlichen Orten!

Wir können gemeinsam Stolz auf unsere bisher erbrachte Arbeit sein!

Leider liegt noch ein steiniger Weg vor uns. Derzeit überfluten uns die Patienten mit viel zu vielen Anrufen und Anfragen zum Thema Corona.

Geduldig versuchen wir gemeinsam, den durch die ständig wechselnden Aussagen unserer Gesundheits-Politiker und selbsternannten 'Corona-Spezialisten' verunsicherten Patienten ein Anker in der stürmischen See zu sein.

Die Gesellschaft, wie wir sie bisher kannten, hat sich verändert! Man könnte den Eindruck gewinnen, dass es nur noch Extreme gibt. Die einen sehen in Corona die Apokalypse, die anderen halten es nur für einen Schnupfen oder leugnen die Existenz des Virus. Wir versuchen, die Mitte zu halten, nutzen unseren gesunden Menschenverstand und unsere medizinische Kompetenz.

Ständig wurde von der Überlastung der Intensiv-Stationen gesprochen. Aber auch in unseren Praxen arbeiteten wir, und gerade Sie an vorderster Front, seit einem Jahr oft an der Belastungsgrenze und zu Beginn der Pandemie sogar ohne jeglichen Schutz.

Inzwischen sind knapp 50 000 Landkreis-Bürger*innen mindestens einmal geimpft. Das entspricht fast 50 Prozent der Über-18-Jährigen im Landkreis. Bereits eine Impfung verhindert mit sehr hoher Wahrscheinlichkeit einen schweren Verlauf bei einer Covid-Erkrankung. Zum Erreichen der Herdenimmunität wäre eine Impfquote von zirka 70 Prozent notwendig, welche beim derzeitigen Impftempo in fünf Wochen erreicht wäre. Hoffen wir, dass es so weiter geht und ausreichend Impfstoff in den Landkreis geliefert wird!

 

So wird sich die Lage in unseren Praxen hoffentlich Ende Juni deutlich entspannen.

Bitte halten Sie durch und lassen Sie uns gemeinsam durch diese schwere Zeit gehen und für unsere Patient*innen da sein!

Herzlichen Dank für Ihre herausragende Arbeit und viel Kraft für die noch vor uns liegende Zeit!

Herzliche Grüße,

Dr. med. Stefan Skoruppa
1. Ärztlicher Kreisvorsitzender

Dr. med. Matthias Fleige
2. Ärztlicher Kreisvorsitzender"

Hier finden Sie alle wichtigen bisher veröffentlichten Beiträge über die Corona-Virus-Krise in der Region im Überblick


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