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Bemerkenswerte Forschungsergebnisse der Technischen Hochschule Ingolstadt könnten die Kraftstoffqualitäten an den Tankstellen verändern

(ty) Jüngste Forschungsergebnisse der Technischen Hochschule Ingolstadt (THI) könnten die gesamte Tankstellen-Landschaft in Europa verändern. Denn Prof. Dr. Karl Huber, zuständig für das Gebiet Thermodynamik und Verbrennungsmotoren, hat mit seinen wissenschaftlichen Mitarbeitern herausgefunden, dass die flächendeckend gebräuchlichen Oktanzahlen in Frage gestellt werden müssen. Das betrifft nicht nur Mineralölkonzerne und Motorenhersteller, sondern letztlich auch die Verbraucher.

Oktanzahlen gelten bisher als zuverlässige Kenngröße für die Klopffestigkeit von Otto-Kraftstoffen. Ein Kraftstoff, der klopft, entflammt sich selbst, und verursacht massive Motorschäden. Je höher die Oktanzahl, desto höher die Klopffestigkeit und Qualität des Kraftstoffs. Dadurch wird ein entsprechend sicherer und einwandfreier Motorbetrieb ermöglicht. Soviel zur Theorie. Dass Oktanzahlen aber nicht unbedingt ein guter Indikator sind, darauf stießen Professor Huber und sein Team bei Forschungsarbeiten. Ziel ihres Projekts war es nach Angaben der THI, das genormte Verfahren zur Klopffestigkeitsprüfung, das seit nahezu 80 Jahren unverändert im Einsatz ist, zu untersuchen und zu modernisieren. Dafür bekamen sie von Projektpartnern einen üblichen Prüfmotor und die nötige Technik zur Verfügung gestellt.

Schon bei den Voruntersuchungen stellte das THI-Team fest, dass deutliche Diskrepanzen zwischen der Anzeige der Oktanzahl und der tatsächlich gemessenen Klopfstärke zu erkennen waren. In der Praxis bedeute das: Ein Kraftstoff mit der gemessenen Oktanzahl von 95 kann über oder auch unter dieser Qualität liegen, was seine tatsächliche Klopffestigkeit anbelangt. Bei üblichen Tankstellenkraftstoffen, so die bisherige Erfahrung der Forscher, wichen die Qualitäten tendenziell nach oben hin ab.

Im weiteren Verlauf des insgesamt vierjährigen Projekts stellte das Forscherteam umfangreiche Messreihen auf. „Der anfängliche Verdacht der ungenauen Oktanzahlen bestätigte sich dabei zunehmend“, berichtet die THI in einer heute veröffentlichten Erklärung. „Durch eine systematische Analyse der wesentlichen Einflussgrößen war deutlich erkennbar: Oktanzahlen sind nicht der geeignetste Skalierungsmaßstab.“ Stattdessen, so die Forscher, könnte vielmehr das Verdichtungsverhältnis an der Klopfgrenze als Kenngröße dienen, die als „Gasoline Knock Index“ (GKI) bezeichnet werden soll. „Damit könnten sich die Verbraucher sicher sein, dass die angegebene Klopffestigkeit auch tatsächlich stimmt“, heißt es aus der THI.

Als nächster Schritt soll nun an einem anderen Standort in Deutschland ein baugleicher Prototyp des Prüfmotors aufgebaut werden, um Aussagen über die Verfahrenspräzision und Vergleichbarkeit treffen zu können. Damit wollen die Forscher prüfen, ob die Ergebnisse unabhängig von Standort und Bediener sind. Sollten sich die Ergebnisse weiter bestätigen, sei es möglich, an Raffinerien heranzutreten und einen Normungsprozess anzustoßen.


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