Logo
Anzeige
Anzeige

Gesamte Region ist FSME-Risiko-Gebiet, zudem droht Lyme-Borreliose. Gesundheitsamt erklärt Hintergründe, gibt wichtige Hinweise und Tipps zum Schutz.

(ty) Im Landkreis Pfaffenhofen sind im vergangen Jahr drei Fälle von Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) sowie 16 Fälle einer Lyme-Borreliose registriert worden – für beide Erkrankungen, deren Erreger von Zecken übertragen werden können, besteht im Freistaat eine Melde-Pflicht nach dem Infektions-Schutz-Gesetz. Auch der Kreis Pfaffenhofen zählt, wie fast der gesamte Freistaat, zu den vom Robert-Koch-Institut definierten FSME-Risiko-Gebieten – deshalb empfiehlt das hiesige Gesundheitsamt eine Impfung. Angesichts der bevorstehenden Zecken-Saison erläutert die Behörde die wichtigsten Hintergründe zum Thema, informiert über die Gefahren durch die kleinen Tierchen und gibt konkrete Hinweise dazu, wie man sich am besten schützen kann.

Der gemeine Holzbock

Mit dem Frühling beginn auch die Zecken-Zeit. "Ab acht Grad Celsius sind Zecken laut Robert-Koch-Institut (RKI) aktiv, insbesondere aber im Frühling und im Herbst", heißt es aus dem Pfaffenhofener Landratsamt. Theoretisch seien Zecken jedoch das ganze Jahr über zu finden. "Die in Deutschland am häufigsten vorkommende Zecken-Art ist der gemeine Holzbock. Diese Zecke kann Erreger wie Borrelien und FSME-Viren übertragen", erklärt Eleanor Keeton vom Gesundheitsamt in Pfaffenhofen.

Egal, ob im Garten, im Park oder irgendwo anders in der Natur – die Zecken lauern nach Behörden-Angaben bis zu maximal einem halben Meter über dem Boden auf Gräsern oder Sträuchern. Sie könnten weder springen noch fielen sie von Bäumen: "Sie warten einfach, bis sie an einem Menschen hängen bleiben", erklärt Keeton. "Dort suchen sie sich einen geschützten Ort für einen Stich aus – zum Beispiel hinter den Ohren, am Haaransatz, in der Achselhöhle, im Bauchnabel, in der Schamgegend oder in der Kniekehle."

Bakterien und Viren

In Deutschland sind laut aktueller Mitteilung der Pfaffenhofener Gesundheits-Behörde zwei Erkrankungen besonders relevant – "und vor diesen sollte man sich unbedingt schützen". Die Lyme-Borreliose trete bundesweit auf. Hierbei handele es sich beim Erreger im Gegensatz zur Frühsommer-Meningoenzephalitis (FSME) um eine Bakterien-Art. Die Erreger der FSME seien Viren, die derzeit hauptsächlich in Süddeutschland vertreten seien.

Für beide Erkrankungen bestehe in Bayern eine Melde-Pflicht nach dem Infektions-Schutz-Gesetz. "Im Landkreis Pfaffenhofen wurden im Jahr 2023 drei Fälle einer FSME sowie 16 Fälle einer Lyme-Borreliose gemeldet", berichtet Keeton. Die Dunkelziffer ist ihren Worten zufolge allerdings "vermutlich um ein Vielfaches höher".

FSME

Bei einer FSME-Infektion sind laut Gesundheitsamt asymptomatische Verläufe sehr häufig. "Nur in etwa zehn bis 30 Prozent der Fälle treten etwa nach zwei bis zehn Tagen grippe-ähnliche Symptome auf. Nach wenigen Tagen klingen die Symptome in den meisten Fällen ab." Nur bei wiederum fünf bis 15 Prozent der Patientinnen und Patienten komme es anschließend nach etwa sieben Tagen zur zweiten Krankheits-Phase mit Entzündungen des Gehirns, der Gehirnhäute und des Rückenmarks.

Die nun auftretenden Symptome wie Schwindel, Sprechstörungen oder Lähmungen von Armen, Beinen oder Gesichtsnerven könnten Wochen bis Monate andauern und zu bleibenden Behinderungen führen. Auch Todesfälle seien möglich. "Eine spezielle Therapie gibt es leider nicht", sagt Eleanor Keeton von Pfaffenhofener Gesundheitsamt. "Eine Behandlung kann in diesen Fällen nur symptomatisch erfolgen."

Lyme-Borreliose

Eine Lyme-Borreliose hingegen verlaufe in verschiedenen Stadien. Im Anfangs-Stadium sei häufig eine so genannte Wanderröte an der Einstichstelle zu finden. Diese sei durch eine sich von der Stichstelle ausbreitende, kreisförmige Rötung gekennzeichnet. In der Mitte sei eine Abblassung zu sehen. In späteren Stadien sei eine Neuroborreliose, gekennzeichnet durch eine große Bandbreite an neurologischen Symptomen bis hin zu Lähmungen und Entzündungen, aber auch eine Herz- und Gelenk-Beteiligung möglich. In den meisten Fällen führe eine rechtzeitige antibiotische Behandlung zu einer anhaltenden Besserung. Unbehandelt könne die Lyme-Borreliose zu andauernden Beschwerden führen.

Wie kann man sich schützen?

Wie kann man sich vor Zecken-Stichen und damit gegen die genannten Erkrankungen schützen? Keeton rät zum Tragen geschlossener, langer Kleidung in der freien Natur. Zudem könnten Abwehrmittel gegen Insekten sowohl auf die Haut als auch auf die Kleidung aufgetragen werden. Der Schutz hierdurch sei jedoch zeitlich begrenzt. "Meiden Sie hohes Gras und Dickicht, dann haben die kleinen Plagegeister wenig Chancen", rät die Amts-Ärztin. Grundsätzlich empfiehlt sie, nach einem Aufenthalt im Freien den Körper gezielt nach Zecken abzusuchen.

Vor allem bei Kindern seien Zecken oftmals im Kopfbereich zu finden. "Falls man eine Zecke entdeckt, sollte diese umgehend entfernt werden, indem man mit einer Pinzette oder alternativ mit dem Fingernagel möglichst nahe an der Hautoberfläche das Tier packt und vollständig herauszieht", heißt es aus dem Gesundheitsamt. "Nach dem Entfernen einer Zecke sollte die betroffene Hautstelle noch einige Zeit beobachtet werden, um eine auftretende Wanderröte nicht zu übersehen." Vorsicht gelte auch bei Hunden und Katzen. Diese könnten bei einem Spaziergang im Freien nämlich Zecken aufsammeln und diese mit in die Wohnung bringen.

Impfung gegen FSME

Gegen die FSME-Erkrankung sei ein Impfstoff verfügbar, erklärt die Pfaffenhofener Gesundheits-Behörde. Für eine Grundimmunisierung sind den Angaben zufolge drei Dosen des Impfstoffes erforderlich. Danach müsse der Impfschutz alle drei bis fünf Jahre aufgefrischt werden. "Da der Landkreis Pfaffenhofen als FSME-Risiko-Gebiet eingestuft ist, wird für die Bewohnerinnen und Bewohner eine solche Impfung empfohlen", so das Gesundheitsamt. Zugleich wird klargestellt: "Vor einer Lyme-Borreliose kann man sich aktuell nicht mittels Impfung schützen."

"Zecken werden möglicherweise aufgrund der Klima-Veränderungen in Zukunft den Winter noch besser überleben können", vermutet Keeton. "Wir müssen aber auch mit neuen Zecken-Arten und andere durch Zecken übertragbare Erkrankungen rechnen." Im Moment sei man durch eine Impfung gegen FSME, durch geeignete Kleidung und durch zecken-abwehrende Mittel sowie durch eine Kontrolle von Körper und Kleidung nach einem Aufenthalt im Grünen weitestgehend geschützt.

Weitere offizielle Informationen, auch zu den FSME-Risiko-Gebieten in ganz Deutschland, gibt es auf der Internet-Seite des Robert-Koch-Instituts unter diesem direkten Link.


Anzeige
RSS feed