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In zwei abschließenden Workshops im Vorfeld der Bewerbung des Landkreises für das Leader-Förderprogramm wurden mögliche Start-Projekte in den Bereichen Landwirtschaft und Wirtschaft diskutiert

(ty) Weitere ganz konkrete Projektideen, diesmal zur Stärkung der Landwirtschaft und zur Unterstützung der regionalen Wirtschaft, wurden in zwei Projekt-Workshops für die „Lokale Entwicklungsstrategie“ (LES) erarbeitet, mit der sich der Landkreis Pfaffenhofen für die Aufnahme in das europäische Leader-Förderprogramm bewerben will. „Ich freue mich, dass kurz vor der nächste Woche anstehenden Gründung des Regionalentwicklungsvereins „Lokale Aktionsgruppe Landkreis Pfaffenhofen an der Ilm“ sich auch beim fünften und sechsten Projektworkshop so viele interessierte und engagierte Bürger und Akteure im Landkreis beteiligen und über wichtige Startprojekte diskutieren“, so Landrat Martin Wolf (CSU) bei der Begrüßung der Teilnehmer. Startprojekte sollen schon im nächsten oder übernächsten Jahr über das Leader-Programm verwirklicht werden. Sie sollen helfen, die Bewerbung im Sinne einer Gesamtstrategie für die Region abzurunden.

Ökoflächen-Management

Damit der Siedlungs- und Flächendruck, der hier in den nächsten Jahren vermutlich anhalten wird, nicht zu Lasten der Landwirtschaft und des Naturschutzes ausfällt, wurde im Workshop zum Thema Landwirtschaft die „Installierung eines Ökoflächen-Managements“ vorgeschlagen, wie es bereits ähnlich in der Nachbarregion Donaumoos erfolgreich läuft. Die dortige Leader-Aktionsgruppe bietet sich deshalb als möglicher Kooperations- und Vernetzungspartner für das Projekt an, worauf Leader besonderen Wert legt. Mit der Abwicklung der Ausgleichsverpflichtungen solle eventuell das Kommunalunternehmen für Strukturentwicklung im Kreis Pfaffenhofen (KUS)  beauftragt werden, das im ersten Schritt als Projektträger zur Verfügung steht und dann später für den Vorhabensträger sämtliche Verpflichtungen übernehmen könnte, welche im Rahmen der Ausgleichs- und Ersatzmaßnahmen erforderlich sind. Auch eine ökologische Verbesserung der bestehenden Ausgleichsflächen wurde als wichtig bezeichnet sowie eine Vernetzung der meist relativ kleinen Flurstücke.

„Weg der Nahrung“

Um die Landwirtschaft wieder mehr ins Bewusstsein der Bevölkerung zu bringen und die Zusammenhänge zur Nahrungsmittelproduktion in der Region klar aufzuzeigen, soll ein „Weg der Nahrung“ angelegt werden, lautete eine weitere Idee. Thematisch unterschiedlich könnte dadurch der Anbau beziehungsweise die Produktion sowie die jeweiligen Produkte dargestellt und sinnlich erlebbar gemacht werden, etwa bei den Themen Milch (Kühe/Milchprodukte) und Hopfen (Hopfengarten/Biergarten) – oder direkt über das Gericht, zum Beispiel Schweinsbraten mit Zwiebel, Knoblauch, Kraut, Kartoffel und Schweinehaltung dargestellt werden. Auch Events wie Kochkurse oder ähnliche Veranstaltungen lassen sich dann gut mit diesen Wegen kombinieren, wurde ausgeführt.

„Energiespar-Label Hopfen“

Um eine innovative Weiterentwicklung des Hopfenanbaus als Alleinstellungsmerkmal der Region geht es einem „Energiespar-Label“, das speziell für Hopfen entwickelt und eingesetzt werden soll, um die Energiebilanz der landwirtschaftlichen Betriebe zu verbessern und entscheidende auch internationale Wettbewerbsvorteile erzielen, wurde eingebracht. Weitere mögliche Startprojekte sind der bereits aufgenommene Energieplan für den Landkreis, das Klimadorf in Kooperation mit der „Initiative Regionalmanagement Region Ingolstadt“ (Irma) und ein Energiespar-Gutscheinheft.

Eine kleine, aber engagierte Runde erörterte Leader-Projekte für die Wirtschaft

Netzwerk Kreativwirtschaft

Im Workshop zum Thema Wirtschaft wurde die hier ansässige Medien- und Kreativwirtschaft als neuer Aspekt aufgegriffen, was angesichts der eher ländlichen Prägung der Region auf den ersten Blick ein wenig überraschend wirkt. Doch eine kürzlich erfolgte Tagung zu genau diesem Thema habe bereits über 80 Teilnehmer zusammengebracht, konnte belegt werden. Auch schätze diese Berufsgruppe den „Spirit der Region“ und müsse dank Internetanschluss deshalb nicht unbedingt in die Großstadt ziehen, wurde ergänzt. Weil die meisten in dieser Branche jedoch freiberuflich arbeiten und somit von einer kontinuierlichen Auftragslage abhängig sind, wurde der Aufbau eines Netzwerks angeregt, das als Projektbörse für Aufträge fungieren kann und über das sich die Filmemacher, Designer, Gestalter & Co. auch gegenseitig empfehlen können.

Modular-Büro

Ein weiterer Aspekt betrifft die Veränderungen in der modernen Arbeitswelt, wo team- und projektorientierte Arbeitsformen zunehmen. Auch mögen Freiberufler nicht immer alleine arbeiten und suchen den Kontakt zu Gleichgesinnten, war die Meinung. Die Lösung könnte deshalb in einem „Modular-Büro“ liegen, wo Arbeitsplätze und Infrastruktur auf Tages-, Wochen- oder Monatsbasis zur Verfügung gestellt werden sowie gemeinsames Arbeiten möglich sind und Räume für Besprechungen gebucht werden können. Als mögliche Standorte führten für die Teilnehmer ein leerstehendes Schloss oder einen Ort mit Bahnanschluss ins Feld.

„Filmbüro“

Bei der nächsten Idee spielt die Nähe zu München eine Rolle, genauer der Norden von München. Denn aufgrund der Nähe zu den dortigen TV-Sendern und Filmstudios würde sich eine Zusammenstellung von möglichen „Locations“ in der Region lohnen, wurde erläutert. Gemeint sind damit besondere und ungewöhnliche Orte, Plätze oder Gebäude, die sich als Drehorte für Film und Fernsehen eignen. Das könne durchaus das Image verbessern und touristische Effekte bewirken, wurde ausgeführt und auf die „Schleppeffekte“ hingewiesen, die entstehen, wenn die Filmteams in der Region Geld für Essen, Trinken und Schlafen ausgeben. Neben der reinen Zusammenstellung der möglichen Location benötigen Filmteams weitere Basics und einen konkreten Ansprechpartner, weshalb die Idee zur Gründung eines „Filmbüros“ ins Spiel gebracht wurde.

„Fabrikationslabor – FabLab“

Zwei weitere Projektideen setzten auf die Kooperation mit der Irma. Um die ganzheitliche Bildung und das Netzwerk „MINTmacher“ auszubauen, mit der die Bildung in den Bereichen Mathematik, Informatik, Naturwissenschaften und Technik verbessert werden soll, wird überlegt, High-Tech-Werkstatten, so genannte FabLabs (Fabrikationslabore) in Ingolstadt und in den Irma-Landkreisen einzurichten. Solche Werkstätten können Produktionswissen und -technologien für Schüler und kleine Arbeitsgruppen verfügbar machen.

„Vier-Gärten-Verkaufsmobil“ und Schaubäckerei

Außerdem soll die Vermarktung der heimischen Lebensmittel, die über die Marke „Vier Gärten“ begonnen wurde, ausbaut werden. Hierfür wurde Verkaufsmobil vorgeschlagen, das weniger auf die Nahversorgung, sondern auf den Erlebniskauf setzt und die regionalen Produkte auf einer regelmäßigen Tour durch die Region anbietet. Um regionale Produkte dreht sich auch ein weiteres Projekt, das von einem größeren Bäckereiunternehmen eingebracht worden ist. Am neuen Standort in Pfaffenhofen sind ein Informationszentrum zur traditionellen Brotherstellung sowie eine Schaubäckerei und ein Bäckergarten geplant, wo das Brotbacken gezeigt und erlebt werden kann.

Noch ein Museum?

Als abschließende Idee wurde ein „Publishing-Museum“ genannt, das die Qualität der Typographie vermitteln soll, was angesichts der heutigen Computerzeit immer mehr verloren geht, lautete ein Hinweis. Das Museum ist ein lang gehegter Traum eines Zeitungsverlegers aus der Region.

In der Projektgruppe wurde von einigen Teilnehmern auch eine verstärkte Information und Öffentlichkeitsarbeit über die Leader-Fördermöglichkeiten speziell für Unternehmer (Fördersatz 25 Prozent) gewünscht. Am besten könnte diese Zielgruppe über eine persönliche Ansprache und Kontaktaufnahme erreicht werden, hieß es – um klarer zu vermitteln, was unternehmerisch bei Leader trotz geringerem Gesamtfördermittelvolumen möglich sei. Pro Leader-Region sind nach Angaben des Landratsamts von 2014 bis 2020 insgesamt eine Million Euro zugesagt; es könne aber noch mehr werden.


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