Logo
Anzeige
Anzeige

Vormals Klinik-Chef, jetzt Referent des Landrats, Beteiligungs-Manager des Landkreises – und als möglicher Landrats-Kandidat gehandelt: Christian Degen (38) im großen Interview.

(zel) Aus der Position des Kreisrechnungsprüfers am Pfaffenhofener Landratsamt wechselte er in die Geschäftsführung der hochdefizitären Ilmtalklinik-GmbH. Im vergangenen Jahr holte ihn Landrat Martin Wolf (CSU) zurück, wollte ihn als seinen persönlichen Referenten. Einige Monate lang verrichtete Christian Degen dann beide Tätigkeiten in Personalunion, zum Jahreswechsel endete seine Zeit als Krankenhaus-Chef. Nun ist der 38-Jährige die rechte Hand von Wolf und Beteiligungs-Manager des Landkreises. Mancher sieht ihn indes bereits als möglichen Landrats-Kandidaten. Was er selbst dazu sagt, wie er die Situation an der Klinik einschätzt, was ihn an seinen neuen Aufgaben reizt und was er über die Arbeit des Landrats denkt, das lesen Sie hier in einem ausführlichen Interview.

Herr Degen, seit Anfang des Jahres sind Sie nicht mehr einer der beiden Geschäftsführer der Ilmtalklinik-GmbH. Wie stand es denn um die beiden Krankenhäuser in Pfaffenhofen und Mainburg, als Sie sich verabschiedet haben?

Christian Degen: Die Ilmtalklinik ist auf einem guten Weg. Ein Sanierungs-Prozess braucht eine gewisse Zeit, wenn dieser sozialverträglich ablaufen soll. Alleine die vollständige Erfassung des Ist-Zustandes und die daraus abzuleitenden Maßnahmen nebst Priorisierung unter starken wirtschaftlichen Zwängen sind bei einem so komplexen Gebilde nicht einfach. Außerdem darf man die Organisation nicht überfordern und man muss die Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter einbeziehen und wertschätzen. Wir haben in vielen Bereichen Fortschritte erzielen können, sind jedoch noch nicht da, wo wir hinwollen.

 

In Zahlen haben sich die Bemühungen nicht so niedergeschlagen, wie sich das viele erhofften. Die Klinik-GmbH steckt weiter in den tiefroten Zahlen. War man laut Wirtschaftsplan für vergangenes Jahr von einem Minus in Höhe von 3,99 Millionen Euro ausgegangen, ist nach jüngstem Stand mit einem Defizit von 4,8 Millionen Euro zu rechnen. Während man inzwischen angeblich die Kosten-Seite einigermaßen im Griff hat, blieben die Einnahmen massiv hinter den Erwartungen. Wo hakte es? Lag es allein an der langen Vakanz einer Chefarzt-Stelle?

Degen: Die Erlös-Situation einzig auf die Vakanz der Chefarzt-Stelle der Allgemein- und Viszeral-Chirurgie zu schieben, wäre zu kurzsichtig. Wir sind auch in anderen Bereichen hinter den Erwartungen zurückgeblieben. Wieder in anderen Bereichen liegen wir dagegen deutlich über Plan. Fakt ist aber auch, dass wir die Ziele in der Allgemein- und Viszeral-Chirurgie verfehlt haben und dies auch eine Auswirkung der nicht wie erwartet besetzten Personalstärke ist. Insgesamt sollten wir in der Öffentlichkeit davon wegkommen, welcher Fachbereich gut und schlecht performt. Wir sollten die Klinik als großes Ganzes sehen, um interne Konflikt-Situationen zu vermeiden. Über das Abschneiden der einzelnen Fachbereiche wird ausführlich an die Geschäftsführung und den Aufsichtsrat berichtet. Die notwendigen Maßnahmen sollten auch von diesen Gremien eingeleitet und eingefordert werden.

Eine im Sommer 2016 vom renommierten Beratungs-Unternehmen "Ernst & Young" vorgelegte Expertise war zu der Einschätzung gelangt, dass es an der Klinik-GmbH mit ihren beiden Standorten ein beachtliches finanzielles Potenzial zu heben gibt. Demnach – so hieß es damals – ließe sich das Ergebnis aus dem laufenden Betrieb bis zum Jahr 2019 schrittweise um 4,1 Millionen Euro per anno verbessern. Die beiden Kliniken würden demnach zusammen nur mehr ungefähr eine Million Euro pro Jahr Minus machen. Allerdings rechnet man für heuer tatsächlich mit einem Defizit von 4,1 Millionen Euro. Woran liegt diese enorme Diskrepanz?

Degen: Die Umsetzung des Gutachtens ist in einigen Bereichen vollständig geschehen, in anderen hinkt man noch etwas hinterher. Die Erkenntnisse aus dem Gutachten gewann man aus den Zahlen des Jahres 2015, insbesondere aus den Leistungszahlen. Wenn sich diese Zahlen während eines Zeitraums von drei Jahren ändern, so müssen auch die Maßnahmen angepasst werden. Einen wesentlichen Einfluss auf die Leistungs-Entwicklung hat das so genannte DRG-System. Vereinfacht ausgedrückt kann man sagen, dass man für eine bestimmte Diagnose einen bestimmten Betrag bekommt. Dieser Betrag variiert jährlich. So kann es sein, dass man bei einem Patienten mit derselben Erkrankung im Jahr 2016 noch 3500 Euro für seinen Aufenthalt im Krankenhaus von der Krankenkasse erhalten hat, im Jahr darauf auf Grund des so genannten Katalogeffekts jedoch nur noch 3000 Euro. Der ärztliche und pflegerische Aufwand bleibt jedoch in der Regel gleich, nur dass die Personalkosten auf Grund der Tarif-Steigerungen höher sind und somit die Aufwandsseite belasten. Dies ist ein Ausfluss unseres Gesundheits-Systems, auf das es permanent zu reagieren gilt. Dies ist insgesamt keine gute Entwicklung, der wir aber ausgeliefert sind.

 

Nun steht ja, mit einiger Verzögerung, die Sanierung des Pfaffenhofener Krankenhauses bevor. Sie waren an den neu aufgelegten Planungen federführend beteiligt. Inzwischen gibt es eine neue Marschroute, was Kosten, Umgriff und Dauer betrifft. Was sind für Sie die wichtigsten Eckpunkte dieses Mega-Projekts?

Degen: Der wichtigste Eckpunkt ist die Zwischenlösung mit dem Modulbau. Dieser ermöglicht es uns, einzelne Bereiche – Stationen, Praxen, Funktionen – in diesen zusätzlichen Modulbau auszulagern, sodass während der Auslagerung der frei werdende Bereich ohne Beeinträchtigung der täglichen Abläufe saniert werden kann und damit Patienten und Personal nur minimal eingeschränkt werden. Auch der geplante Anbau des OP-Bereichs und der Intensivstation ermöglicht bis zu deren Fertigstellung einen störungsfreien Weiterbetrieb dieser Funktionen. Nach Fertigstellung kann ein Umzug in die neuen Räumlichkeiten erfolgen und der Betrieb ohne Unterbrechung weitergehen. 

Die Klinik immer noch täglich im Blick: Im Büro von Christian Degen hängt ein großes Foto vom Pfaffenhofener Krankenhaus. Als Beteiligungs-Manager des Landkreises wird ihn die Ilmtalklinik-GmbH auch weiterhin intensiv beschäftigen.

 

Waren Sie zuletzt sozusagen nebenbei noch Klinik-Chef, sind sie seit diesem Jahr ausschließlich persönlicher Referent des Landrats und Beteiligungs-Manager des Landkreises. Was gehört alles zu Ihren Aufgaben?

Degen: Meine jetzige Stelle ist eine Kombination aus persönlicher Referent des Landrats und Beteiligungs-Manager. Als Beteiligungs-Manager kümmert man sich um die ordnungsgemäße Verwaltung der Beteiligungen und Mitgliedschaften des Landkreises und unterstützt den Landrat in der Sitzungs-Vorbereitung und -Durchführung in dessen jeweiliger Funktion als Gremiums-Mitglied. Landrat Martin Wolf ist zum Beispiel Aufsichtsrats-Vorsitzender, Zweckverbands-Vorsitzender, Gesellschafts-Vertreter oder so genanntes einfaches Mitglied eines Organs, zum Beispiel in einer Mitgliederversammlung eines Vereins. Als Referent des Landrats bin ich mit der Vorbereitung des Tagesgeschäfts des Landrats vertraut und unterstütze ihn bei der Umsetzung der politischen und verwaltungsmäßigen Agenda.

 

Ist das spannender, als Klinik-Geschäftsführer zu sein?

Degen: Jede der beiden Aufgaben hat ihren Reiz und bringt eine gewisse Spannung mit sich. Als Klinik-Geschäftsführer kümmert man sich intensiv um eine der bedeutendsten Beteiligungen des Landkreises Pfaffenhofen, sowohl aus gesellschaftlichen als auch politischen Gesichtspunkten. Die Krankenhäuser stehen fast tagtäglich im medialen Fokus und rufen bei Patienten und Angehörigen starke Emotionen hervor, mit denen es sorgsam umzugehen gilt, da es stets um gesundheitliche Belange und damit um das höchste Gut der Menschen geht. Hier ist es die Kunst, eine Balance zwischen Patienten-Zufriedenheit, Mitarbeiter-Zufriedenheit und letztlich wirtschaftlichen Gesichtspunkten zu finden. Als Beteiligungs-Manager versucht man dagegen, die Beteiligungen des Landkreises strategisch für die Zukunft erfolgsbringend für die Landkreis-Bürger mitzugestalten und dabei die politische Willensbildung der Landkreis-Politik konsequent umzusetzen.

Vorher waren Sie neben Ingo Goldammer der Boss von zwei Krankenhäusern. Da klingt Referent des Landrats nicht gerade wie eine Verbesserung.

Degen: In der hierarchischen Struktur sehe ich da keinen Unterschied. Vorher war Herr Wolf in seiner Funktion als Aufsichtsrats-Vorsitzender der Ilmtalklinik-GmbH zusammen mit dem Aufsichtsrat mein Kontroll-Organ, nunmehr ist der Landrat in seiner ureigenen Funktion als Landkreis-Chef mein unmittelbarer Ansprechpartner.

 

Sie hatten ja schon vor Ihrer Zeit als Klinik-Chef eine wichtige Aufgabe am Landratsamt, waren Kreisrechnungsprüfer. Nun sind sie an die Behörde zurückgekehrt und sitzen mit an den Hebeln in der organisatorischen, planerischen und landkreis-politischen Schalt-Zentrale. Was reizt Sie an dieser neuen Tätigkeit?

Degen: Eben die Möglichkeit und Chance, an den Hebeln der organisatorischen, planerischen und landkreis-politischen Schalt-Zentrale im Rahmen meiner Möglichkeiten mitzuwirken. 

 

Verstehen Sie sich auch als politischer Berater des Landrats?

Degen: Als politischer Berater würde ich mich nicht verstehen. Ich versuche jedoch, die politische Stimmung, soweit ich sie wahrnehmen kann, an den Landrat weiterzugeben. 

Herr Degen, vervollständigen Sie bitte folgende Sätze! Als Landrat Martin Wolf mich damals gefragt hat, ob ich sein persönlicher Referent werden möchte...

Degen: ...war ich zunächst sehr überrascht, da ich zu diesem Zeitpunkt überhaupt nicht damit gerechnet hatte, und erbat mir eine Bedenkzeit, die ich für Gespräche mit vertrauten Personen genutzt habe. Dann habe ich zugesagt.

 

An der Arbeit eines Landrats, die ich ja nun hautnah mitbekomme, wird wohl von Außenstehenden am meisten unterschätzt, dass...

Degen: ... sich die Arbeit eben nicht lediglich auf dem Schreibtisch im Landratsamt abspielt und nur um das Landratsamt dreht. Die regionale und überregionale Vernetzung gewinnt zunehmend an Bedeutung und auch die Erwartungshaltung der Bürger an einen Landrat wird größer. Auch die kommunal-politische Arbeit erfordert eine gute Netzwerk-Arbeit und eine enge Abstimmung, um die Willensbildung der einzelnen Bürgerinnen und Bürger sowie Parteien und Wähler-Vereinigungen angemessen berücksichtigen zu können. Sie können sich vorstellen: Wird nicht langweilig.

 

Die größte Herausforderung im Kreis Pfaffenhofen ist...

Degen: ...die richtige Balance zu finden zwischen boomendem Wirtschafts-Standort mit florierendem Steuer-Aufkommen und einem damit einhergehenden Einwohner-Zuwachs, der zum einen viel Flächenverbrauch und die Probleme von bezahlbarem Wohnraum mit sich bringt. Steigende Preise für Immobilien und Mieten, der zunehmende Individual- und Güterverkehr und der spürbare Klimawandel machen ja auch vor den Kommunen nicht Halt. Das spürt jeder. Man denkt nach, man ärgert sich, man diskutiert darüber. Also müssen sich auch die Verantwortlichen damit befassen.

 

Im Boom-Landkreis Pfaffenhofen wird es künftig vor allem wichtig sein...

Degen: ...den Ausgleich zwischen dem wirtschaftlichen Wachstum und einer gesellschafts-verträglichen und sozial-verträglichen Struktur zu finden. Unser Aufgabe ist es, den Landkreis ökonomisch, aber auch ökologisch und sozial weiter zu entwickeln, dass man hier auch in 20 Jahren noch gut und gerne leben kann.

 

Die Folgen der fortschreitenden Digitalisierung...

Degen: ... können sich heute wohl nur wenige ausmalen. Wir müssen uns den Herausforderungen der Digitalisierung stellen und diese aktiv begleiten – dürfen jedoch nicht vergessen, dass diese auch Gefahren birgt. Wir werden damit eine neue Form des Wirtschaftens erleben.

 

Mein liebster Platz in der Region ist...

Degen: ...da gibt es sehr viele, sodass ich gar keinen speziellen herausheben würde. Ich sage: Heimat ist da, wo 's Herz ist – und das ist für mich auf jeden Fall im Landkreis Pfaffenhofen.

 

Im kommenden Jahr bekommt der Kreis Pfaffenhofen einen neuen Landrat – und Sie damit einen neuen Chef. Wobei Sie ja auch selbst als potenzieller Landrats-Kandidat gehandelt werden. Was sagen Sie dazu?

Degen: Für die Parteien und Wähler-Gruppierung ist die Frage der Nachfolge eine spannende Frage. Das Ergebnis der Wahl 2020 wird die künftige kommunal-politische Arbeit im Landkreis entscheidend prägen. Ich freue mich über die Wertschätzung meiner Person und meiner Arbeit. Sie werden verstehen, dass ich mich als Referent des Landrats an Spekulationen zu dessen Nachfolge nicht beteiligen kann. Das gebietet der Respekt vor dem Amt. 

*

Christian Degen, 38 Jahre alt, ist Diplom-Verwaltungswirt und Verwaltungs-Betriebswirt. Er wohnt in Tegernbach, ist liiert und hat zwei Kinder. Als größtes Hobby nennt er Sport.


Anzeige
RSS feed