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Landkreis will 51 Prozent abgeben. Krankenhaus "wäre allein nicht überlebensfähig", zudem seien die hohen Defizite für den Kreis "auf Dauer nicht zu stemmen".

(ty) Der Kreis Kelheim und der Diözesan-Caritas-Verband Regensburg haben ihre Gespräche hinsichtlich einer strategischen Partnerschaft bezüglich der Goldberg-Klinik in Kelheim und des Caritas-Krankenhauses "St. Josef" in Regensburg "erfolgreich abgeschlossen". Das wurde aus dem Kelheimer Landratsamt mitgeteilt. Den Angaben zufolge soll der Diözesan-Caritas-Verband 51 Prozent der Goldberg-Klinik-GmbH übernehmen; der Kreis Kelheim soll 49 Prozent behalten sowie Eigentümer von Grundstück und Krankenhaus-Gebäude bleiben. Die Kelheimer Klinik soll künftig "Caritas-Krankenhaus St. Lukas" heißen. Das Krankenhaus "wäre allein nicht überlebensfähig", heißt es in einem Schreiben an die Mitarbeiter. Zudem seien "die hohen Defizite für den Landkreis auf Dauer nicht zu stemmen". Der Kelheimer Kreistag muss der Kooperation noch zustimmen.

"Über den Aufsichtsrat, dessen Sitze sich beide Kooperations-Partner je zur Hälfte teilen, werden auch zukünftig Informationsfluss und Einblick in die Geschehnisse der Klinik gesichert", heißt es aus Sicht des Kreises Kelheim aus dem Landratsamt zur geplanten neuen Struktur. Der künftige Aufsichtsrats-Vorsitz soll demnach aber beim Diözesan-Caritas-Verband Regensburg liegen.

Das Kelheimer Krankenhaus, so die Landkreis-Behörde weiter, "bleibt dabei weiterhin eigenständig und wird wie bisher als Grund- und Regelversorger der örtlichen Bevölkerung aufrechterhalten". Betont wird außerdem: "Die Partnerschaft sieht zudem keinen Stellen-Abbau, sondern einen Stellen-Aufbau vor. Hierfür soll die Klinik ihr Leistungs-Angebot erweitern."

Noch muss die Rede von einer geplanten Kooperation sein. Denn die politische Entscheidung darüber steht noch aus. Sie soll laut aktueller Mitteilung des Landratsamts aber bereits am 18. Januar im Kelheimer Kreistag fallen. Die tatsächliche Umsetzung könnte anschließend mit einem zeitnahen Notar-Termin beginnen, in dessen Rahmen die Verträge formal unterzeichnet würden.

"Die Partnerschaft mit dem Caritas-Verband stellt eine großartige Chance für die Gesundheits-Versorgung der Bevölkerung dar. Gemeinsam können wir die stationäre medizinische Versorgung vor Ort dauerhaft sicherstellen", kommentierte der Kelheimer Landrat Martin Neumeyer (CSU). "Auch das vorherrschende jährliche Defizit in Höhe von mittlerweile über sechs Millionen Euro können wir hier deutlich senken."

Der Regensburger Diözesan-Caritas-Direktor Michael Weißmann erklärte: "Unsere Krankenhäuser teilen gemeinsame Werte. Aus dieser Verbundenheit heraus sehen wir unsere Verantwortung auch darin, öffentlich-soziale Interessen einer bestmöglichen Gesundheits-Versorgung mit wirtschaftlicher Stärke zu verbinden. Wir freuen uns den Weg hier gemeinsam beschreiten zu können."

In einem von Neumeyer und Weißmann unterzeichneten Schreiben an die Klinik-Mitarbeiter, das unserer Redaktion vorliegt, werden die Eckpunkte der anvisierten Kooperation noch detaillierter beschrieben. Wir zitieren nachfolgend die wichtigsten Passagen.

♦ "Ziel der strategischen Partnerschaft ist es, die Kräfte und Synergien zu bündeln, um eine wohnortnahe Versorgung zu sichern, aber auch um zu einer qualitativ besseren Versorgung für die Region zu kommen. Auf diese Weise entstehen langfristig sichere, attraktive Arbeitsplätze."

♦ "Um den hierfür benötigten Rahmen zu schaffen, wird sich der Diözesan-Caritas-Verband Regensburg an der Goldberg-Klinik GmbH beteiligen und 51 Prozent der Anteile übernehmen. Der Landkreis Kelheim behält die weiteren 49 Prozent und bleibt alleiniger Eigentümer des Klinikgebäudes und der Grundstücke. Die Goldberg-Klinik soll als sichtbares Zeichen der Partnerschaft und Aufbruch in die Zukunft zukünftig den Namen 'Caritas Krankenhaus St. Lukas' tragen."

♦ "Beide Kliniken bleiben eigenständig bestehen. Gewinne werden nicht abgeschöpft, sondern am jeweiligen Klinik-Standort reinvestiert."

♦ "Durch den Zusammenschluss in der strategischen Partnerschaft und neue Angebote kann die wirtschaftliche Situation in Kelheim verbessert werden. Aktuelle Prognosen zeigen, dass ein wirtschaftlicher Turnaround der Goldberg-Klinik aufgrund der bundespolitischen Vorgaben alleine und aus eigener Kraft nicht erreichbar sein wird. Die Klinik wäre allein nicht überlebensfähig. Zudem sind die hohen Defizite für den Landkreis auf Dauer nicht zu stemmen. Durch die strategische Partnerschaft öffnen sich neue Perspektiven."

 

♦ "Im Mittelpunkt der Kooperation steht die Erweiterung beziehungsweise Schaffung neuer Angebote: Zu diesem Zweck wird die Grund- und Regelversorgung in Kelheim einerseits bedarfsgerecht fortgeführt, andererseits die Prozesse in der Patientensteuerung verbessert, zum Beispiel für die Innere Medizin und die Chirurgie. Mit geriatrischen sowie zusätzlichen operativen Angeboten wird auf steigende Versorgungs-Bedarfe reagiert."

♦ "Durch neue beziehungsweise erweiterte Leistungs-Angebote wird der Personal-Bedarf in Kelheim wachsen. Hiervon profitieren nicht allein langjährige Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter, die wir weiterhin am Standort Kelheim halten wollen, sondern auch unser beruflicher Nachwuchs."

♦ "Ein praktischer Schwerpunkt der Kooperation ist es, Synergie-Effekte aufzudecken und Kooperations-Möglichkeiten zu nutzen. Die Mitarbeitenden bleiben weiterhin in ihren Häusern beschäftigt."

 

♦ "Die Sicherstellung der Gesundheits-Versorgung der Bevölkerung vor Ort ist nur durch gemeinsames Engagement möglich. Daher bildet eine gute lokale Vernetzung und eine vertrauensvolle Zusammenarbeit zu niedergelassenen Ärztinnen und Ärzten der Region eine wichtige Säule in der Kooperation."

♦ "Über den Aufsichtsrat, dessen zwölf Sitze sich beide Partner je zur Hälfte teilen, werden auch zukünftig Informationsfluss und Einblick des Landkreises in die Geschehnisse der Goldberg-Klinik gesichert. Der Vorsitz im Aufsichtsrat liegt beim Diözesan-Caritas-Verband Regensburg. Die strategische Partnerschaft ist langfristig angelegt. Nach zehn Jahren verhandeln die Kooperations-Partner erneut, ob gegebenenfalls Anpassungen erforderlich sind."

Weitere "Klinik-Baustelle" in Mainburg

Durch die anvisierte Kooperation mit dem Diözesan-Caritas-Verband Regensburg und dabei vor allem durch die Abgabe von 51 Prozent an der Kelheimer Goldbergklinik-GmbH will der Kreis Kelheim offenbar nicht nur den Klinik-Standort Kelheim sichern, sondern auch seinen jährlichen Defizit-Ausgleich maßgeblich verringern. Denn der Landkreis wird ja regelmäßig auch noch für das Krankenhaus in Mainburg nicht unerheblich zur Kasse gebeten. Zum einen, was Sanierungs-Maßnahmen angeht. Zum anderen, was den alljährlichen Ausgleich des Defizits aus dem laufenden Betrieb der Ilmtalklinik-GmbH angeht, unter deren Dach die Krankenhäuser in Pfaffenhofen und Mainburg bekanntlich firmieren.

Das Minus aus dem operativen Geschäft der Ilmtalklinik-GmbH haben bekanntlich die beiden Gesellschafter, der Landkreis Pfaffenhofen (bislang 85 Prozent) und der Landkreis Kelheim (bislang 15 Prozent), alljährlich entsprechend ihrer Anteile zu decken. Für das vergangene Jahr steht nach jüngsten Prognosen ein Rekord-Defizit in Höhe von fast zehn Millionen Euro zu befürchten. Lesen Sie dazu auch: Ilmtalklinik-GmbH droht Rekord-Defizit

Allerdings ist – wie berichtet – rückwirkend zum Anfang des vergangenen Jahres eine Änderung bei der Aufteilung der Gesellschafter-Anteile geplant. Der Pfaffenhofener Kreistag und der Kelheimer Kreistag haben dazu bereits grünes Licht gegeben; nun steht noch die formale Umsetzung an. Ist diese unter Dach und Fach, dann ändert sich die Verteilung von 85:15 auf 73:27 – und entsprechend auch die Defizit-Übernahme. Die nachhaltige Verringerung des Defizits der Ilmtalklinik-GmbH soll unter veränderter Geschäftsführung und mit einem neuen Konzept gelingen; wir berichteten: Endlich raus aus der Defizit-Spirale? Neues Konzept für die Ilmtalkliniken


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