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Der Augsburger Bischof Meier unterstrich zum Auftakt den hohen Wert der christlichen Gastfreundschaft, die der Bistums-Patron vorgelegt habe.

(pba) Beim Pontifikalamt zum Hochfest des Heiligen Ulrich hat der Augsburger Bischof Bertram Meier am heutigen Montag den hohen christlichen Wert der Gastfreundschaft betont, die gerade der Patron des Bistums Augsburg – zu dem auch Teile des Landkreises Pfaffenhofen gehören – exemplarisch vorgelebt habe: "Die Tür steht offen, das Herz noch mehr." Mit dem heutigen Festgottesdienst und der Pontifikal-Vesper am gestrigen Abend eröffnete der Bischof die diesjährige Ulrichs-Woche in Augsburg. Sie endet am kommenden Sonntag, 10. Juli, mit der feierlichen Reponierung des Ulrichs-Schreins.

Bereits in den Evangelien seien Einladungen zu Festen und gelebte Gastfreundschaft ein immer wiederkehrendes Motiv, so der Bischof in seiner Predigt. Jesus sei oft eingeladen worden und habe diese Einladungen auch gerne angenommen beziehungsweise habe sich sogar selbst eingeladen in dem Bewusstsein, damit am besten auf die Menschen zugehen zu können. Auch die sonntägliche Eucharistie sei eine Einladung, mit Jesus Mahl zu halten, so Bischof Meier. Dabei sei Jesus Gastgeber und Gast zugleich: "Es zeigt sich: Wer mit Jesus an einem Tisch sitzt, wird ein neuer Mensch." Die historische Überlieferung des Ulrichs-Biographen und Dompropsts Gerhard von Augsburg bezeuge, dass der Bistums-Patron ebenfalls die Empfehlung Jesu, die Armen, Kranken und Einsamen einzuladen, ernst genommen habe.

Gerhard, der mit dem langjährigen Bischof von Augsburg lange eng zusammengearbeitet hatte, schrieb etwa 20 Jahre nach Ulrichs Tod, dass dieser jeden Tag Essen und Trinken an die Armen verteilt, Verwundete und Kriegs-Invalide aber sogar regelmäßig zu sich nach Hause eingeladen und mit ihnen gespeist habe: "Gerade die, die am schlimmsten dran waren, hat Ulrich in seine Nähe geholt – in sua praesentia, wie es ausdrücklich heißt. Ist das nicht ein sehr ermutigendes Vorbild?" Die von Christus und dem Heiligen Ulrich vorgelebte Gastfreundschaft sei in mehrerlei Hinsicht ein Vorbild für heutige Christen und schließe nicht nur Empathie und Unterstützung für die Armen und Schwachen der Gesellschaft ein, sondern auch die Bereitschaft, Feste als besondere Momente im Alltag der Menschen zu planen und dazu einzuladen.

Dieser Gedanke sei auch Anstoß für das Ulrichs-Jubiläums-Jahr 2023/24 gewesen, in dem mit 1100 Jahren Bischofsweihe und dem 1050. Todestag gleich zwei Jubiläen gemeinsam gefeiert werden. "Tun Sie sich zusammen, überlegen Sie, wie Sie die frohe Botschaft unter die Leute bringen können", appellierte Bischof Meier an die Gläubigen. Dies gelte auch ökumenisch und "zusammen mit denen, die bei uns zu Gast sind". Der Bischof führte dazu weiter aus: "Geben wir möglichst vielen Geflüchteten das Gefühl, dass sie bei uns willkommen sind und wir ihnen gerne Gastfreundschaft gewähren, weil wir wissen, dass wir alle Kinder eines Vaters sind."

Zuletzt lud Bischof Meier noch zu einem alten Brauch ein. Über Jahrhunderte hinweg sei in der so genannten Ulrichs-Minne bezeugt gewesen, dass die Gläubigen am Festtag des Heiligen Ulrich aus dem Ulrichs-Kelch Wein trinken konnten. In Anlehnung an diese zeitweise verloren gegangene Tradition segnete der Bischof am Ende des live bei K-TV übertragenen Gottesdienstes Wein und ließ ihn an die Gottesdienst-Besucher verteilen: "Trinket die Güte des Heiligen Ulrich, unseres mächtigen Fürsprechers bei Gott", proklamierte das Bistums-Oberhaupt. "Sein Leben der Gastfreundschaft sei uns Ermutigung und Zuspruch! Prosit, Sancte Udalrice! Amen."

In der Pontifikal-Vesper am Vorabend bezog sich der Bischof auf das Leitwort der Ulrichs-Woche: "In Christus verwurzelt, im Glauben gegründet." Dabei handele es sich um ein Wort aus dem Kolosser-Brief, geschrieben als Mahnung in einer Zeit, in der bei den Menschen in Kolossä in Kleinasien der Glaube an Jesus Christus schon wieder zu verschwinden drohte. Im Rahmen der Vesper wurde auch der Schrein mit den Gebeinen des Heiligen Ulrich feierlich erhoben und damit die diesjährige Ulrichs-Woche eröffnet. Sie endet am nächsten Sonntag, 10. Juli, mit der feierlichen Reponierung des Ulrichs-Schreins. Unter www.ulrichswoche.de gibt es einen ausführlichen Überblick über alle Gottesdienste und sonstigen Veranstaltungen.

"Die Not der Christen in Kolossä ist auch unsere Not. Die Erinnerung an Jesus Christus scheint immer mehr zu verblassen, – auch unter den Getauften", sagte Bischof Meier. Der Schlüssel zu Christus, sei ihm zu begegnen, ihn zu suchen, sich von ihm finden zu lassen. "Das Wissen über Jesus, das Abspulen von Glaubens-Sätzen, der Vollzug von liturgischen Ritualen, das Aufsagen von Gebeten – das alles ist gut, doch kann es nicht verhindern, dass unsere Erinnerung an Jesus verblasst." Entscheidend sei die immer neue Begegnung mit ihm. Ohne Begegnung sterbe jede Beziehung. "Die Begegnung mit ihm macht glücklich, schenkt Hoffnung, heilt und gibt unserem Leben Sinn." Bei allem Tun aber, mahnte der Bischof, der – wie berichtet – erst zwei Tage zuvor im Vatikan von Papst Franziskus empfangen worden war, solle man sich an den Papst halten: "Los von Rom", so Meier, "gibt es keine katholische Reform."

Zum Hintergrund:

Audienz beim Heiligen Vater

Das Motto lautet: "In Christus verwurzelt, im Glauben gegründet"

Kompositions-Wettbewerb: Bistum Augsburg sucht nach Ulrichs-Messe


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