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Spezialisierungen sollen helfen: Wie Marcel John, der Geschäftsführer der Ilmtalklinik-GmbH, die Krankenhäuser von Pfaffenhofen und Mainburg fit für die Zukunft machen und aus den tiefroten Zahlen führen will

Audio-Podcast: Interview mit Marcel John zur neuen medizinischen Strategie

Von Tobias Zell

Ein langer Weg wird es, sagt Geschäftsführer Marcel John, bis die „Agenda 2020“ abgeschlossen ist, die er der Ilmtalklinik GmbH verordnet hat. Doch das habe auch seinen Grund. Viele Änderungen soll es nämlich an den Krankenhäusern Pfaffenhofen und Mainburg geben. Zum einen solle die Integration beider Standorte noch intensiver gelebt werden, um daraus Synergien in der Zusammenarbeit zu schaffen und ein gemeinsames Gefühl in der Belegschaft zu erzeugen. Zum anderen – und das ist der richtungsweisende Knackpunkt – lautet die klare Strategie für die Zukunft: breite Grund- und Regelversorgung plus ausgewählte Spezialisierungen. Denn wie John erklärt, werde das bisherige Leistungsspektrum fortgeführt und zudem in einigen, wohl gewählten Bereichen deutlich erweitert. Mit diesem Kurs will sich die Ilmtalklinik GmbH klar positionieren und im Wettbewerb bestehen. Geschäftsführer John hat bei einem Pressegespräch die medizinische Strategie – die Agenda 2020 – vorstellt, mit der er die beiden Krankenhäuser in eine gesunde Zukunft führen will.

Unter dem neuen Geschäftsführer, der im Mai vergangenen Jahres das Ruder übernommen hat, zeigen sich auch bereits erste Erfolge, die sich in Zahlen messen lassen: Die Ilmtalklinik GmbH mit seinen beiden Standorten in Pfaffenhofen und Mainburg hat das vergangene Jahr deutlich besser abgeschlossen als erwartet. Im Wirtschaftsplan war noch von einem Verlust in Höhe von 3,9 Millionen Euro ausgegangen worden – doch wie John jetzt mitteilte, wurde das operative Geschäft mit einem Defizit von 3,36 Millionen Euro abgeschlossen. Damit fällt das Minus, das die Landkreise Pfaffenhofen und Kelheim aufzufangen haben, über 500 000 Euro geringer aus als erwartet. Das ist bemerkenswert.

Zwar hatte John bereits im Oktober signalisiert, dass der Verlust der Klinik GmbH im Jahr 2014 weniger als die im Wirtschaftsplan vorgesehenen 3,9 Millionen Euro betragen werde. Doch zu diesem Zeitpunkt prognostizierte er selbst noch ein Minus von 3,75 Millionen Euro – das tatsächliche Defizit liegt nun mit 3,36 Millionen Euro noch einmal ein gutes Stück darunter. Für das soeben begonnene Jahr geht John von einer weiteren Reduzierung des Defizits auf geplante rund drei Millionen Euro aus.

Die Mainburger Klinik.

Zu erklären ist diese positive Entwicklung zum einen mit einer deutlichen Steigerung der Fallzahlen in der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres, wie John sagt. Zum anderen wirken sich die von ihm eingeleiteten Maßnahmen zur finanziellen Stabilisierung und zur Umstrukturierung bereits aus. John war ja als Nachfolger für den fristlos gekündigten Marco Woedl engagiert worden, um den Bestand der Kliniken zu sichern, sie fit für die Zukunft zu machen, die entsprechenden Weichen zu stellen, sie umzustrukturieren sowie das Defizit zu begrenzen.

John wurde also, und das ist kein Geheimnis, mit einem klaren Auftrag engagiert: Der Reorganisation. Seither habe er mit seinem Team „intensiv gearbeitet“, wie er sagt. In der zweiten Hälfte des vergangenen Jahres sei eine fundierte und ausführliche Analyse erfolgt. Einige der grundlegenden Erkenntnisse: Die Landkreise Pfaffenhofen und Kelheim gehören zu den größten Zuwachs-Regionen in Bayern. Der demografische Wandel sorgt dafür, dass der Anteil älterer Menschen im Einzugsgebiet der Kliniken deutlich zunimmt; der so genannte Altersquotient (das Verhältnis der Zahl der Menschen im Alter von mindestens 65 Jahren zur Zahl der Erwerbstätigen) steigt demnach im Landkreis Pfaffenhofen auf rund 45 und im Kreis Kelheim auf rund 48 Prozent. Und bis zum Jahr 2030 erhöhen sich die Fallzahlen in den Kliniken bundesweit auf zirka 20 Millionen pro Jahr; wesentlicher Treiber seien dabei der medizinische Fortschritt und die altersdemografische Entwicklung.

Das alles hat Folgen für die Krankenhäuser, wie John erläuterte: Zwei von drei Krankenhaus-Betten werden künftig von Patienten ab 60 Jahren belegt sein. Im Bereich der stationären Behandlung werden vor allem Erkrankungen des Herz-Kreislauf-Systems deutlich zunehmen. Ebenfalls sei im Bereich Neurologie ein steigender Bedarf erkennbar. Im Bereich Geburtshilfe und Frauenheilkunde werden dagegen sinkende Fallzahlen erwartet.

Die Folie aus der Präsentation von John fasst die Kriterien zur Definition der künftigen Leistungsschwerpunkte zusammen.

All diese Prognosen gilt es freilich zu berücksichtigen, wenn eine Strategie für die Zukunft der Ilmtalklinik GmbH erarbeitet werden soll. Außerdem zeigte eine Fallpotenzial-Analyse, in welchen medizinischen Bereichen grundsätzlich überhaupt strategische Entwicklungsmöglichkeiten bestehen – was wieder nicht gleichzeitig heißt, wie John betont, dass eine Spezialisierung in jedem Bereich auch für die Ilmtalklinik sinnvoll ist. Auf dem Sektor der Herz-Chirurgie ist das laut John zum Beispiel nicht sinnvoll, weil unter anderem dafür die Klinik zu klein sei.

Eine Rolle bei der Entwicklung der künftigen medizinischen Strategie für die Ilmtalklinik GmbH spielte nicht zuletzt auch das Ergebnis einer Wettbewerbs- und Umfeld-Analyse. Denn es muss berücksichtigt werden, welche umliegenden Krankenhäuser wie viele Betten haben und welches Angebot aufweisen. Die Ilmtalklinik hat bekanntlich in Pfaffenhofen 220 und in Mainburg 100 Betten.

Auf Basis all dieser Analysen, Prognosen und Fakten wurden von John & Co. – unter Einbeziehung des Klinik-Direktoriums, der Chefärzte, der einweisenden Ärzte, des Betriebsrats, der Pflegeleitungen und auch des Rettungsdiensts – letztlich Ende des Jahres die strategischen Ziele definiert. Sein Vorschlag stieß offensichtlich im Aufsichtsrat auf Zustimmung – denn wie John berichtet, sei sein Konzept einstimmig abgesegnet worden. John jedenfalls plant kein kleinteiliges Herumdoktern, sondern einen großen Wurf. Die Klinik bekommt die „Agenda 2020“. Und die sieht auf Basis der breiten Basisversorgung der Menschen in der Region – das ist sozusagen der Grund-Auftrag der kreiseigenen Krankenhäuser –  drei Säulen für die Zukunft vor: die Spezialisierung in bestimmten Bereichen, die ganzzeitliche Betrachtung des Patienten und die integrierte Versorgung.

Am spannendsten ist sicher die Frage der Spezialisierungen. Am Standort Mainburg wird es nach den Plänen von John zukünftig Spezialisierungen in den Bereichen der koronaren Herzkrankheit und der Schilddrüsen-Chirurgie geben; zudem ist ein Zentrum für Hüft- und Kniegelenkersatz geplant. Pfaffenhofen werde sich ebenfalls intensiver dem Bereich koronare Herzkrankheiten widmen, baue aber auch noch ein Darmzentrum auf, fokussiere die Gefäßmedizin und werde obendrein einen neurologischen Schwerpunkt bilden. Zudem soll es ein Wirbelsäulenzentrum mit Schmerztherapie geben, erklärte der Geschäftsführer.

Marcel John, der Geschäftsführer der Ilmtalklinik-GmbH.

„Wir glauben fest an die bisherige Grund- und Regelversorgung der beiden Kliniken sowie an die neue Ausrichtung mit zusätzlichen Spezialisierungen“, sagt  John. „Dabei muss betont werden, dass diese Spezialisierungen keine Ausschließlichkeit haben, sondern eben Schwerpunkte darstellen.“ „Selbstverständlich wird es auch in Pfaffenhofen weiterhin zum Beispiel Schilddrüsen- oder Hüftgelenksersatz-Operationen geben. Mainburg wird sich aber neben dem bisher schon angebotenem Spektrum eben der Leistungsvertiefung widmen.“

Eines will John in Zusammenhang mit den geplanten Spezialisierungen klar betont wissen: „Das bedeutet keine Reduzierung der bisher an den beiden Standorten erbrachten Leistungen, sondern eine Erweiterung.“ Durch die Spezialisierungen wolle man sich aber einen Ruf aufbauen. Jede der besagten Abteilungen solle in den avisierten Spezialleistungen ein überregionales Profil erlangen, so John.

Diese Mehr-Leistungen bedeuten allerdings auch, dass zusätzliche Ärzte notwendig sind. Einzelne Spezialleistungen sollen nicht an einzelne Personen geknüpft sein – jeweils mindestens drei Ärzte sollen den zusätzlich angebotenen Leistungsschwerpunkt beherrschen, gibt John als Ziel aus.

 Das alles kostet Geld – doch im Gegenzug rechnet John durch die entstehende „Sogwirkung“ mit künftig mehr Patienten aus dem Einzugsgebiet. Im theoretischen Einzugsgebiet der beiden Kliniken (der südliche Kreis Kelheim und der Landkreis Pfaffenhofen) leben rund 120 000 Menschen. Das tatsächliche Einzugsgebiet gibt John aktuell aber nur mit rund 70 000 Menschen an – das sind zwischen 35 und 40 Prozent. Und genau das soll sich gravierend ändern. Diesen Wert will John auf mindestens 50 Prozent steigern.

Die Zahl der Patienten aus dem 160 000 Menschen umfassenden Einzugsgebiet, die sich auch in einer der beiden Kliniken behandeln lassen, soll deutlich erhöht werden.

Ein „enorm wichtiges Thema“ ist für den Klinik-Geschäftsführer – neben der Grund- und Regelversorgung sowie der gezielten Spezialisierung – auch die Etablierung einer Akutgeriatrie und eines palliativmedizinischen Diensts. Dabei werde es keine Palliativstationen in den Kliniken geben, sondern spezielle Zimmer auf den Stationen. Hier setzt John verstärkt auf die Zusammenarbeit mit verschiedenen Einrichtungen und Institutionen – wie zum Beispiel mit der spezialisierten ambulanten Palliativversorgung (SAPV).

Der Kreistag von Pfaffenhofen hat, wie berichtet, kürzlich zur Versorgung von Palliativ-Patienten im Landkreis einen wichtigen Beschluss gefasst. Einstimmig votierte das Gremium für die Einrichtung eines Netzwerks zur häuslichen Versorgung von unheilbar Kranken in Zusammenarbeit mit „SAPV Region 10 GmbH“ und genehmigte dafür auch die nötige Anschub-Finanzierung in Höhe von einmalig 10 000 Euro. „Uns und auch den niedergelassenen Ärzten ist es sehr wichtig“, so John, „auch diese Menschen auf ihrem letzten Weg zu begleiten und belastende Symptome und Probleme soweit wie möglich zu lindern und damit zu einer noch verbleibenden Lebensqualität beizutragen.“

In der Ilmtalklinik GmbH wirft indes die künftige Struktur der chirurgischen Abteilungen unter Geschäftsführer John bereits ihre Schatten voraus. Zukünftig werde die unfallchirurgische/orthopädische Abteilung standortübergreifend von Dr. Thomas Pausch geleitet – Dr. Roland Burgert wird im Mai den Staffelstab an Pausch übergeben und in Ruhestand gehen. Pausch ist Mitglied im Direktorium und Chefarzt der Chirurgie in Mainburg und somit seit Jahren bestens vertraut mit der Ilmtalklinik. Die Leitung der allgemein- und bauchchirurgischen Abteilung wird künftig – ebenfalls standortübergreifend – von Dr. Reinhard Lange geführt.

Für den Klinik-Standort in der Kreisstadt hat der Landkreis Pfaffenhofen für die Jahre 2014 bis 2016 ein Finanzpaket geschnürt, das satte 16,2 Millionen Euro umfasst – zur Stärkung des Eigenkapitals, zur Sicherung der Liquidität und natürlich auch zum Ausgleich der von der Klinik gemachten Verluste. Von diesen 16,2 Millionen wurden für das vergangene Jahr gut 5,65 Millionen Euro eingeplant sowie für dieses und das kommende Jahr jeweils etwa 5,3 Millionen Euro.

Weitere Beiträge zum Thema:

Die neue medizinische Strategie der Ilmtalklinik (Audio-Interview)

Ilmtalklinik: 3,36 Millionen Euro Defizit im vergangenen Jahr


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