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Der Enkeltrick als eiskalte Masche: In der Region gab es heuer schon 432 Fälle – insgesamt erbeuteten die Täter dabei 285 000 Euro. Wichtige Hinweise zum Vorgehen der Kriminellen und wie man sich schützen kann

(ty) Es ist eine besonders dreiste und oft folgenschwere Form des Betrugs. Mit dem so genannten Enkeltrick werden bevorzugt ältere Menschen um ihr Erspartes gebracht. Das Polizeipräsidium Oberbayern-Nord verzeichnet im laufenden Jahr einen deutlichen Anstieg des Phänomens. Während im gesamten vergangenen Jahr 166 angezeigte Straftaten in den Bereichen Fürstenfeldbruck, Erding und Ingolstadt aufgenommen wurden, waren im laufenden Jahr bis Dezember bereits 432 Fälle zu verzeichnen. Dabei kam es zu rund einem Dutzend Geldübergaben mit einem Gesamtschaden von 285 000 Euro.

Immer wieder werden vor allem ältere Menschen Opfer der subtilen Masche, bei der Betrüger versuchen, ihre Opfer mit einem Trick um deren Ersparnisse zu bringen. Allein in den Landkreisen Eichstätt, Neuburg, Pfaffenhofen und der Stadt Ingolstadt wurden seit Jahresbeginn bereits 85 Fälle zur Anzeige gebracht. Bei drei vollendeten Taten erbeuteten die Täter hier insgesamt 76 000 Euro.

Die Masche

Die Masche ist im Grunde immer die gleiche. Mit den Worten „Rate mal, wer hier spricht“ oder ähnlichen Formulierungen rufen die überregional agierenden Tätern bei meist älteren und allein lebende Personen an, geben sich als Verwandte, Enkel oder auch gute Bekannte aus und bitten kurzfristig um Bargeld. Als Grund wird ein finanzieller Engpass oder eine Notlage vorgetäuscht, beispielsweise ein Unfall, ein Auto- oder Immobilienkauf.

Die Lage wird dabei von den Täter immer äußerst dringlich dargestellt. Oft werden die Opfer durch wiederholte Anrufe sogar unter Druck gesetzt. Ist das Opfer zahlungswillig, wird ein Bote zur Abholung des Gelds angekündigt. Hat der Angerufene die geforderte Summe nicht parat, folgt die dreiste Aufforderung, den Betrag doch bei der Bank abzuheben. 

Die Opfer

Besonders betroffen vom Enkeltrick sind nach Angaben der Polizei alleinlebende, ältere Menschen, die sich nicht mit jemand aus ihrem näheren Lebenskreis beraten können. Hinzu kommen noch weitere Faktoren wie Seh- und Hörschwäche. So halten die Opfer schnell die fremde Stimme am Telefon für die eines Verwandten. „Auch Vereinsamung, Zerstreutheit und Demenz machen Senioren zu leichten Opfern für diese Form des Betruges“, so ein Polizeisprecher. Außerdem seien ältere Menschen häufig zu Hause anzutreffen und somit auch telefonisch meist erreichbar. 

Die Täter

„Die auf Enkeltrick spezialisierten Täter sind sehr mobil und häufig Angehörige ethnischer Minderheiten aus Deutschland, Polen und Italien, die teilweise im Bundesgebiet ansässig sind oder aus dem osteuropäischen Ausland zielgerichtet zur Begehung von Straftaten einreisen“, berichtet ein Sprecher des Polizeipräsidiums Oberbayern-Nord. Gelingt eine Täterfestnahme, so machen diese in der Regel keine Angaben gegenüber der Polizei.  

Trotz der beängstigend ansteigenden Fallzahlen zeigen aber die Aufklärungsarbeit der Polizei und die Warnhinweise in den Medien offenbar Wirkung. „Die Tatsache, dass die Täter im laufenden Jahr in knapp 98 Prozent der angezeigten Fälle keinen Erfolg hatten, da den Opfern das Phänomen bekannt war, lässt hoffen, dass die beständige Präventionsarbeit Wirkung zeigt“, so ein Polizeisprecher. Dennoch bestehe Handlungsbedarf, wie die Fakten belegen. 

Festnahme in Ingolstadt

Im Juli dieses Jahres wurde eine 67-Jährige von ihrer angeblichen Enkelin angerufen. Diese täuschte am Telefon eine finanzielle
Notlage wegen eines Wohnungskaufs vor und bat die „Oma“ um finanzielle Unterstützung in Form eines fünfstelligen Betrags. Die 67-Jährige verständigte daraufhin sofort per Notruf die Polizei. Im weiteren Verlauf gelang es schließlich der Ingolstädter Kripo den Geldabholer auf frischer Tat festzunehmen. 

Verhaltenstipps Polizei

  • Seien Sie misstrauisch, wenn sich jemand am Telefon nicht selbst mit Namen vorstellt!
  • Legen Sie den Telefonhörer auf, sobald Ihr Gesprächspartner Geld fordert!
  • Halten Sie nach einem Anruf mit finanziellen Forderungen mit anderen Familienangehörigen Rücksprache!
  • Geben Sie keine Details zu Ihren familiären oder finanziellen Verhältnissen heraus!
  • Lassen Sie sich zeitlich und emotional nicht unter Druck setzen!
  • Übergeben Sie niemals Geld an unbekannte Personen!
  • Informieren Sie sofort die Polizei über die Notrufnummer 
110, wenn Ihnen ein Anruf verdächtig vorkommt!
  • Informieren Sie auch Ihre Verwandten und Bekannten über diese äußerst hinterlistige Form des Betrugs! 

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