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Erfahrener Referee hält launigen Vortrag und lobt die aktuelle Entwicklung im Fußball-Landkreis.

(ty) Spannender Abend mit einem der Shooting-Stars des regionalen Fußballs: Florian Riepl ist Schiedsrichter in der höchsten deutschen Amateurklasse, in der Regionalliga. Er ist dort einer der ältesten bayerischen Vertreter und mit fünf Spielzeiten auch einer der Dienstältesten. Außerdem ist er Kreisvorsitzender des Bayerischen Fußball-Verbandes im Spielkreis Donau/Isar, also oberster Repräsentant von rund 200 Fußballvereinen. Kürzlich war er zu Gast bei der Schiedsrichter-Gruppe Pfaffenhofen.

Wer nun einen geschniegelten Funktionär in dunklem Anzug mit Krawatte und vermeintlich bedeutsamen Ehrennadeln am Revers erwartet hatte, der sein Auditorium gerne auch noch warten lässt, wurde bitterlich enttäuscht: Der Riepl Flo kam mit Jeans und T-Shirt. Das T-Shirt mehr als lässig über der Jeans, für einen Mittdreißiger fast schon zu lässig. Riepl war überpünktlich und hat geredet, wie ihm der Schnabel gewachsen war. Kein Blatt vor dem Mund. Sprache: Bairisch. Nein, ein Grundsatzreferat über die Amtsbefugnisse eines Kreisvorsitzenden wollte der 35-Jährige nicht halten. Er wollte aus seinem Regionalliga-Alltag erzählen und begeistern. Damit kam er bei den Pfaffenhofener Schiris genau an die Richtigen, denn in der bestens gefüllten Vereinsgaststätte des FSV Pfaffenhofen waren auch die meisten der 38 Schiedsrichter-Neulinge vertreten, die erst kürzlich ihre Prüfung abgelegt hatten und nun auf ihre ersten Einsätze brennen.

Diese Einsätze beginnen natürlich nicht in der Herren-Regionalliga, sondern zunächst im unteren Juniorenbereich. Dennoch lauschten sie alle gespannt Riepls Vortrag und konnten gute Tipps mitnehmen. „Du musst Dich verkaufen können!“ war die oberste Maxime des Regionalliga-Schiedsrichters. Jeder Unparteiische habe nämlich auch einmal unpopuläre Entscheidungen zu treffen. Es spielt dabei aber eine ganz wesentliche Rolle wie man dann auftritt. Seitdem alle Regionalligaspiele aufgezeichnet werden, ist der Druck noch größer, denn „irgendeinem fällt im Nachhinein immer etwas auf“. An verschiedenen Videoszenen erläuterte Riepl positive und auch negative Beispiele. Gerade in der Regionalliga treffen oft Welten aufeinander, das Spektrum reicht schließlich von der Profitruppe des TSV 1860 München bis hin zum Dorfclub FC Pipinsried. Der gute Schiri muss sich auf alle einstellen können. Etliche Vereine beschäftigen hauptberufliche Trainer, gerade bei U23-Mannschaften von Bundesligisten, die nicht selten zum Erfolg verurteilt sind. Der Etat der Vereine liegt mindestens im guten sechsstelligen Eurobereich, mitunter über der Million, es geht also um viel Geld.

„Und dann kimmt der kloane Bauer von Erding“, kommentiert Riepl selbstironisch, denn im Haupterwerb ist er schließlich selbstständiger Agrarökonom. In seinem Nebenerwerb darf er als Aufwandsentschädigung pro Spiel 200 Euro plus Fahrtspesen abrechnen, pro Jahr also gute 2000 Euro, die selbstverständlich zu versteuern sind. Insgesamt bringt es ein Regionalliga-Schiri auf mindestens 70 bis 80 Spielleitungen im Jahr, denn es stehen natürlich auch untere Spielklassen auf dem Programm. Und da gibt es nicht selten ebenso große Herausforderungen, exemplarisch nennt Riepl hier das Relegationsspiel zwischen dem FSV Pfaffenhofen und dem ST Scheyern vor zwei Jahren. Der gute Schiri bereitet sich auf jede Partie gezielt vor. Dazu zählt zunächst die Auseinandersetzung mit den beiden Mannschaften, aber auch eine rechtzeitige Anreise. Montagabendspiele in der Bayernliga Nord beim SV Viktoria Aschaffenburg wären nicht seine Favoriten, meinte Riepl. Der ganze Montag sei hin, heim kommt man Dienstagfrüh um halb sechs „und dann muass i um sieme naus ins Holz, guad Nacht!“

Und weil Riepl auch am Folgetag der Schiedsrichterversammlung wieder früh aufstehen musste, hat er seinen Vortrag auch nicht in die Länge gezogen. Fast ein wenig schade, denn die Pfaffenhofener Schiris hätten nahezu endlos zuhören können. Natürlich ist er noch auf Fragen eingegangen, wie etwa auf die von Mustafa Köroglu über Riepls aktuellen Beziehungsstatus: Ja, er habe schon eine Partnerin, obgleich eine Beziehung, noch dazu eine langjährige, für einen Regionalliga-Schiri eher außergewöhnlich sei. Da braucht es schon viel Verständnis von der Herzensdame. Wohl erst recht, wenn man auch noch Kreisvorsitzender ist.

Spannender Vortrag: Florian Riepl war bei der Monatsversammlung der Pfaffenhofener Schiedsrichter ein gern gesehener Gast. 

Als solcher zollte er abschließend ein großes Lob für die aktuelle sehr positive Entwicklung der Schiedsrichtergruppe Pfaffenhofen und wünschte Kontinuität für die Zukunft. Vortrag, Lob und Wunsch wurden von seinen Pfaffenhofener Kameraden gleichermaßen mit anhaltendem Applaus bedacht, und manch einer der alten Hasen munkelte von der interessantesten Monatsversammlung seit Langem.

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