Logo
Anzeige
Anzeige

Frei erfundene Nachrichten, Folge 8: Unserer Zeitung liegen brisante Informationen über Aufreger, Eklats und Prüfungen im Urwald vor.

(zel) Unserer Redaktion sind wieder einmal brandheiße Dokumente zugespielt worden, die es in sich haben. Diesen Unterlagen zufolge hat RTL angesichts des großen Publikums-Erfolgs eine weitere "Dschungel-Camp"-Auflage produziert – und zwar ausschließlich mit Protagonisten aus dem Landkreis Pfaffenhofen. Die Dreharbeiten dafür sind bereits abgeschlossen. Das erklärt wohl auch, warum es zuletzt in der hiesigen Politik so still war und wieso über den Jahreswechsel keine bedeutsamen Termine stattfanden – denn die Hauptdarsteller waren ja im Urwald. Gesendet werden soll das Aufsehen erregende Pfaffenhofen-"Special" in den kommenden Tagen, RTL wollte den Abschluss der üblichen "Ich bin ein Star, holt mich hier raus!"-Staffel noch abwarten.

Man wolle sich nach wie vor auch spannende regionale Potenziale erschließen sowie kommunale Zündstoffe nutzen, heißt es in den – eigentlich streng vertraulichen – RTL-Dokumenten, die unserer Zeitung vorliegen. Viel spannender als die Ausführungen zu den strategischen Überlegungen des Fernseh-Senders sind allerdings die Notizen über die interessantesten Vorkommnisse im Pfaffenhofener Dschungel-Camp. Dazu enthalten die uns – über dubiose Kanäle zugeschickten – Aufzeichnungen hochbrisante Details.

 

Demnach soll es bereits vor dem eigentlichen Start des neuen Camps zum ersten Eklat gekommen sein. Denn Landrat Martin Wolf (CSU), der bekanntlich zuletzt zum Dschungelkönig gekürt worden war, wollte seine – bis zur nächsten Folge begrenzte – Amtszeit kurzerhand eigenmächtig verlängern. Er sehe inzwischen manches in einem neuen Licht, erklärte er mit Verweis auf das überwältigende Ergebnis, mit dem ihn die Fernseh-Zuschauer zum Urwald-Gott gewählt hatten. Wolf philosophierte auch über einen Testballon, der in ungeahnte Sphären abheben werde. Diese Sichtweise hatte er allerdings exklusiv – die meisten verstanden indes sowieso nicht, was er meint.

Selbst Wolfs Parteifreunde sollen ihre liebe Mühe gehabt haben, ihm zu verdeutlichen, dass es ohne das Abdanken des amtierenden Dschungel-Königs gar keine neue Show geben kann. Selbst für gewohnt harmonische CSU-Verhältnisse soll es bei diversen internen "Gesprächen" laut und emotional zugegangen sein. Letztlich fand man aber einen für alle gangbaren Weg. "Ich habe mich überzeugen lassen", habe Wolf schließlich proklamiert. Es läuft wie folgt: Der Urwald-Wolf erklärt aus Altersgründen seinen Rücktritt als König, wird mit höchsten Ehren verabschiedet. Zugleich kann er sich neuen majestätischen Aufgaben zuwenden, zum Beispiel als Kaiser, Pharao oder Mitglied eines Aufsichtsrats. Kreistat scheidet aus.

 

Das aktuelle Camp besucht Wolf aber nach eigenem Bekunden – entgegen der gelebten Dschungel-Tradition – demonstrativ nicht. Aus guten Gründen. Einen Flug ans andere Ende der Welt, das könne er aus Klimaschutz-Gründen sowie aus Respekt vor dem Steuerzahler keinesfalls mit seinem Gewissen vereinbaren, ließ er die RTL-Geschäftsführung wissen. Sein Fernbleiben sei alternativlos. Denn mit dem Segelboot würde der Trip schlicht zu lange dauern – außerdem könnte er auf hoher See für einen Flüchtling gehalten und nie mehr an Land gelassen werden.

Nach dieser ganzen Aufregung wirken etliche der diesjährigen Dschungel-Protagonisten schon beim Einzug ins Urwald-Camp sichtlich gestresst. Markus Käser, der Chef der Landkreis-SPD, hat ausnahmsweise einen Hals. Und zwar einen dicken. Bei ihm sitzt der Grant über das permanent theatralische CSU-Getue so tief, dass seine Nerven blank liegen. Seine Ablehnung gegenüber den christsozialen Urwald-Insassen geht sogar soweit, dass er die ersten drei Nächte schlaflos am Lagerfeuer verbringt. Er könne die Augen nicht zumachen, weil er kein Schwarz mehr sehen könne, schimpft Käser in die Kameras. Angesichts von so viel Unmut hilft es auch nichts, dass sich sämtliche CSU-Dschungel-Insassen von Wolf und dessen Gebaren distanzieren.

Während Ober-Sozi Käser nun Tage und Nächte mit einer Mischung aus flackernder Wut und kontemplativer Versenkung in die Flammen blickt, entbrennt im Camp eine Debatte darüber, wer denn als Nachfolger von Wolf in Frage kommen könnte. Ludwig Wayand (CSU), Bürgermeister von Baar-Ebenhausen, erklärt umgehend, er stünde bereit. Zur Untermauerung seiner Tatkraft und Entschlossenheit verabschiedet er sich im Laufschritt in den Urwald. Einen Tag und eine Nacht ward er nicht mehr gesehen, Sorgen macht sich allerdings keiner. Als ehemaliger Bundeswehrler und langjähriger CSU-Mann weiß Wayand freilich, wie man in unwirtlicher Umgebung überlebt. Jeder Handgriff sitzt bei ihm, als er sich Speere bastelt, Fallen baut, Tiere erlegt und zerlegt, sie ausnimmt und sich an ihnen labt. Aus Pflanzen-Blättern hat er sich längst angemessene Tarnkleidung gemacht, Rambo wäre neidisch.

Als Wayand schließlich, gestärkt und beeindruckend ausgerüstet, ins Camp zurückkehrt, applaudieren dann auch einige. Der Teilzeit-Tarzan selbst hat Tränen in den Augen, spielt seine Leistung aber bewusst herunter. Wer es in der CSU zu etwas bringen wolle, sagt er, für den sei das Überleben in der Wildnis wie Wellness. Er jedenfalls fühle sich für höhere Aufgaben qualifiziert. "Dann steig' auf einen Baum", ätzt Reinhard Heinrich. Der Chef der CSU-Fraktion im Kreistag und Bürgermeister von Reichertshausen würde sich angeblich mit dem Posten des Vize-Dschungelkönigs zufriedengeben – doch Wayands Überlebens-Auftritt geht ihm dann doch zu weit. Natürlich ist es ihm nicht egal, wer künftig unter ihm regiert. Das bestimmt er immer noch selbst.

Ehe die Situation aber aufgrund persönlicher Befindlichkeiten aus dem Ruder laufen kann, steht die erste Dschungel-Prüfung an. Nominiert wird Max Hechinger, der starke Mann von den Freien Wählern. Die Aufgabe scheint wie für ihn gemacht: Er muss aus Bambus und sonstigen Natur-Produkten sowie nach einem ihm vorgelegten Plan ein Dschungel-Krankenhaus errichten. Engagiert geht er die Sache an, da könnte sich so mancher Jungspund eine Scheibe abschneiden. Als einstiger Baulöwe weiß er freilich, wie man ein Spital aus dem Boden stampft. Allerdings ist er halt auch Mitglied des Ilmtalklinik-Aufsichtsrats – und in dem Gremium nimmt man es bekanntlich weder mit dem Brandschutz noch mit dem Anschauen von Plänen so genau. Das wird Hechinger letztlich zum Verhängnis, weshalb er mit nur zwei errungenen Sternen ins Camp zurückkehrt.

Kerstin Schnapp, die Kreisvorsitzende der Grünen, reagiert wie gewohnt mit an Selbstlosigkeit grenzender Empathie für den politischen Kontrahenten. Ihre Erklärung: Es wären doch viel, viel, viel mehr Bäume gefällt worden, hätte Hechinger die Aufgabe korrekt erfüllt. Die übrigen Dschungel-Kameraden zeigen dagegen wenig Verständnis für das Buschkrankenhaus-Debakel. Ausgerechnet von der CSU hagelt es schwere Vorwürfe. Man wisse schon, warum man mit den Freien Wählern eben keine Koalition, sondern nur eine Kooperation im Kreistag habe. Noch bevor der Dritte Landrat Josef Finkenzeller (FW) sich darüber beschweren kann, dass er einmal mehr schlecht bis gar nicht informiert worden war, wird er von CSU-Recken gefesselt und geknebelt

 

Letztlich einigt man sich notgedrungen darauf, dass zwei Sterne besser sind als einer, und teilt die Belohnung – Reis ohne Bohnen – halbwegs gerecht auf. Die Kohlenhydrate heben die Laune merklich. Anschließend sitzt man fast einträchtig am Lagerfeuer beisammen. Hechinger berichtet noch einmal ausführlich von seiner Dschungel-Prüfung. Und am Ende sind sich alle einig: Am besten geeignet für diese Aufgabe wäre Johannes Hofner gewesen, der Leiter des Kommunal-Unternehmens für Struktur-Entwicklung im Landkreis Pfaffenhofen (KUS). Weil wenn sich einer mit dem Errichten von Fassaden auskennt, dann er.

Die folgenden Tage verlaufen recht unspektakulär, weshalb die RTL-Produzenten – so geht es aus den vertraulichen Unterlagen hervor – sogar mit dem Gedanken spielen, die Staffel vorzeitig zu beenden. Es ist einfach alles zu fad und vorhersehbar. Siegi Ebner (ÖDP) sammelt Unterschriften für ein Urwald-Begehren mit dem Arbeitstitel "Rettet die Maden". Markus Käser bemüht sich verzweifelt um eine Sperrung des Haupt-Durchgangs im Camp: Er stellt Bambus-Poller auf, zur Verkehrsberuhigung und für mehr Aufenthalts-Qualität. Gefahren werden darf hier, wenn überhaupt, dann nur mit einer Elektro-Bimmelbahn und im Wahlkampf. Die CSU dreht durch, Käser bessert nach. Alles fad. Im RTL-Skript ist handschriftlich vermerkt: "Interessiert keine Sau. Wir brauchen einen Porno-Star oder eine Hunde-Züchterin: Hauptsache Möpse."

KUS-Häuptling Hofner hat derweil neben einem Trampelpfad zum nächsten Dorf, in dem Eingeborene leben, einen kleinen Messestand aufgestellt. Er hält hier Unternehmer-Frühstücke ab und ist auch bereits in Gesprächen mit einem potenziellen Investor, der das halbe Camp zubetonieren will, um einen Logistik-Betrieb anzusiedeln. Zwei Arbeitsplätze könnten so entstehen. Außerdem wirbt Hofner für eine Autobahn-Ausfahrt direkt in den Urwald. Ein abruptes Ende setzt diesem Treiben der AfD-Bundestags-Abgeordnete Johannes Huber: Er baut zum Schutz vor unkontrollierter Einwanderung eine limes-ähnliche Mauer um das ganze Lager. Und weil seine Partei freilich stets die nationalen Interessen vertritt, steht auf der Fahne, die er neben seiner Liege gehisst hat: "Alternative für Dschungel".

Bei den Urwald-Prüfungen in den kommenden Tagen sind verschiedenste Fähigkeiten gefragt und diverse Herausforderungen zu bewältigen: Im Fokus stehen dabei laut den unserer Redaktion vorliegenden Geheim-Dokumenten: das Überwinden von Abgründen, das Schüren von Ängsten, unterirdische Aktionen, jede Menge Schleim und Lebewesen ohne Rückgrat. Wie sich zeigt, kommen die CSU-Kandidaten damit am besten klar. Doch nach einer Woche voller Entbehrungen, Qualen und Insekten-Stichen vereint sämtliche Dschungel-Camp-Bewohner vor allem eines: unbändiger, nicht in Worte zu fassender Hunger.

Die Hoffnung auf die ersehnte Linderung des Kohldampfs sieht sich ganz besonders genährt, als der Bundestags-Abgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) in die nächste Urwald-Prüfung geschickt wird. Die Leidensgenossen gehen davon aus, dass er schon im eigenen Interesse jede Menge Essen erspielen wird. Doch auch er ist inzwischen merklich geschwächt. Sichtlich ausgezehrt wirft er nicht nur sein politisches Gewicht in die Waagschale, sondern gibt alles. Er absolviert alle möglichen Versuche, hat seine zitternden Finger auch immer wieder am Stern, doch kann ihn nie greifen.

Frustriert und mit leeren Händen kehrt Irlstorfer ins Camp zurück. Nachdem er sein Scheitern gebeichtet hat, herrscht Fassungslosigkeit. Wenn "der Eingeborenen-Erich" – so nennen sie ihn inzwischen – es nicht schafft, wem soll es dann überhaupt gelingen? Ex-Staatssekretärin Erika Görlitz (CSU) aus Manching weint heimlich: Das alles hätte es damals, unter Dschungelkönig Rudi Engelhard, niemals gegeben. Aber die Zeiten haben sich geändert. Früher war selbst PFC noch erlaubt, heute kriegt die CSU nicht einmal mehr im Urwald einen Stern.

Nachdem sich bei den anderen Kandidaten die Schock-Starre gelegt und der leere Magen wieder die Oberhand gewonnen hat, weicht das anfängliche Verständnis für Irlstorfers Null-Nummer der blanken Wut. Nichts könne man den Christsozialen mehr glauben, schimpft AfD-Mann Huber: Von wegen "Wir schaffen das!" und "Der Dschungel ist nicht das Problem, sondern die Lösung". Käser legt in bitterer Ironie nach, aus ihm spricht der Unterzucker: Bestimmt könne man doch in dieser Notlage auf das von Ministerpräsident Markus Söder (CSU) ausgerufene bayerische Weltraum-Programm hoffen – oder zumindest auf rettende Polizisten aus dem Freistaat, die auf Elefanten angeritten kommen. Irlstorfer wird das jetzt alles zuviel, er gibt auf: "Ich bin ein MdB, holt mich hier raus", ruft er in die nächste Kamera.

Der Hubschrauber-Pilot, der ihn aus dem Camp holen soll, hat seine liebe Mühe, angesichts der von Huber errichteten Grenz-Vorrichtungen überhaupt landen zu können. Und ausgerechnet dem im Kreis Freising lebenden Irlstorfer unterläuft dann auf seinem weiteren Heimweg noch ein fatales Malheur. Weil der neue Berliner Flughafen ja noch nicht ganz fertig ist, nimmt er eine Verbindung nach München und postet aus dem Flieger ein Video, in dem er vor lauter Freude über die bevorstehende Rückkehr "Über den Wolken" von Reinhard Mey anstimmt: "Wind Nord-Ost, Startbahn 03. Bis hier hör' ich die Motoren. Wie ein Pfeil zieht sie vorbei, und es dröhnt in meinen Ohren." Dass Irlstorfer gegen die dritte Startbahn ist, glaubt ihm jetzt keiner mehr.  

Bisher sind in unserer Reihe "Frei erfundene Nachrichten" folgende Beiträge erschienen:

Landrat oder Landrut?

Skandale erschüttern Pfaffenhofen

Erstes Dschungel-Camp-Special mit Landkreis-Politikern

Gnadenlose Enthüllungen

"Promi-Big-Brother" made in Pfaffenhofen

CSU plant Verkauf der Exklusivrechte an Wortmeldungen im Stadtrat

GfG gibt Stadtratsmandat an FDP-Chef Daschner ab


Anzeige
RSS feed