Acht Direkt-Bewerber wetteifern an diesem Sonntag im hiesigen Wahlkreis um die Erststimmen. Die Zweitstimme hat nun ein stärkeres Gewicht als bisher.
(ty) Welcher Politiker aus dem hiesigen Wahlkreis schafft bei der Bundestagswahl an diesem Sonntag, 23. Februar, den Sprung ins deutschen Parlament? Den aktuellen Umfragen zufolge hat CSU-Bewerber Christian Moser die besten Chancen, als Nachfolger des partei-intern geschassten Erich Irlstorfer das Direkt-Mandat zu erobern. Um viel geht es auch für Andreas Mehltretter (SPD) und Leon Eckert (Grüne), die 2021 jeweils über die Landesliste in den Bundestag eingezogen sind und nun ihren Sitz verteidigen möchten. Zudem stehen fünf weitere Direkt-Kandidaten auf dem Stimmzettel: Vittorino Monti (FDP), Claus Staudhammer (AfD), Birgit Weinsteiger-Tauer (Freie Wähler), Sebastian Pisot (Die Linke) und Michael Stangl (Die Basis). Im Folgenden beantwortet unsere Zeitung die wichtigsten Fragen rund um den mit Spannung erwarteten Urnengang – vor allem mit Blick auf den hiesigen Wahlkreis.
Wie ist der hiesige Wahlkreis strukturiert?
Der Bundestags-Wahlkreis Freising ist einer von 299 im Bundesgebiet, im Freistaat Bayern gibt es insgesamt 47. Bis 2021 trug der hiesige Wahlkreis die Nummer 214, mittlerweile ist es offiziell der Wahlkreis 213. Er umfasst den kompletten Landkreis Freising mit insgesamt 24 Kommunen, den kompletten Landkreis Pfaffenhofen/Ilm mit seinen 19 Kommunen sowie aus dem Landkreis Neuburg-Schrobenhausen die Gemeinden Aresing, Berg im Gau, Brunnen, Gachenbach, Langenmosen, Schrobenhausen und Waidhofen. Zur geografischen Orientierung: Der hiesige Bundestags-Wahlkreis ist in der unten gezeigten Landkarte gelb eingefärbt. Nach Angaben des Freisinger Landratsamts wurden in dem Wahlkreis insgesamt 262 Wahl-Bezirke für die Urnenwahl sowie 248 Briefwahl-Bezirke gebildet.
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Wie viele Bundestags-Abgeordnete kommen aktuell aus hiesigen Wahlkreis?
Im Augenblick ist der hiesige Wahlkreis mit insgesamt vier Abgeordneten im deutschen Bundestag vertreten. Das Direkt-Mandat hat seit 2013 der CSU-Politiker Erich Irlstorfer aus Gammelsdorf im Landkreis Freising inne. Doch seine Zeit als MdB geht zu Ende: Er war bekanntlich im vergangenen Herbst von den Delegierten der Christsozialen nicht mehr nominiert worden; die Parteifreunde entschieden sich stattdessen für Christian Moser aus Pfaffenhofen als Direkt-Bewerber (CSU wählt Moser als Bundestags-Kandidat: Irlstorfer wurde das Vertrauen entzogen).
Ferner gehören für die SPD Andreas Mehltretter aus dem Kreis Freising und für die Grünen Leon Eckert, ebenfalls aus dem Kreis Freising, dem Parlament an. Der vierte Abgeordnete aus dem hiesigen Wahlkreis ist Johannes Huber aus dem Landkreis Freising. Er war 2017 für die AfD in den Bundestag eingezogen, kehrte aber im Dezember 2021 seiner Partei den Rücken. Seit seinem AfD-Austritt sitzt Huber als parteiloser Politiker im Bundestag. Bei der Wahl an diesem Sonntag tritt er nicht mehr an; damit endet auch seine Zeit als MdB.
Welche Direkt-Bewerber treten im hiesigen Wahlkreis an?
Für die so genannte Erststimme stehen am kommenden Sonntag, in dieser Reihenfolge, folgende acht Direkt-Kandidaten zur Wahl – offiziell heißen sie übrigens Wahlkreis-Bewerber:
- Christian Moser, CSU, geboren 1989, Jurist und Nebenerwerbs-Landwirt, Pfaffenhofen
- Andreas Mehltretter, SPD, geboren 1991, Volkswirt und Mitglied des Bundestags, Freising
- Leon Eckert, Grüne, geboren 1995, Kommunal-Referent und Mitglied des Bundestags, Eching
- Vittorino Monti, FDP, geboren 1993, Soldat, Pfaffenhofen
- Claus Staudhammer, AfD, geboren 1966, Referent, Pfaffenhofen
- Birgit Weinsteiger-Tauer, Freien Wähler, geboren 1981, Finanz-Buchhalterin, Kirchdorf an der Amper
- Sebastian Pisot, "Die Linke", geboren 1995, Landschafts-Architekt, Freising
- Michael Stangl, "Die Basis", geboren 1993, Angestellter, Wang.
Was bedeutet das neue Bundestags-Wahlrecht?
In der kommenden Legislatur-Periode des deutschen Bundestags soll die Zahl der Abgeordneten von derzeit mehr als 730 auf dann 630 begrenzt werden. Jeder Wahlberechtigte hat auch weiterhin zwei Stimmen, eine Erst- und eine Zweitstimme. Mit der Erststimme wird ein Kandidat oder eine Kandidatin gewählt, mit der Zweitstimme eine Partei – genauso wie es bisher war.
Allerdings hat sich durch die jüngste Wahlrechts-Reform sozusagen das Verhältnis der beiden Stimmen verändert. Die Zweitstimme ist dadurch wichtiger geworden. Sie entscheidet nun nicht nur darüber, wie viele Sitze jede Partei im Bundestag erhält und wie groß die Fraktionen sind. Das Zweitstimmen-Ergebnis legt letztlich auch fest, wie viele Direkt-Kandidaten einer Partei in den Bundestag einziehen können.
Wie wirkt sich diese Änderung aus?
"Kommt es nun bei der Wahl dazu, dass mehr Kandidaten einer Partei einen Wahlkreis gewinnen als ihrer Partei in dem Bundesland gemäß Zweitstimmen-Anteil Sitze im Bundestag zustehen, können nicht alle Direkt-Kandidaten der Partei in den Bundestag einziehen", erklärt die "Stuttgarter Zeitung" die wohl gravierendste Änderung.
Konkret bedeute das: "Es gehen diejenigen Wahlkreis-Sieger einer Partei leer aus, die in ihren Wahlkreisen im Vergleich zu innerparteilichen Konkurrenten in anderen Gebieten die schlechtesten Direktwahl-Ergebnisse eingefahren haben." So genannte Überhang- und Ausgleichs-Mandate – der Grund für die zuletzt stetig gewachsene Zahl von Bundestags-Abgeordneten – wird es nach dieser Bundestagswahl nicht mehr geben.
Welche Bedeutung haben Erst- und Zweistimme?
"Das zweite Kreuz entscheidet über die Mehrheits-Verhältnisse im Bundestag, also, wie viele der insgesamt 630 Sitze einer Partei zustehen", erklärt die "Stuttgarter Zeitung". Oder anders gesagt: "Man entscheidet sich mit ihr für die Landesliste einer Partei, nicht für eine Person. Auf dieser Liste stehen die Kandidaten, die die Partei in den Bundestag schicken will."
Und weiter: "Dabei komme es auf die Reihenfolge auf der Liste an: Wer oben steht, kommt eher dran. Um überhaupt in den Bundestag zu kommen, gibt es für Parteien die so genannte Fünf-Prozent-Hürde. Eine Partei muss mindestens fünf Prozent aller Zweitstimmen oder drei Wahlkreise gewonnen haben, damit sie Abgeordnete in den Bundestag senden darf. Ist das nicht der Fall, verfallen die Zweitstimmen."
Wie wurde bei der jüngsten Bundestagswahl im Jahr 2021 im hiesigen Wahlkreis abgestimmt?
Mit 36,2 Prozent der Erststimmen holte sich der amtierende Abgeordnete Erich Irlstorfer (CSU) als Sieger im hiesigen Wahlkreis bei der Bundestagswahl vor rund dreieinhalb Jahren erneut das Direkt-Mandat. Zweitplatzierter war Andreas Mehltretter mit 13,5 Prozent, dahinter folgte Leon Eckert von den Grünen mit 12,5 Prozent. Beide zogen damals dann aber jeweils über Landesliste in den Bundestag ein, genauso wie Johannes Huber (damals noch AfD), der bei den Erststimmen mit 9,4 Prozent auf dem vierten Platz gelandet war.
Die weiteren damaligen Erststimmen-Ergebnisse: Karl Ecker (Freie Wähler): 12,0 Prozent; Eva-Maria Schmidt (FDP): 7,6 Prozent; Eckhard Reineke (Die Basis): 2,5 Prozent; Nicolas-Pano Graßy (Linke): 2,0 Prozent; Emilia Kirner (ÖDP): 1,6 Prozent; Daniel Weigelt (Die Partei): 1,1 Prozent; Florian Geisenfelder (Bayernpartei): 0,9 Prozent; Magdalena Lippa (V-Partei3): 0,5 Prozent; Horst Boljahn (Volt): 0,3 Prozent. Die nachfolgende Grafik fasst das amtliche Endergebnis der Bundestagswahl 2021 im hiesigen Wahlkreis zusammen; hier sortiert nach Zweitstimmen. Die Wahlbeteiligung lag damals bei 81,8 Prozent.
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