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Brand-Serie auf Bauernhof in Hettenshausen sorgt für Fassungslosigkeit und schürt Spekulationen um einen möglichen Feuerteufel – die Hoffnungen ruhen nun auf den Ermittlern

Update: "Die Sachlage deutet schon auf Brandstiftung hin"

Von Tobias Zell

Ein beißender Geruch liegt über dem Hof. Lösch- und Regenwasser haben kleine Seen gebildet. Zahlreiche Helfer, Freunde und Bekannte von Herbert Schäfer, packen bei den Aufräumarbeiten mit an. Er selbst wieder mittendrin. Woher er die Kraft nimmt, fragt man sich. Die Gesichter der Männer sind zum Teil dunkel vom Ruß. Gerade sind sie dabei, die obere Schicht vom Inhalt des Fahrsilos abzutragen, um es dann wieder abdecken zu können. Sie sind zuversichtlich, auf diese Weise zumindest das Futter für die Tiere sichern zu können. Viel mehr ist hier wohl auch nicht mehr zu retten. 

Am Tag nach dem neuerlichen Großbrand auf dem Bauernhof in der Ortsmitte von Hettenshausen wird einmal mehr das ganze Ausmaß der Zerstörung sichtbar. Diesmal brannten ein Unterstand mit gut 100 Tonnen Heu sowie die daneben gelegene Scheune um das Fahrsilo. Landwirtschaftliche Gerätschaften und Maschinen wurde ebenso ein Raub der Flammen wie bereit liegendes Bauholz. Der Dachstuhl mitsamt der Photovoltaik-Anlage stürzte komplett ein, die Heu-Halle musste aufgrund wieder aufkeimender Glutnester vollständig geräumt werden. Das abgelöschte Heu verteilte die Feuerwehr auf angrenzenden Feldern.

Die ganze Nacht über, bis in den Nachmittag hinein, waren Feuerwehrleute und THW-Männer im Einsatz. Mit aller Kraft und teils schwerem Gerät. Die Löscharbeiten sind nahtlos in die Nachlösch- und Aufräumarbeiten übergegangen. Zeitweise waren bis zu 160 Einsatzkräfte vor Ort. Jetzt, da die Flammen gewichen sind und sich der Qualm verzogen hat, offenbart sich der Schaden, den die Kripo nach ersten Schätzungen diesmal auf 250 000 Euro beziffert. Und über allem schwebt die Frage: Wie kann es sein, dass es innerhalb von nur wenigen Wochen zum dritten Mal auf ein und demselben Bauernhof so verheerende Feuersbrünste gegeben hat?

An einen Zufall glaubt hier, spätestens seit diesem dritten Brand, praktisch keiner mehr. Wer will denn dem Herbert so was Böses? Wer will ihm so schaden? Das fragt sich auch  seine Mutter. Er sei doch so fleißig und tüchtig, helfe immer jedem, sagt sie und verfolgt die Aufräumarbeiten aus einiger Entfernung. Beim ersten Brand, am 31. August, war sie selbst schwer verletzt worden. Von einer panischen Kuh ist sie regelrecht umgesprungen worden und mit dem Kopf auf den Betonboden gekracht, erzählt sie uns. Sie erlitt einen Schädelbruch, habe einige Zeit dagelegen, bis ihre Hilfe-Rufe gehört worden seien. Sie berichtet, wie sie zuerst in die hiesige Ilmtalklinik gebracht und dann in ein Münchner Krankenhaus verlegt worden sei. Und dass die Ärzte nicht sicher gewesen seien, ob sie überhaupt durchkommt.

Sie erzählt uns auch, dass das nun schon der vierte Großbrand auf dem Hof sei, den sie erlebt hat. Damals, im Februar 1955, habe es auch schon einmal schlimm gebrannt. Durch das Knistern sei sie seinerzeit auf das Feuer aufmerksam geworden, sagt sie und schildert detailliert, wie sie dann raus in den Hof gelaufen und auf dem Glatteis erst einmal gestürzt sei, ehe sie Hilfe holen konnte.

 

Hinten die nach dem zweiten Feuer erst wieder aufgebauten beiden Hallen – jetzt hat es schon wieder gebrannt.

Und jetzt, 60 Jahre später, hat es gleich drei Mal kurz nacheinander so heftig gebrannt. Die Ruinen, die das erste Feuer am 31. August von dem Stall- und Scheunentrakt gegenüber dem Wohnhaus hinterlassen hat, sind noch immer zu sehen. Einige verkohlte Balken ragen nach wie vor in den Himmel. Das zweite Großfeuer zerstörte dann am 9. Oktober eine Maschinenhalle samt Maschinen sowie einen Unterstand mitsamt gut 70 Tonnen Heu. Letztere beiden Gebäude sind gerade neu aufgebaut worden, der Kran steht noch auf dem Hof. Gestern Abend, wieder bloß ein paar Schritte weiter, das dritte Feuer auf dem Hof. Wieder zwei Gebäude in Flammen, wieder ein Schaden, der in die Hunderttausende geht. Wieder hat die Kripo die Ermittlungen aufgenommen. Dabei sind die Untersuchungen zu den ersten beiden Bränden noch gar nicht abgeschlossen, wie heute ein Polizeisprecher mitteilte.

Warum es gestern Abend schon wieder gebrannt hat, sei derzeit noch völlig unklar, hieß es in einer ersten Meldung aus dem Polizeipräsidium Oberbayern-Nord. Somit kann freilich noch gar nichts ausgeschlossen werden, auch Brandstiftung nicht. Für die meisten scheint der Fall sowieso klar: Hier müsse doch ein Feuerteufel sein Unwesen treiben. Wie anders könne man sich sonst erklären, dass es binnen nur weniger Wochen gleich drei Mal auf ein und demselben Hof brennt. Und dass jedes Mal zwei andere Gebäude in Flammen aufgehen. 

So groß wie die Fassungslosigkeit ist, so groß sind auch die Hoffnungen, die in die Ermittler der Kripo Ingolstadt und des Landeskriminalamts gesetzt werden. Andererseits fragt man sich als Laie mit Blick auf die ganze Zerstörung, was die Experten denn in all diesen Trümmern überhaupt noch ermitteln und finden könnten.

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